Hundegruppen

Petra Keil lebt und arbeitet als Hundebetreuerin und –Trainerin in Berlin. Seit mehr als zehn Jahren führt und beobachtet sie Hunde in unterschiedlicher Gruppenzusammensetzung. Von festen Stellungen hat sie nie etwas bemerkt und stellt fest: „Bei dieser Tätigkeit wird eindeutig klar, dass es vRS nicht gibt.“

IMG_3261.jpegSeit vielen Jahren arbeite ich als Hundesitterin, Dogwalkerin,  Hundebetreuerin und Trainerin. Zwangsläufig ist auch mir die Lehre von der vererbten Rudelstellung nicht entgangen. In meinem Beruf lerne ich sehr viele Hunde unterschiedlichster Couleur kennen. Ich vergesellschafte sie jeden Tag, wenn man so will. Die Reise ins „Universum Hund“ nenne ich es für mich und beobachte sie mit Freude in ihrem Verhalten und ihrer Gruppendynamik.

Meine Hundegruppen strukturieren sich jeden Tag neu. Besonders fällt dies auf, wenn Gasthunde in die jeweilige Gruppe kommen. Sofort beginnen die „Stammhunde“ in Eigenregie mit dem „Scannen“ und Einordnen des neuen Hundes. In der Regel entwickelt sich daraus angemessenes Rollenverhalten, die Hunde zeigen dabei keinerlei Stress oder Unwohlsein. Besonders faszinierend ist ihre hohe soziale Kompetenz, wenn z.B. ein verhaltensauffälliger Hund in die Gruppe integriert wird.

Natürlich muss ich Neuzugänge in den Gruppen „vorstellen“ und dabei Klarheit vermitteln. Dass sie mich in meiner Verantwortung akzeptieren, ist die Grundvoraussetzung für eine klare Struktur, innerhalb der sich jeder bewegen kann, wie er möchte, um sich wohl und sicher zu fühlen. Hunde passen sich in ihrem Verhalten an, um für sich eine Basis des Wohlfühlens, der Sicherheit zu schaffen. Die meisten Hunde wollen zusammen sein. Geschmeidig und achtsam gehen sie miteinander um, wenn Deutlichkeit nötig ist, auch sehr grob.

Es gibt Hunde, die ich als Einzelgänger bezeichne, die in der Gruppe „ihr Ding“ alleine machen, für sich sein möchten. Auch das wird von den anderen akzeptiert. Mobbing-Situationen habe ich selten erlebt. Sie lassen sich durch Klarheit, ruhige verbale Korrektur gut handeln. Wenn etwas in einer Hundegruppe nicht klappt, dann hat das nichts mit Genetik zu tun oder weil ein Hund Typ AAA, BBB oder CCC ist. Hunde brauchen und wollen kompetente Führung. Es ist von Vorteil, wenn man dafür einen Blick hat und situationsbedingtes Verhalten richtig einschätzt und wertet.

Wenn Hundehalter keinen Ausweg mehr wissen, nachdem sie Hundeschulen ohne Erfolg besucht haben, klammern sie sich an alles Neue, was so „natürlich-hündisch“ klingt und ihre Probleme im Umgang mit dem Hund so einleuchtend erklärt. Der Leidensdruck ist bei vielen Hundehaltern enorm, und in einer Gruppe von Anhängern fühlt man sich sicher und geborgen. Man kann sich darin einrichten und alles, was man erlebt, bequem nach dem gemeinsamen Bilde zurechtbasteln.

IMG_6821Natürlich gibt es „Hundetypen“ bzw. Kommunikationstypen. Das ist nichts Neues. Ob man das nun als menschliche Berufsbezeichnungen (Wächter) oder als tabellarische Buchstabenanordnung (OMG) interpretiert, ist doch jedem überlassen, so lange kein Hund zu Schaden kommt. Ihre flexiblen Strategien erlauben es Hunden, seit Tausenden von Jahren in allen möglichen Gruppenstrukturen zusammen und an unserer Seite zu leben. Starre Stellungen hätten da fatale Folgen, damit hätten sie sicher nicht so lange überlebt. Alles in allem – Hunde sind für mich wahre Evolutionswunder! Sie haben sich so gut angepasst, gerade an den Menschen, der ja die größte Herausforderung für sich selbst und für andere Spezies darstellt.

Ich könnte viele Fallbeispiele nennen und möchte nur eines schildern, um zu verdeutlichen, wie Hunde in kürzester Zeit ihr Verhalten ändern können. Ein Tibet Terrier Rüde, der seit vielen Jahren in meiner Betreuung ist, reagiert bei seinen Haltern auf andere Rüden sehr aggressiv. Wenn er aber morgens zu mir an das Auto zum Auslauf gebracht wird, ich die Leine übernehme, ist er wie ausgewechselt. Obwohl die anderen Rüden im Auto um ihn herum sind, gesellt er sich gern dazu, zeigt nicht einmal Meideverhalten. Im weiteren Tagesverlauf  ist er mit souveräner Leichtigkeit dabei, keine Aggression, keine auffälligen Verhaltensweisen, er integriert sich vollkommen normal.

Am Nachmittag bei Abholung der Hunde die gleiche Situation: Die Hundehalterin übernimmt die Leine ihres Hundes, und dieser geht sogleich äußerst aggressiv auf die anderen los, mit denen er zuvor problemlos unterwegs war. Ich nenne es das Jekyll- und Hyde-Verhalten. Ich möchte damit nur unterstreichen, wie extrem Hunde ihr Verhalten an die Situation und an die „Führungsperson“ anpassen. Der Hund wechselt sofort in seine neue Rolle, kennt dabei genau die Inszenierung und folgt präzise ihrer Dramaturgie.

Mein Resümee

IMG_8368Für mich gibt es keine festen Rudelstellungen. Andernfalls hätte ich meinen Beruf längst vor lauter Verzweiflung an den Nagel gehängt. Denn ich wäre nicht Tag für Tag mit Hundegruppen in ständig wechselnder Besetzung unterwegs, wenn ich sie unsäglich leidend erleben würde. Ich erlebe sie stattdessen in GESUNDER BALANCE!

Das Einschätzen und Interpretieren von Hunden gehört zu meiner Tätigkeit, daraus mache ich keine Wissenschaft, weil ich keine Wissenschaftlerin bin. Um wirkliches Wissen zu erwerben, ist Demut erforderlich, der Austausch mit Weggefährten und mit seriösen Kanidenforschern. Ich bilde mir ein, von und über Hunde viel gelernt zu haben, und dennoch weiß ich, dass ich nichts weiß.

Der Versuch, mit Hunden nach festen „Rudelstellungen“ umzugehen, wird bei vielen Haltern zu bösem Erwachen führen. Für die betroffenen Hunde kann es ein schmerzhafter und trauriger Prozess werden. Wir sollten Hunde in ihrer individuellen Entwicklung unterstützen und nicht in menschengemachte Schubladen zwängen. „Universum Hund“ – eine gemeinsame Reise dahin kann wertvoll und schön sein!

Jeder Hund ist ein Buch OHNE sieben Siegel! Viel Freude beim Blättern und Lesen!

Petra Keil

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16 Gedanken zu „Hundegruppen

  1. Hilde

    Das nenne ich doch mal einen Bericht aus dem „richtigen“ Leben. Danke, danke! So stelle ich mir das auch vor mit mehreren Hunden. Leider habe ich da ja nicht soo viel Erfahrung. Aber wenn – etwas Management und schon klappt es auch.

  2. Rosa

    Es gibt in der Tat das Phänomen, dass ein Hund in Gegenwart seines Halters Artgenossen angehen will und ohne den Halter nicht.
    Ganz einfach:
    Der Hund weiß, daß er bei seinem Halter nicht seiner Stellung entsprechend behandelt wird und agiert selber.
    Er wird vom Reiz nicht abgeschirmt und reißt dann die Klappe auf.
    Ganz klar ist auch, warum er das Verhalten im Chaosrudel nicht zeigt:
    Ihm wird bei der Begrüßung schon klargemacht, dass er die Füße still zu halten hat.
    Das wird ihm die überlegene Doppelstellung schon mitteilen.
    Ihr wisst gar nicht, was mental zwischen den Hunden abläuft…..
    Der Hund wäre lebensmüde, wenn er in dieser Situation aufmucken würde, weil er seinen Doppelbesatz zB eigentlich nicht duldet.
    Und das kaum Auseinandersetzungen vorkommen zeigt, dass welche vorkommen.
    In der wird kurz geklärt, welches Agreement die nicht passenden Stellungen ausmachen.
    Das muss man erleben!

  3. Heike

    Liebe Petra,
    danke für deinen Artikel. „… dennoch weiß ich, dass ich nichts weiß.“ Wahrer geht es nicht!!

    @ Rosa: „Ihr wisst gar nicht, was mental zwischen den Hunden abläuft…..“ Das ist wohl wahr! Ich bin mir sicher, dass kein Mensch wissen kann, was mental bei einem oder zwischen mehreren Hunden abläuft. Wir sind ja nicht mal in der Lage, dies bei unserer eigenen Spezies zu erkennen. Wer behauptet, er/sie habe Kenntnis von mentalen Prozessen bei anderen Lebewesen, hält sich für die Krone der Schöpfung. Meiner Meinung nach ist das nichts anders als Hokuspokus, Gedankenleserei, Wahrsagerei. Man kann daran glauben. Oder eben nicht.

  4. Carla

    Ehm, Rosa, hast Du denn diese Gruppen von Frau Keil selber gesehen bzw erlebt? Wenn nein, wie kommst Du zu Deiner Behauptung? Da ja nur Frau Ertel Hunde einstufen kann: wie kommst Du zu dem Urteil Chaosrudel und Doppelstellung? So eine Beurteilung kann ja wohl nur von Frau Ertel selber kommen. So weit ich weiss, gibt selbst Frau Ertel keine Ferndiagnosen ab, ohne die Hunde selber zu sehen. Von wegen, dass man selber sehen und erleben muss um mit zu reden. Oder hast Du eine Erlaubnis zu solchen Einstufungen im Alleingang?

    Im RS Universum gehen die Uhren und Hunde anders. Ein normaler gedeckelter Hund zeigt sich wie ein gedeckelter Hund weil er damit den Deckler befriedigt. Tut er das nicht, dann wird halt so lange gedeckelt, bis er sich gedeckelt zeigt. Dann ist Ruhe im Karton. Im RS Universum gehts andersrum. Der gedeckelte Hund macht das Gegenteil. Gibt sich froh und selbstbewusst. Und der Deckler findet das toll und gibt Ruhe. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lachen sie noch heute.

    Naja, die BILD Zeitung wird ja dann berichten: Hunderudel zerfleischt sich vor den entsetzten Augen der Betreuerin und einer Kindergartengruppe. Experten haben davor gewarnt. 10 Jahre ging es gut, aber dann…….

    Danke! an die Macher. Danke an Frau Keil. Wieder ein sehr guter Bericht. Wieder eine kritische, erfahrene Stimme mehr!

  5. Marion L

    Liebe Rosa,
    ich picke mir mal dies hier heraus: Ihr wisst gar nicht, was mental zwischen den Hunden abläuft…..
    Niemand kann das wissen, du nicht, ich nicht, Frau Ertel nicht. Du, ich, Frau Ertel und ihre Anhängerschaft vermuten nur – mehr nicht!
    Ich finde es absolut vermessen, sich so darzustellen, als ob man alleine weiß, wie ein Lebewesen tickt, was „mental“ abläuft…

  6. petra keil

    Liebe Rosa,
    ich möchte Sie gern einladen, um einen Einblick in meine Arbeit zu bekommen. Sie schreiben vom Chaosrudel. Nun, ich nehme es Ihnen nicht übel, habe selber viel zu oft vorgefertigte Meinungen.
    Bitte bilden Sie sich eine Meinung, wenn Sie es ERLEBEN.
    Kost&Logie sind selbstverständlich frei.
    P.Keil

  7. Wortzauberin

    Danke Petra!

    @Rosa – „Ganz einfach:
    Der Hund weiß, daß er bei seinem Halter nicht seiner Stellung entsprechend behandelt wird und agiert selber.“

    Ja, klar. Schon beim Lesen des Artikels habe ich mit genau so einer Antwort gerechnet.

    Das muss man erleben? Ja – DAS muss „man“ erleben, nicht sich was vorkauen lassen und den Kaugummi dann irgendwo hinpappen. Hunde sind so wundervoll, individuell, Hunde eben, … da kann Mensch echt was erleben – ganz ohne Kästchen drüberstülpen.

  8. Nici

    @Rosa
    Darf ich deinen Ausführungen entnehmen, dass in einem perfekt aufgestellten, strukturierten Rudel NIEMALS Auseinandersetzungen zwischen den Hunden vorkommen? Niemals nie nicht?? Nie und nimmer? Ganz ehrlich nicht?
    Nicht mal das kleinste bisschen anknurren, anbuffen, Gerangel?

  9. Ungerudelt

    Auseinandersetzungen gibts bei nach vRS gehaltenen Hunden doch nur bei diagnostiziertem fehl – oder Doppelbesatz. Alles andere, was danach aussehen könnte, nennt man ARBEIT, welche dann in der Form ewünscht ist.
    Ha-Ha-Ha

  10. Astrid Dechert

    Danke Petra für Deinen warmen und realistischen Artikel !
    Ich habe Dich selbst kennengelernt und Dich mit Deinen Hunden erlebt.
    So, wie Du schreibst und berichtest, so seid ihr auch und die Wärme und Faszination kommt ganz klar an !
    Es ist ein herrlicher Anstoß erneut darüber nachzudenken, was wir Menschen uns anmaßen wissen zu wollen….. dabei ist einfach nur zu genießen viel lehrreicher und wertvoller !
    Die eigene Unzulänglichkeit, Dinge nie ganz shen zu können voll aktzeptabel und an Stärke kaum zu toppen.
    Lieben Gruß von Astrid

  11. Nici

    Ach so, also im „Chaosrudel“ hält der im Beispiel genannte Hund die Füße still, weil ihm das die anderen Hunde so „gesagt“ haben. Und der arme Hund traut sich dann gar nicht erst aufmucken, weil er mental so von den anderen Hunden eingeschüchtert ist?
    Die gleiche Situation in einem strukturierten Rudel würde man dann wohl als „Einbindearbeit“ bezeichnen und das wäre dann ok? Auch wenn das Ergebnis das gleiche wäre, nämlich dass der Hund „die Füße still hält“? Und wie läuft denn die rudelstellungskonforme Arbeit zwischen den Hunden denn ab? Ja auch mental und über Körpersprache….genauso wie in einem „Chaosrudel“ auch….weil Hunde eben Hunde sind und nur so kommunizieren können.

    Ach ich würd mich ja so gern im .eu anmelden und meine kritischen Fragen dort stellen….aber ich würde wohl nach der 2. Frage ohnehin entfernt werden….

  12. Carla

    Dies hatte Wortzauberin gefunden:
    Auf Seite 3 ist allerdings echt Schluss
    http://www.rudelstellungen.eu/forum/215-oeffentliche-tagebuecher-von-mehrhundehaltern/75722-mbh-balduin-7-monate-und-n2-kaya-10-wochen-aufbau-eines-nachrangrudels-start-29-07-2013-erweitert-17-dez-2013-geschwister-nlh-hummel-n3-jette-8-wochen-28-3-2014-urlaubsaufnahme-v3-toy-weiblich-2-jahre?start=20#76325

    “…. und dann schließe ich die Tür und dann lasse ich meine gesamte innere Aggression raus und laufe dabei solange gegen den Hund bis der nur noch da steht und sein Gesicht zeigt mir, wenn er überzeugt ist.”

    Das heisst also, wo in einem Chaosrudel die Hunde nicht ernsthaft arbeiten, sondern sich nur verstellen und kurz vor dem Blutbad stehen, sieht das in einem RS Rudel ganz anders aus. Hier ist der Mensch der ausflippende Aggressor. Man soll ja die Hunde ohne Einmischung arbeiten lassen. Wenn die jedoch eigene Meinungen haben und nicht so arbeiten, wie es dem Menschen passt, dann rastet dieser Mensch halt mal aus. Warum man in einem richtig zusammengestellten Rudel dann als Mensch so massiv ausflippen muss entzieht sich mir allerdings. Genau DAS sollte doch eigentlich nur in Chaosrudeln von sozialem Abschaum passieren, oder? Quasi DER Beweis dass es genauso kommen muss in unstrukturierten Rudeln.

  13. Cat.Rin

    Danke Petra, für Deine Ansicht, für Deine Beschreibung.

    Ich habe Petra Keil mit „ihren“ Hunden erlebt. Ich war zu Gast bei ihr und wir haben meinen Hund (ca. 1-jährige Rumänin) in die Gruppe eingeführt. Petra ging dabei sehr bedacht vor und beobachtete die Hunde sehr genau. Es kam zu keinerlei Aggressionen unter den Hunden. Meine Hündin ist ein kleiner Wirbelwind und trotz der Wildheit lief alles in friedlichen Bahnen ab. Ich war sehr glücklich zu sehen, wie frei und fröhlich mein Hund Bekanntschaft mit den anderen geschlossen hat.
    Nun weiß ich nicht, ob mein Hund ein VL, HL, N2, VLXg, MdB, KPD, SED oder sonst was ist. Es ist mir auch völlig egal. Ich erkenne, daß mein Hündchen fröhlich ist und ihr Leben bzw. ihr Dasein genießt. Und das ist mir wichtig. Sie kommt mit jedem anderen Hund aus – vorausgesetzt der andere Hund darf…

    Ich habe gerade auf den oberen Link geklickt und war förmlich erschrocken, wie über Hunde gesprochen wird. Sie werden in Schubladen gesteckt und somit jeglicher Individualität beraubt. Ich bin aber der festen Überzeugung, daß Hunde, Katzen, Pferde,… alle Tiere einen Charakter, eine Einzigartigkeit haben und somit zum Individuum werden. (Jetzt mal die Ameisen und anderen „Völker-Insekten“ ausgenommen, da weiß ich es nicht)
    Ich glaube nicht, daß Hunde sich verstellen können, wie wir Menschen das tun. Sie kriechen keinem in den A… um besseres Futter zu bekommen, sie können nicht berechnen. Zumindest nicht in dem Maße, wie wir Menschen. Ich glaube auch nicht, daß Hunde „falsch“ sind und lügen. Kein Hund. Ob jetzt in einem Chaosrudel (der Begriff gefällt mir übrigens. Ich mag leichtes Chaos, denn daraus können wunderbare neue Dinge entstehen.), oder in einem Stellungsrudel – mein Gott, das klingt wie Krieg (Stellungskampf).
    Ich persönlich halte nichts von der Rudelstellung. Das entbehrt bei mir jeglicher Logik. Ich verstehe es nicht. Und so soll es wohl auch sein, damit nur die Wenigsten Kapital daraus schlagen können. Ich halte es für Humbug und kann nur an den gesunden Menschenverstand appellieren.

  14. Tanja

    Ach, das Phänomen, dass sich Hunde beim Trainer oder Dogsitter anders verhalten, schon meine Pfleglinge verhalten sich anders als vorher/nachher… das ist doch bekannt. Das hat auch wenig mit „Führungspersönlichkeit“ zu tun, sondern viel mehr wie anpasungsfähig Hunde sein können. Beim Hundetrainer ist die Belohnungsrate oder Strafrate besonders hoch, bei den Besitzern ist es meist schon „ein alter Hut“.
    Bei der Dogsitterin sind da noch andere Hunde, die Verhalten massiv beeinflussen, aber auch soziale Komponenten wie Eifersucht sind da vielleicht ausgeschaltet oder das Gewohnheitspöbeln ist in neuer Umgebung einfach kein Thema.

    Ich behandle meine Pfleglinge wohl auch anders als die Vorbesitzer, ich hatte einen Malamuten, der einige Probleme hatte, auch wurde mir gesagt, dass er in der Stadt Angst hat, besonders vor Autos. Schon an Tag 1 habe ich das Verhalten GAR NICHT beobachten können, er ist mit mir und einem meiner Shibas an der Leine in der Stadt herumgelaufen, als hätte er nie etwas anderes getan. Er hat sich noch über die menschlcihe Aufmerksamkeit gefreut.
    Ich hatte dann Interessenten hier, die beim TÄGLICHEN Gassiweg die Leine in der Hand hielten udn er hatte plötzlich Angst vor vorbeifahrenden Autos. Ich habe übernommen, und die Angst war weg. Im neuen Zuhause aber hat er diese Angst wieder. Ich schiebe das nicht auf meine Führungspersönlichkeit, sondern die Erfahrung, dass man sich bei mir geborgen fühlen kann seit Tag 1. Eine Verknüpfung eben.

    Auch ist es ein Zeichenv on sozialer Kompetenz sich neuen Gegebenheiten unterzuordnen und erst zu beobachten wie der neue Mensch/Hund tickt.

  15. Timbra

    Auch von mir herzlichen Dank für den Beitrag. 🙂

    Wir haben hier auch ab und zu zwei Dogsitterinnen mit einem großen, bunt gemischten Haufen freilaufender Hunde und ich bin jedes Mal beeindruckt, wie die beiden das managen, und zwar ohne permanent an den Hunden herumzuzuppeln. Hut ab!

    Klar verhalten sich Hunde bei anderen Menschen mitunter anders, auch weil sie sie nicht einschätzen können, und bei einer Hundegruppe sowieso. Da backt man erstmal lieber kleine Brötchen.
    Z.B. hat ein wesentlich größerer Hund meinen wiederholt gemobbt und wir kamen immer nicht vorbei. Als sich keiner kümmerte, weil einfach niemand da war, habe ich dem Hund irgendwann eine klare Ansage gemacht, er möge sich jetzt bitte vom Acker machen, und meinem Hund, er möge bitte weitergehen („bitte“ heißt bei mir immer kurz vor nackig). Fortan reichte ein Räuspern und der Hund hielt Distanz. Dann hat meiner aber auch zügig vorbeizugehen. Das lag alles aber nicht an meiner supertollen Kompetenz. Der Hund hatte sonst einfach keine anderen Erfahrungen mit mir gemacht.
    Das war auch einer der ganz wenigen Fälle, in denen ich auf einen anderen Hund eingewirkt habe. Außer bei Angriffen mit Beschädigungsabsicht und ohne jegliche Kommunikation der Hunde ist das sonst praktisch nicht notwendig, finde ich. Ich führe meine Hunde durch die Situation und andere Hunde interessieren mich nicht.

    Und dann noch was zu der Behauptung, dass Hunde andere Hunde deckeln, um sie auf Kurs zu bringen. Hunde, die andere Hunde unterdrücken, sind keine Führungspersönlichkeiten, sondern sozial inkompetent. Es gibt Hunde, die sehr souverän, gelassen und trotzdem präsent sind, einfach ihr Ding machen und Provokationen möglichst an sich abprallen lassen, aber sich auch mal durchsetzen, wenn ihnen eine Ressource wichtig ist. Andere Hunde, insbesondere ängstliche und unsichere, schließen sich solchen Hunden einfach gern an und orientieren sich an ihnen, weil diese Hunde ihnen durch ihre Souveränität Ruhe und Sicherheit vermitteln und das kann einen unglaublich tief sitzenden Eindruck hinterlassen. Daran muss ich immer denken, wenn Hundetrainer behaupten, sie hätten von Hunden gelernt, und Hunde dann niederzischen, treten, würgen und ins Meideverhalten zwingen.

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