Rudel-Dämmerung

Wir erinnern uns an das schöne Bild von glücklichen, freudig miteinander „arbeitenden“ Hunden, das uns gemalt wurde. Werden Hunde ihrer „angeborenen Stellung“ gerecht gehalten und vom Menschen unbehelligt gelassen, so blühen sie auf, hieß es. Jäger interessierten sich nicht mehr für die Jagd, aggressive Hunde verlören ihre Aggressionen. Der zu zahlende Preis sei der, dass die Hunde immer weniger Interesse am Menschen zeigten. Dafür aber herrsche im korrekt zusammengestellten, „strukturierten“ Rudel friedliches Zusammenleben unter glücklichen Hunden. Draußen liefen Hunde „in Struktur“ stets „wie an einer Perlenschnur“ hinter einander her. Zweiflern wurde immer wieder gesagt: „man muss es gesehen und erlebt haben“. Das allerdings wurde von Anfang an schwergemacht. Diese angeblich so paradiesischen Vorgänge liefen hinter immer undurchsichtigeren Zäunen ab, Fremde wurden verjagt.

„Tja, das mit dem Jagen und auch dass ein KR [Komplettrudel] einfach zu führen sei, sind zwei von sehr vielen Aussagen, die sich als nicht richtig herausgestellt haben. … Ihr eigenes [gemeint ist Barbara Ertel] KR und auch vorher ihr Teilrudel war absolut nicht führbar. Es war erschreckend, wenn die zusammen auf einem Platz waren.“ (Doris2, Polar-Chat, 16.12.)

Auf Ertels Website ist zu lesen, dass viele scheinbar glücklich lebende Hunde innerlich gebrochen seien, aufgegeben hätten. Ohne Rudelstellungen, so Ertels Warnung, werden diese Hunde krank und sterben früh. Oder aber sie werden aggressiv zu Mensch und Hund. Hatte Ertel nicht so manchen Hundehalter gewarnt, es führe zu „Mord und Totschlag“ unter seinen nicht „stellungsgerechten“ Hunden?

Darum wurden doch Hunde, die vor Ertels Urteil „unpassend“ augenscheinlich glücklich zusammengelebt hatten, auseinander gerissen. Gemeinsam noch im Kofferraum kontaktliegend zum Workshop, strikt getrennt zurück nachhause, durften diese Hunde sich nie wieder begegnen! Was wurde eigentlich aus denjenigen, die ungehorsame Besitzer hatten und beieinander bleiben durften? Hat sich hier Ertels Vorhersage bewahrheitet?

„Auf dem WS damals wurde mir gesagt, mit spätestens 5 würde mein potentiell gefährlicher und aggressiver Joss ( V3 ) sich gegen uns und andere Hunde wenden. Er wird im Mai 6. Wir leben alle noch, mit Ruby als Neumitglied.“ (Joss the Dog, Polar-Chat, 16.12.16)

Und was wurde aus den verrudelten Hunden?

Einige Videos haben den Weg aus dem „geschlossenen Bereich“ des Sektenforums nach draußen gefunden, und Neuaussteiger brechen ihr Schweigen. Von Beißvorfällen zwischen Hunden wird berichtet, bei denen die Hundebesitzer einfach danebenstehen oder gar durch ihr Verhalten noch verstärkend wirken. Was es jetzt zu sehen und erleben gibt, sind halt- und führungslose Hunde, die partout nicht in Perlenschnur-Reihung einhermarschieren wollen. Spaziergänge mit Freilauf sind, so hört man, in vielen Fällen gar nicht möglich. Stattdessen gibt es Beißereien oder den Versuch, sich aus dem Weg zu gehen. Obwohl sie es besser wissen müssten, suchen die schwächeren „Bindehunde“ immer noch Hilfe bei ihren Menschen, von denen sie jedoch gnadenlos alleingelassen, beschimpft und verjagt werden.

 „Dann ist es ja so, dass BH Hunde 2. Klasse sind. Sie dürfen, wenn der Eckhund es nicht erlaubt, nicht aufs Sofa, nicht ins Haus und auch kein Kauteil fressen. Gestreichelt werden darf ein BH auch nicht, da er sich ansonsten dem Eckhund gegenüber erhöht und diesen nicht mehr so respektiert wie das nötig ist. In vielen (nicht in allen) Fällen habe ich mich da gefragt ob diese nicht viel lieber alleine bei einem Halter leben würde oder in einem Mehrhundehaushalt wie es bei mir früher war in dem jeder Hund den gleichen Stellenwert hatte.“ (Doris2, Polar Chat 18.12.16):

Die Idee, dass diese rudelgestellten Hunde etwa dank der Behandlung durch ihre Besitzer seelisch verwahrlost sein könnten, kommt im verbliebenen Kreis der Ertel-Hörigen offenbar niemandem. Die Erklärungen lauten anders: „stellungsschwach“, „gebeamt“ oder gar durch einen „MDR-Gendefekt“ aggressiv. Ertel beklagt, das „Hundematerial“ sei durch falsche (Auf-) Zucht und viel zu langes Zusammenleben mit dem Menschen häufig „degeneriert“.

„Die Hunde, die unter RS-Bedingungen groß geworden sind, zeigten sich überwiegend als schwierig, bzw. sehr wenig tolerant mit anderen Hunden.“ („Doris2“, Polar Chat)

 


„Ich habe einige [Rudelstellungsanhänger] gefragt, weil ich absolut nicht verstehen konnte, wie ein Hund so werden kann, und ich bekam die Antwort, dass es an B. [Ertel] und ihrem Umgang mit dem Hund liegt.“ („Zwergenmeister“, Polar Chat, 18.12.16)

Ganz auf Ertels Linie versuchen darum verbissene Es-muss-doch-wahr-sein-Rudler, ihre Hunde notfalls gewaltsam in die ihnen auferlegte „Struktur“ zu zwängen. Also greift man zu Maßnahmen aus den Anfängen der Hundeerziehung, die heutzutage andernorts glücklicherweise als überholt gelten: Anbrüllen, Treten, Mit-Schaufeln-Draufhauen u.ä.. Dass diese Spirale aus Gewalt und Unvermögen zu so manch‘ traurigem Ende führt, ist wenig verwunderlich. Tote Hunde gab es viele.

 „Diese Methoden erinnern stark an alte Sh Platz Methoden.  Hunde werden auf den Rücken geworfen, geknufft und verbal zusammen gefaltet. Wird ein Hund nicht mehr benötigt, passiert es, dass Nachts sich ein Dachs in eine Zwingeranlage mit 5 Hunden verirrt […] Eine Hündin wurde so schwer verletzt,  dass sie eingeschläfert wurde.“ (Exrudler, Polar-Chat , 17.12.16)

Wie kann es so weit kommen, dass einstmals empathische Hundehalter, die doch Gutes wollten, so kalt agieren. War ihnen nicht versprochen worden, dank Rudelstellungen bekämen sie leicht händelbare Hunde? War Ertel nicht angetreten, aus unglücklichen Hunden zufriedene Hunde zu machen?

Ist es wirklich so, dass der Rest der Rudler immer noch nichts sieht? Und ihnen immer noch nicht klar ist, dass bei dem Rudelstellungs-Konstrukt exakt das Gegenteil herausgekommen ist: Aus ganz normalen Hunden wurden gebrochene Hunde, aggressive Hunde, unglückliche Hunde und tote Hunde?

  • 1. Canelo (Barbara) Magendrehung

    2. Mr.Big (Barbara) Beißunfall mit Barbara; eingeschläfert

    3. Balthasar überfahren

    4. Hummel I. (Barbara) im Feld an der Schleppleine vom Jäger überfahren nach einem WS

    5. Chakka N2 Hündin wegen Aggression eingeschläfert

    6. Balduin (Barbara) wegen MDR-Defekt nach Workshop im Auto eingeschlafen. Das ist eine der Versionen. Die andere ist Hirnschlag.

    7. Fenja N3 vom Dachs getötet

    8. Frau Fuchs V2 Hündin (Barbara) von Herrn Dachs VLH- Wurfbruder getötet

    9. Herr Dachs VLH (Barbara) eingeschläfert nach Tötung von Frau Fuchs V2-Schwester

    10. Jette V3 aus demselben Wurf eingeschläfert (Barbara) wegen Aggressivität

    11. Weasley MBH vom eigenen Rudel totgebissen

Das sind die gängigen Versionen im Umlauf. Das ist eine Auflistung der toten Hunde ohne Wertung. (Paige, Polar Chat Mo, 19.12.16)

Vielleicht dämmert es bald auch den letzten RS-Anhängern, dass etwas gewaltig faul ist im Rudel-Land…

Die Zitate stammen von einem (inzwischen ellenlangen) Thread im Polar-Chat Hundeforum, auf dem  RS-Aussteiger von ihren Motiven und Erfahrungen berichten.

26 Gedanken zu „Rudel-Dämmerung

  1. Gehart

    Nachdem ich auf Ihrer Seite diesen Bericht gelesen habe, werde ich wohl ganz schnell meine Entscheidung meinen Hund von Frau Ertel einschätzen zu lassen, ganz klar verwerfen.
    Danke für den Einblick in das Thema Rudelstellung
    Das Original
    Ich bin entsetzt und zugleich tief traurig, dass so etwas sich noch gemeinnütziger Verein nennen darf.

  2. Guigas

    Ich bin entsetzt!!!
    Wenn ein gut funktionierendes Rudel auseinander gerissen wird, Hunde zusammen gestellt werden, die sich offensichtlich nicht verstehen und Mensch/Ertel meint, dass ist alles gut so, hat diese alte DAME den Schuss nicht gehört. Siehe die Liste der „TOTEN HUNDE“. Was ist ihr Ziel? Eins ist klar, es gibt Stellungen und es ist gut, wenn Hunde eingeschätzt werden, aber bitte von Leuten, die das können. Der Hundebesitzer kann vielleicht so manch Handlung seines Hundes verstehen und reagieren. Es gibt so viel Negatives und manche Menschen wollen es nicht kapieren, dass es nicht mit der Brechstange zu erzwingen ist, wie Hunde miteinander leben wollen und können. Siehe Mensch…

  3. martha

    @Guigas Was fuer „Stellungen “ meinst du?Und wer sollte diese besser einschätzen koennen,als deren Erfinderin selbst?

  4. Tina

    Nun sind auch noch zwei weitere Videos aufgetaucht, sogar mit der zweiten Vorsitzenden des Vereins und mit Frau ertel persönlich sowie ein Vergesellschaftungsvideo mit unkenntlich gemachten Beteiligten. Das Frappierende an dem Video ist, dass die eine Hundebesitzern darum bittet, man möged die vergesellschaftung stoppen, da der vlh mit dem aggressiven angehen des v2 nicht aufhört. Umstehende kommentieren dies damit, die Hundehalterin solle nicht hingucken. Was will der Verein damit bewirken, solche Videos zu veröffentlichen? Werbung für Hundekämpfe?

  5. Tina

    So wie es aussieht, wurde das Video mit der Vorsitzenden samt spaten wieder auf you Tube entfernt.

  6. Tina

    Schlimm ist das, wirklich furchtbar!

    Was die Halterin wohl über sich selbst denken würde, wenn sie das Video mal ganz objektiv betrachten könnte? Sie ist völlig unberechenbar für ihre Hunde, schwankt ohne erkennbaren Anlass zwischen Wutausbrüchen und Zuwendung hin und her. Dass Hunde bei solcher Haltung irgendwann aggressiv werden oder durchdrehen, ist doch nur eine Frage der Zeit.

    Das macht mich alles nur noch unsagbar traurig.

  7. Tina 1

    Das video mit Frau ertel und der zweiten Vorsitzenden mit spaten war nicht zu öffnen. Bei dem Video, dass die vergesellschaftung vlh und v2 zeigt, merkt man wie stark doch der Einfluss von Frau ertel und ihrem Gefolge ist. Eigentlich weiß die hh instinktiv, dass sie ihren Hund schützen muss, aber sie ist gegenüber den umstehenden ohnmächtig. Man kann daran deutlich erkennen, worum es den es anhaengern geht, um die eigene Anerkennung in der Gruppe, was für einen tollen vlh habe ich, der nimmt den v2 so richtig ran. Für alle anderen wäre klar, der vgl. hat ein mittleres bis schweres dominanz-Problem, was der Hhalter nicht in den Griff kriegt. Man könnte den Eindruck gewinnen, die umstehenden ergötzen sich am Leiden der beiden miteinander ringenden Tiere, wie beim hundekampf. Schrecklich. Wo hat diese Zurschaustellung von tierleid stattgefunden?

  8. Tina 1

    Schön wäre es, wenn endlich auch das zuständige Veterinäramt und entsprechende Strafverfolgungsbehörden wegen möglicher Verstöße gegen den Tierschutz langsam mal hellhörig werden würden. Dann wäre vielleicht endlich Ende mit RS!

  9. Flix Artikelautor

    ja, Tina 1, das wäre wahrlich wünschenswert.

    Was ich aber bereits gut finde, ist die Tatsache, dass sich die Verbreitung der Videos verselbständigt. Wer Augen hat, kann sehen…

  10. Timbra

    Das ist ja wohl nichts anderes als ein scheiss Hundekampf und niemand geht dazwischen. Wie kann man sowas mitansehen? Die haben echt nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich habe die Sache ja länger nicht mitverfolgt, aber jetzt bin ich wirklich richtig schockiert. Es ist überhaupt kein Wunder, dass Hunde verhaltensgestört und aggressiv werden, wenn man sie so aufeinander losgehen lässt. Naja, irgendwie war das Ergebnis vorhersehbar, aber dass es mittlerweile schon tote Hunde gibt, hätte ich mir in meinen finstersten Alpträumen nicht vorstellen können.

  11. Ehemalige

    RS ist hoffentlich bald tot.

    Der letzte kleine Haufen von Unbelehrbaren wissen es nur noch nicht-oder wollen es nicht wissen.

  12. martha

    @timbra Es wurde von Rudelstellungsgläubigen schon ganz zu Anfang geäussert,dass man z.B.einen MBH besser einschläfern solle,wenn er durch falsche Lebensumstände innerlich „zerstoert“ sei oder niemals die Moeglichkeit hätte ,seiner Bestimmung nach zu leben.Das sei dann Tierquälerei ,ihn nicht zu „erloesen“ Anders ausgedrueckt:alles weg,was nicht auf Linie funktioniert oder funktionieren kann.Nehme mal an,dass solche Äusserungen bei Ertel ihren Ursprung hatten. Ertels „Hirnschäden“ als Euthanasiebegruendung.

  13. martha

    …und da ist es auch nur konsequent,wenn man Hunde sich gegenseitig totbeisssen lässt.Wenn sie funktionieren wuerden,wuerden sie sich ja nicht beissen.Und wenn einer sich totbeissen lässt,war er wohl nicht in der Lage ,sich auf Linie bringen zu lassen.Hirnschaden und dadurch „sozialer Abschaum“,der lebensunwert ist.Bin gar nicht so sicher,dass Ertel heutzutage nicht doch einen Anhängerstamm behalten wird,solange der Tierschutz nicht eingreift.

  14. Tina 1

    Wie man sieht auf den Videos. Es gibt immer noch genügend Anhänger und solange der Verein frei agieren kann, ist die Gefahr da, dass die Anhängerschaft wieder wächst und auch Ableger bildet. Deshalb bleibt es weiterhin Aufgabe von klargestellt weiter zu recherchieren, zu Beiträge zu veröffentlichen und zwar objektiv. Leider fehlt dieses Art von Auseinandersetzung auf Facebook. Das ist nur reißerisch. Auch Frau ertel könnte gegen diese agitation vorgehen. Damit wäre nichts gewonnen. Das darf nicht passieren.

  15. Tina

    Zu dem o.a. Video:
    Originalton Barbara Ertel bei 1:17 „Früher hat man dem Humd eine runtergehauen und damit war das Thema erledigt.[…]Ne echte körperliche Korrektur versteht der, der versteht aber nicht diese psychische Manipulation mit Leckerlie[…].“

    Noch Fragen?!

  16. Schnecke

    Das ist doch eine Hundetrainerin die für zwei der Videos verantwortlich ist, das eine mit dem Kurzhaarcollie, wohl ihr eigener Hund, und das andere wo der kleine Wuschel von ihrem Mali gebissen wird. Kann man den nichts gegen die Frau unternehmen, die hat auch noch den 11-er auf ihrer Website stehen. Da stellt es einem doch alle Haare auf.

  17. s.k.

    wo bitte bleiben jetzt die tierschützer…gegen diese person muß vorgegangen werden..das ist tierquälerei hochgradig und die ,die diese methoden anwenden,sollten gleich mitbestraft werden…die menschheit wird immer verblödeter.

  18. Cat

    Hat zufälligerweise einer noch einen alternativen Link zu dem Video mit der „Beinarbeit“ am KHC?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.