Günther Bloch: Kanidenverbände

Wir stimmen allen „Rudlern“ zu: Praktisches Erleben ist durch nichts zu ersetzen. Praktisches Erleben verschafft einem einmalige Erkenntnisse. Man kann sehen und „das was man sieht einfach mal entfalten lassen“ – super. Gerne übernehmen wir eine Vorreiterrolle in Sachen Berichterstattung zum praktisch erlebten „Wolfsrudelleben“. Der nachfolgende Bericht basiert auf praktisch erlebten Freilanderfahrungen mit Wolf und Hund. Weitere werden folgen. Mit Daten und Fakten.
Liebe Rudler, liebe Frau Ertel: Nun würde ich eigentlich nur noch gerne Ihre gewonnenen Einsichten aus ihrem eigenen praktischen Erleben mit Wölfen lesen. Aus reiner Neugierde. Und weil Sie doch immer alle fordern, dass man sich auf praktisch Erlebtes konzentrieren sollte. Wie könnte ich da widersprechen. Ich nehme Sie beim Wort und bin schon ganz gespannt, was Sie so alles mit Wölfen praktisch erlebt haben.
– LG Günther Bloch

Kanidenverbände und Persönlichkeiten:
Ein verhaltensbiologischer Blick hinter die Kulissen sozialer Vielfalt.

Günther Bloch

Caniden-Verhaltenszentrum Hunde-Farm „Eifel“, Abteilung Verhaltensforschung.
Email: canidexpert(at)aol.com   Website: www.hundefarm-eifel.de
Copyright (c) September 2014: Günther Bloch; 53902 Bad Münstereifel.

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© Günther Bloch (Kosmos Verlag)

Einleitung:
Bei Wolf (Canis lupus) und Hund (Canis lupus f. familiaris), wobei f. für die Form steht, handelt es sich keineswegs um unterschiedliche Arten. Wolf und Hund sind gruppenorientierte, sozial-intelligente Kaniden, anpassungsfähig und flexibel. Während der Wolf ein vom Menschen sehr unabhängiges Leben führt, hat sich der Hund über Jahrtausende hinweg auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Menschen spezialisiert. Dennoch stellt die allseits bekannte Ethologin Dorit Feddersen-Petersen (2004) zu Recht klar: „Das altbewährte Sozialsystem der Wölfe, die dank ihrer Fähigkeit zur ausgefeilten Zusammenarbeit überleben…ist auch dem Hund eigen. Es war in der Tat kein Zufall, dass gerade der Wolf domestiziert wurde“. Diese Feststellung soll allerdings auf keinen Fall dazu verleiten, Wolf und Hund 1:1 gleichzusetzen, was aus vielerlei Gründen unsinnig und falsch wäre, da sich Haushunde im verhaltensökologischen Verständnis nur extrem selten zu langfristig überlebensfähigen „Rudeln“ zusammenschließen.

Natürlich ist des Hundes Nähe zum Wolf auch heute noch vorhanden. Dies insbesondere im Zusammenhang mit hundlichem Beutefangverhalten und spätestens dann geradezu fühlbar zu erleben, wenn eine unkontrollierte Hundehorde gemeinsam ein Reh verfolgt und ggf. sogar gemeinsam tötet. Der unvergessene Zoologe Erik Zimen argumentierte schon 2003 sehr weitsichtig: „Wenn wir den Hund ganz verstehen wollen, müssen wir Mäusefänger_kleindaher erst einmal den Wolf kennen, denn von ihm stammt dieses natürliche Erbe, das immer noch in jedem Hund steckt“. Natürlich haben wir alle große Schwierigkeiten damit, beim Anblick eines so genannten „tea cup dog“ irgendein wölfisches Erbe zu erkennen. Betrachten wir hingegen eine Gruppe Nordischer Hunde und deren nuanciert miteinander kommunizierende Vertreter, fällt uns dies freilich erheblich leichter. Generell sind Wolf und Hund genetisch zu 99.7% miteinander verwandt.

Wichtige Differenzierungen zur Verhaltensökologie frei lebender Wölfe:
Das Wolfsrudel ist genauso wenig existent wie der pauschal alles Menschliche meidende und scheue Wolf. Auch das Territorial-, Jagd- und Fressverhalten des Wolfes gibt es nicht. Stattdessen dürfen wir in unseren Freilandstudien ein bemerkenswertes Ausmaß an Flexibilität bestaunen. Viele Tundrawölfe (Canis lupus albus), deren präferiertes Beutetier das weitläufig umherwandernde Karibu ist, verhalten sich zum Beispiel kaum territorial. Diesbezüglich konnten wir mehrfach dokumentieren, wie sogar erwachsene Wolfsindividuen unterschiedlicher Gruppenzugehörigkeit ohne ernste Auseinandersetzungen zusammen Beuterisse konsumierten (Bloch & Radinger 2012). Auch Timberwölfe (Canis lupus occidentalis) sind je nach Beschaffenheit des Lebensraums, dem vorhandenen Beutetierangebot und vor allem je nach Jagddruck durch den Menschen signifikant unterschiedlich organisiert: Von in Ausnahmefällen bis zu vierzig Individuen zählenden Großfamilienverbänden, einschließlich mehrerer Mütter und Welpenwürfe, über Elterntiere nebst Nachwuchs aus 1-3 Jahren, bis hin zu solitär lebenden Individuen ohne jeglichen Anschluss zu irgendeiner Wolfsgruppe. Der Biologe D. Mech (1999) definierte einst die Norm einer wölfischen Sozialstruktur als „Eltern-Nachwuchs-Dominanz-System“.

Selbstverständlich begegnen wir auch Wolfsfamilien, in die Fremdtiere unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Persönlichkeitsprofils integriert sind. Den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass in etwa 10-20% eines regionalen Wolfsbestandes alleine unterwegs ist und demzufolge auch regelmäßig solitär jagt. Unter besonders ungünstigen Bedingungen mitunter sogar zeitlebens. Apropos Jagd: Der Freilandforscher C. Sillero-Zubiri (2006) verweist auf die Vermischung verschiedener Eigenschaften beim Äthiopischen Wolf (Canis lupus simensis), der ein recht großer Kanide ist, fast ausschließlich kleine Beutetiere fängt, in Rudeln lebt, aber meistens alleine jagt. Wie wir also heute wissen, hat das Zusammenleben in sozialen Gruppen offensichtlich nicht viel mit der Gemeinschaftsjagd auf große Beutetiere oder mit vorbestimmten Gruppenstrukturen und Positionen zu tun.

futter11 copyDie Wolfsforscher D. Mech & L. Boitani (2003) gehen argumentativ sogar noch einen Schritt weiter. Nach deren Ansicht sind erhebliche Zweifel angebracht, ob die gemeinsame Jagd überhaupt evolutionsbiologische Antriebsmotoren der Familienbildung bei Kaniden beeinflussen. Vielmehr bietet laut dem Zoologen D. Macdonald (2006) die koordinierte Gruppenverteidigung von Territorien und Beute sowie deren schnelles Konsumieren den eigentlichen Hauptgrund dafür, warum sich Hundeartige zu sozialen Gruppen zusammenschließen. Infolgedessen prägte D. Macdonald den mittlerweile allgemeingültigen Begriff der „Ressourcenverteidigungs-Hypothese“. Für alle Kaniden, einschließlich Wildhund, besteht demnach grundsätzlich ein gemeinsames Interesse an der Nutzung und Verteidigung von Höhlen, Rendezvousgebieten, Schlaf- und Ruheplätzen, energiesparenden Wegenetzen sowie Nahrungs- und Wasserressourcen.

Kaniden in freier Wildbahn und deren Familienstrukturen:
Die meisten Hundeartigen, wie etwa der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus = bunter Hund) oder der Rothund (Cuon alpinus), leben in klassisch strukturierten Familienverbänden. Selbst Kojoten (Canis latrans) formen mitunter bemerkenswert funktionale Familienclans mit zehn oder mehr Mitgliedern. Als eine Art Bindeglied zwischen den bereits benannten Wildkanidenformen und unseren Haushunden wird gemeinhin der Dingo (Canis lupus dingo) gehandelt. Dessen soziale Organisation reicht von Dingoeltern, die in manchen Gebieten Australiens gemeinsam mit ihrem erwachsenen Nachwuchs alljährlich Welpen aufziehen und koordiniert großen Busch-Kängurus nachstellen, bis hin zu losen Lebensgemeinschaften, die, gleich nebenan auf Frazer Island, in Touristenhochburgen bevorzugt Urlauber anbetteln, Nahrungsressourcen aller Art stehlen und vielfach oft als reine Abstauber unangenehm auffallen (Bloch & Radinger 2012).

Überlegungen zur sozialen Vielfalt von verwilderten Haushunden:
Konträr zum gebräuchlichen Pauschalbegriff „Straßenhund“ differenziert man im Englischen zwischen in Städten oder ländlichen Gebieten lebenden Streunern (stray dogs) und Hunden mit gänzlich verwildertem Status (feral dogs), welche die Nähe des Menschen scheuen. Erstere findet man laut dem Verhaltensforscher W. Fielding (2005) als frei umherwandelnde Hundegruppen primär in armen Nachbarschaften, wo sie aufgrund fehlender Grundstücksumfriedungen eher als „Gemeindebesitz“ gelten. Letztere bilden äußerst variable Gruppenkonstellationen, ernähren sich regelmäßig von Kleinwild, Aas oder Müll und bringen ihren Nachwuchs in selbst gegrabenen Erdhöhlen zur Welt. Der portugiesische Biologe F. Fonseca berichtet von rudelbildenden Hetzjägern, die sich ab der Abenddämmerung in Bergregionen zusammenrotten, gemeinsam Nutzvieh angreifen und töten. Die Ethologen T. Daniels & M. Bekoff (1998) definieren den Begriff „Rudel“ unter Berufung auf ihre Studie an verwilderten Hunden in diversen Native-Reservaten der USA als „eine Gruppe von Tieren, die zusammen wandern, ruhen, nach Futter suchen und jagen“. Die vielerorts geäußerte These, dass Hunde mehrheitlich solitär unterwegs seien bzw. lebten, stimmt somit nicht. Unsere Untersuchungsergebnisse aus einer dreijährigen Langzeit-Verhaltenstudie an drei verwilderten Haushundegruppen in Italien fielen im direkten Vergleich mit Wolfsfamilien gemischt aus: Einerseits unternahm die Hauptbeobachtungsgruppe unter der klugen Leitung ihrer Leitfähe „Eurecia“, so wie eine Wolfsfamilie es grundsätzlich auch tun würde, tagtäglich fast alles zusammen (siehe „Rudeldefinition“), andererseits konnten wir keinerlei zielorientierte Jagden auf Großbeutetiere wie Dam- oder Schwarzwild nachweisen.

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© Günther Bloch (Kosmos Verlag)

Alle in der Universität Göttingen aus Kotproben analysierten DNA-Resultate zugrunde legend, waren mit Ausnahme von zwei Individuen alle Gruppenmitglieder der Hauptbeobachtungsgruppe miteinander verwandt. Nachwuchs wurde gegenüber Wildschweinen kollektiv verteidigt. Auf der anderen Seite wurden wir Zeitzeuge von regelmäßig stattfindenden Inzucht-Verpaarungen zwischen Leitrüde „Nerone“, mehreren weiblichen Verwandten und sogar Töchtern. Weder Nerone noch irgendwelche Helfershelfer organisierten Nahrungstransporte in Richtung Höhlenstandort. Um die Versorgung der Welpen kümmerten sich ausnahmslos die jeweiligen Mütter (Bloch 2007). Wie schon im Rahmen unserer „Bow Valley Wolf Behaviour Observations“ zur Grundcharaktereinschätzung von Timberwölfen nach dem „bold & shy model“ (A/B-Typen Modell) dokumentiert, stellten auch die in der Toskana untersuchten Hundegruppen einen Zusammenschluss aus einerseits verhaltenstendenziell forschen, wagemutigen, spontan handelnden, extrovertierten, kontroll- und erkundungsfreudigen Grundcharakteren (A-Typen), andererseits aus verhaltenstendenziell zurückhaltenden, eher distanzwahrenden, introvertierten, zaghaften, aber sozioemotional eher stabilen Persönlichkeiten (B-Typen) dar.

„Verhaltenstendenziell“ heißt, dass der Anteil der phänotypischen Varianz (Heretabilität), die auf genetische Unterschiede zurückzuführen ist, aus wissenschaftlicher Sicht für die Position einer A/B-Typisierungsachse mit etwa 25% zu beziffern ist. Da die Verhaltensökologie von Hundeartigen permanent durch vielfältige Umwelteineinflüsse geprägt wird, gilt natürlich Gleiches für die Entwicklung von Grundcharakteren bzw. Persönlichkeiten. Bislang galt die Einschätzung „Genotyp + Umwelt = Phänotyp“ als allgemeingültig anerkannt. Neuerdings wird unter so genannten „Rudlern“ die These der genetisch-fixierten sieben Rudelstellungen vertreten. Ob es diese sieben Rudelstellungen überhaupt gibt, soll durch molekulargenetische Untersuchungen analysiert werden.

Pensionshundegruppen und erste Einschätzungsversuche von Grundcharakteren:

wlpengruppe copyZu unserem größten Bedauern behauptet man vielerorts völlig pauschal, jegliche Gruppen-Vergesellschaftung von Haushunden sei aufgrund von unzumutbaren Stressbedingungen generell als tierschutzrelevant zu bewerten. Andere erheben den Anspruch, jedes angeblich problematische Hundeindividuum durch „rudelstellungsrechte Integration in ein perfekt strukturiertes Hunderudel“ resozialisieren zu können. Wir halten solcherart Extrempositionen für wenig hilfreich. Hundeindividuen ohne jegliche Bindungsbeziehung, die sich in einer Urlaubspension oder im Tierheim kennen lernen, sind nach einer gewissen Anlaufzeit zwar in der Lage soziale Strukturen zu formen, aber keine „Rudel“ (*). Vielmehr handelt es sich bei solchen Konstellationen zumindest anfangs bis zur Festigung einer Sozietät um nichts anderes als um „soziale Sammelgruppen“ beziehungsweise „zeitlich limitierte soziale Lebensgemeinschaften“.
(*): „ein zu etablierendes und zu erhaltendes Organ, anpassungsfähig und nützlich für jedes Individum“ (Feddersen-Petersen 2004).

Irgendwie scheint der Begriff „Rudelhaltung“ zum Allerweltsbegriff zu verkommen. Stets bemüht um eine differenziertere Sicht der Dinge, dokumentieren wir in der Pension der Hunde-Farm „Eifel“ bei der Zusammenstellung von gemischten Hundesammelgruppen eine hohe Variabilität und Vielfältigkeit an Gruppenstrukturen und notieren sämtliche Rollen, die manche Individuen zumindest zeitweilig innehalten, indem sie mit spezifischen Funktionen verbundene Verhaltensgewohnheiten u.a. geschlechts- und altersbedingt signifikant häufiger ausführen als alle anderen Gruppenmitglieder (z.B. hoher Sozialstatus, Alarmgeber, Wächter). Somit votieren wir für eine durchdachte, behutsam durchgeführte Hundebetreuung, die nur unter Berücksichtigung rassespezifischer Verhaltenstendenzen und durch genaue Beobachtung der situativ anwesenden Hundepersönlichkeiten mit deren individuellen Verhaltensprofilen möglich ist. Zur Vermeidung von unzumutbar hohem sozialen Gruppenstress, womöglich in chronischer Form, dem vordergründig betrachtet eher in erster Linie sensible Hundeindividuen ausgesetzt sind, hilft die Erkenntnis, dass draufgängerische und spontan handelnde „Kontrollettis“ im Zweifelsfall eher zu unüberlegtem Handeln und zu impulsiven und lautstarken Scheinangriffs-verhalten tendieren.

A-Typen sind schnell überfordert und wollen sinnbildlich „mit dem Kopf durch die Wand“. Um so wichtiger ist es für den Menschen als Leiter und Dirigent einer gemischten Sozialgruppe den Bewegungsfreiraum von hundlichen „Kontroll-Freaks“ vorausschauend zu begrenzen und ihr zuweilen aufdringliches Gehabe mit gutem Bauchgefühl kurzzeitig körpersprachlich zu bedrängen.
B-Typen sind Zauderer, agieren ungern überstürzt und lassen den Dingen zunächst ihren Lauf. Sie handeln gewissenhaft und vorsichtig abwartend. Behutsamkeit, zielorientierte Zurückhaltung und eine „Aussitz-Strategie“ scheinen sich im Umgang mit Artgenossen insgesamt auszuzahlen. B-Typen scheinen gegenüber spontan auf sie zukommende äußere Einwirkungen und soziale Spannungen widerstandsfähiger zu sein.

Bei der Beaufsichtigung von sozialen Sammelgruppen sind erfahrungsgemäß diejenigen Betreuerinnen am erfolgreichsten, die bei deren Zusammenstellung möglichst darauf achten, eine ausgewogene Mischung aus extro- und introvertierten Hundepersönlichkeiten (A/B-Typen) zu vergesellschaften. Unverzichtbare Voraussetzung für eine relativ zielgenaue Einschätzung von tendenziellen Grundcharaktertypen sind zunächst einmal Langzeitkenntnisse aus der praktischen Verhaltensobservation, Basiswissen zur Ontogenese eines jeden Hundeindividuums, das in eine Hundegruppe integriert werden soll und ein gewisses Fingerspitzengefühl. Obwohl wir in unserer Hundepension seit 1977 auf reichhaltige Erfahrungen mit unterschiedlichsten Hundegruppen-konstellationen zurückblicken können und in unserem Verständnis natürlich mittlerweile auch etliche „Führungstalente, Seelchen und gesellige Persönlichkeitstypen“ kennenlernen durften, ist uns klar, dass solcherart Persönlichkeitseinteilungen nur ein erster Schritt sein können.

Erklärungsansätze zur Persönlichkeitseinschätzung diverserlesu09 copy Wildkanidenspezies:
In den letzten Jahrzehnten lieferten verschiedene Freilandstudien an Kojoten und Rotfüchsen (Bekoff 1977, 2006) interessante Erklärungsansätze zu einer persönlichkeitsgebundenen Sozialrangordnung in Kanidenfamilien. Zurzeit untersuchen wir bereits im fünften Jahr hintereinander, ob Timberwölfe schon im Welpenalter spätestens mit Vollendung der zwölften Lebenswoche eine Art „Dreistufengesellschaft“ bilden, die geschlechtsunabhängig aus dem ranghöchsten Persönlichkeitstypus, dem tiefrangigsten Typ und einem sozialen Mittelfeld besteht. Im Gegensatz zu den sich frühzeitig etablierenden ranghohen und tiefen Positionen herrschte bei den studierten Wolfswelpenwürfen unter den mehrheitlich geselligen Persönlichkeitstypen des sozialen Mittelfelds eine hohe Interaktionsvariabilität ohne feste Rangpositionen vor. Die Abschlussergebnisse unserer Arbeit werden frühestens Ende 2015 veröffentlicht.

Nach Auffassung von Mark Bekoff (1977) gilt für Kojote, Rotfuchs und Goldschakal die Faustregel: Erst Rangverhalten, dann Spiel. Bekoff zitiert zudem Kollegen, wonach auch unter Schwarzrückenschakalen das gleiche Strukturmodell beobachtbar war. Laut J.M. Weber (2006) beginnen Rotfüchse bis zur 8. Lebenswoche eine Rangordnung zu etablieren. Alle Abwandernden eines Wurfes waren dominante Tiere, während diejenigen, die rangtiefe Positionen im Wurf hatten, im elterlichen Revier blieben. Auch M. Bekoff (2006) bestätigt einen Zusammenhang zwischen Grad und Häufigkeit des Rangordnungs- und Spielverhaltens zwischen Wurfgeschwistern und deren späterem Abwandern. Bei Kojoten verlassen vorwiegend Tiere mit niederem Rang ihre Familie, seien es Welpen, Jährlinge oder nicht fortpflanzungsfähige Erwachsene. Erst kürzlich wurde ein neuer Forschungsbericht zum Thema Wagemut und Scheuheit (A/B-Typ-Achse) unter Kitfüchsen publiziert.

Schlussfolgerungen zu Persönlichkeitseinschätzungen und Rollenverteilungen (Wolf):

Unsere seit 1992 andauernden Langzeitstudie an Timberwolffamilien in den kanadischen Rocky Mountains belegen zweifelsfrei, dass juvenile und subadulte Gruppenmitglieder bestimmte alters- und geschlechtsgebundene Aufgaben übernehmen. Viele nehmen ihre Funktion als „Babysitter“ schon im vorgerückten Teenageralter sehr ernst, unterstützen ihre Eltern bei der aktiven Jungenfürsorge und tragen so aktiv zur Gruppenstabilität bei. Das unterscheidet sie deutlich von wild lebenden Haushunden, die solcherart rudeltypische Rollen anscheinend generell nicht besetzen. Alarm- und Wachaufgaben übernehmen in erster Linie einjährige männliche Tiere. Dies jedoch keineswegs exklusiv, wie mancherorts behauptet wird, da die anfallenden Rollen- und Aufgabenverteilungen in familiären Wolfskreisen je nach Lebensumstand äußerst flexibel gehandhabt werden.

Adulte Familienmitglieder helfen in Abwesenheit des Leitpaars bei der sozialen Integration ihrer jüngeren Geschwister und üben mit ihnen Kommunikations- und Spielrituale ein oder wandern innerhalb des elterlichen Streifgebiets selbständig umher, um dieses ggf. recht frühzeitig zu verlassen. Unter Einbeziehung sämtlicher bis dato analysierten Feldnotizen, Videografierungen und Datenbanken besteht offensichtlich ein direkter Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Sozialstatus eines Welpen und dessen Abwanderungszeitpunkt aus dem vertrauten Elternrevier (Home Range). Wer bleibt, wer geht oder wer zwischen diesen beiden Lebensformen eher entscheidungsunfreudig abwägt scheint davon abzuhängen, ob und wenn ja, welche Rangposition ein Wolfswelpe im Alter von 10-12 Wochen bekleidet. Diesbezügliche Untersuchungsresultate auf der Basis direkter Langzeit-Verhaltensbeobachtungen zugrundelegend, setzt sich ein solches Gruppengefüge („Dreistufen-Rangordnungsmodell“) nach unserem heutigen Wissensstand aus drei signifikant unterschiedlichen Persönlichkeitstypen zusammen:

  1. Der ranghöchste Charaktertyp („Kopftyp“) scheint sich sehr frühzeitig zu höherem berufen zu fühlen. Kopftypen sind willensstark und entfernen sich im Vergleich zu allen anderen Welpen bereits im Alter von drei Monaten dreimal so weit von der Geburtshöhle wie alle anderen Geschwister. Solcherart „Führungstalente“ versuchen gemeinsames Kontaktliegen mit Wurfgeschwistern möglichst zu vermeiden, spielen insgesamt auffallend wenig und zeigen wenig Ambitionen, sich am allgemeinen Interaktions-geschehen ihrer Geschwister zu beteiligen. Kopftypen verlassen das Heimatrevier ihrer Eltern im Erwachsenenalter deutlich frühzeitiger als Vertreter des geselligen Persönlichkeitsspektrums, suchen zielorientiert nach geeigneten Paarungspartnern und treten selbstbewusst auf.
  2. Der tiefrangigste Charaktertyp („Seelchen“) ist ein sensibles und unterwürfiges Tier und liegt aufgrund seines niedrigen Sozialstatus oft abseits vom Pulk. Solcherart „Schmuddelkinder“ werden von ihren Geschwistern bevorzugt gemobbt und sind deshalb selten in der Lage, unbekümmert zu interagieren. Seelchen werden bisweilen von ihren Geschwistern regelrecht gemieden und halten eher Abstand. Rangtiefe Individuen zieht es gezwungenermaßen frühzeitig weg von ihrem Geburtsort, sie finden jedoch seltener Anschluss zu artgleichen Fremdtieren und schlagen sich mitunter zumindest mittelfristig als Einzelkämpfer und Kleinbeutejäger durch.
  3. Das soziale Mittelfeld („Geselliger Typ“) ist als eine Art Sammelsurium zu definieren, in dem sich die mit Abstand verständigungsfreudigsten Individuen tummeln, die viel sozial geselliges Interesse bekunden und im Hinblick auf die Etablierung klar umrissener Dominanz- und Bindungsbeziehungen jede Gelegenheit zur Interaktion mit ihren Geschwistern wahrnehmen. Gesellige Typen scheinen viel sozialen Klärungsbedarf zu haben, zeigen eine hohe Kontakt- und Spielfreudigkeit und treten fast immer im Pulk auf. Wie wir heute wissen, sind es in erster Linie gesellige und spielfreudige Individuen, die als Heranwachsende den Willen zu einem längeren Verbleib in ihrem Familienverband bekunden und die im statistischen Durchschnitt frühestens im Alter von 2 ½ Jahren abwandern. Einige wenige von ihnen bleiben sogar ein Leben lang.

Alle wissenschaftlichen Forschungsberichte zum Thema extrovertierter versus introvertierter Charaktertyp kommen zu dem Ergebnis, dass die Bewertung einer A/B-Typ-Achse nur ein grobes Basismodell zum besseren Verständnis zweier tendenziös sehr unterschiedlichen Grundpersönlichkeiten sein kann. Praktische Erfahrungen aus der Praxis lehren uns, bei der verhaltensökologischen Beurteilung von Wildkaniden-Charakteren stets deren adaptive und variable Verhaltensstrategien im Auge zu behalten („big picture“). Unsere derzeit noch nicht abgeschlossene Langzeituntersuchung zum „Dreistufen-Rangordnungsmodell“ basiert primär auf direkten Verhaltensbeobachtungen zur wölfischen Individualbestimmung und phänotypischer Merkmale. Deren Vertreter können sowohl A-Typen oder B-Typen sein.

Schlussfolgerungen zu Persönlichkeitseinschätzungen und Rollenverteilungen (Wildhund):

© Günther Bloch (Kosmos Verlag)

Bislang wurde das für Wolfsfamilienstrukturen besprochene „Dreistufen-Rangordnungsmodell“ in Bezug auf verwilderte Hundegruppen allenfalls auf verhaltenstheoretischer Ebene diskutiert, da vergleichbare Gruppenpositionen und Persönlichkeitszuordnungen verglichen mit dem Wolf u.a. aufgrund der schwach ausgeprägten Familienbildung beim Hund deutlich schwieriger nachweisbar sind. So verspüren in freier Wildbahn beheimatete Hunde offensichtlich weniger Drang, ihr Heimatrevier zu verlassen, so dass der Vergleichwert des Abwanderungsverhaltens (Dispersal) fast komplett wegfiel (*). Die von uns im Rahmen des „Tuscany Dog Project“ in den Jahren 2005-2007 begleiteten drei verwilderten Haushundegruppen boten allerdings exzellente Möglichkeiten, die A/B-Persönlichkeitsachse an allen erwachsenen Hunde und deren Welpen zu überprüfen und schlussendlich als gegeben zu bestätigen.
(*): Nach Überprüfung aller protokollierten Fälle waren es während unserer fast drei Jahre andauernden Studie letztlich nur ein jeweils rangniedrige Weibchen und ein rangniedriger Rüde, die ihr Heimatrevier verließen und abwanderten.

Bei „Nerone“ und „Eurecia“, dem Leitpaar mit höchstem Sozialstatus, handelte es sich um souveräne Persönlichkeiten mit viel Willenskraft und Durchsetzungsvermögen. Vor allem Eurecia war mit einem besonderen Anführertalent gesegnet. Wie es sich für allseits anerkannte Zentralfiguren einer sozialen Hundegesellschaft geziemt, traten beide Leittiere (ähnlich wölfischen „Kopftypen“) routiniert und körpersprachlich selbstbewusst auf, trafen verhältnismäßig viele gruppenrelevante Entscheidungen und schienen genau zu wissen was sie wollten. Das mehr oder weniger klassische Persönlichkeitsprofil des submissiven und rangtiefsten Gruppenmitglieds (ähnlich wölfischen „Seelchen“) deckte eindeutig der zu Studienbeginn in etwa 2 Jahre alte „Fox“ ab, der immer wieder kollektiv vorgetragenen Mobbingattacken ausgesetzt war. Niederrangige Subadulte und Jugendliche schlüpften tagtäglich in die Rolle von Wächtern und Alarmgebern, deren vielschichtig und situativ variabel vorgetragenes Gefahrenerkennungs- und Abwehrkollektiv aufgrund guter Organisation erstaunlich reibungslos funktionierte. Andere Gruppenmitglieder unterhielten häufig wechselnde Dominanzbeziehungen mit ungeklärten Rangpositionen, spielten ausgiebig miteinander und lagen während gemeinsamer Inaktivphasen im Pulk und Körperkontakt zusammen (ähnlich wölfischen „Geselligen“).

Bei gemeinsamen Streifzügen durch ihr heimisches Territorium, die primär in den frühen Morgenstunden und am späten Abend stattfanden, nutzten und etablierten die Hunde fest etablierte Wanderpfade, Rendezvousgebiete mit Beobachtungshügeln sowie wetter- und gefahrenspezifische Rückzugsareale und waren in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen in wiederum unterschiedlichen Gruppenformationen unterwegs. Gruppengröße und Welpenwurf-stärken unterlagen deutlichen Schwankungen. Immer wiederkehrende, fest fixierte Gruppen-stellungen kamen ebenso wenig zur Beobachtung wie irgendwelche Tötungen von Welpen durch Hundemütter oder Väter. Nachwuchs wurde grundsätzlich in Erdbauten geboren, verhielt sich wie alle erwachsenen Individuen scheu und zeigte keinerlei Interesse an direkten Kontaktaufnahmen mit Menschen. Und dies, obwohl die ansässige Hundepopulation in regelmäßigen Zeitabständen von Tierschützern an drei im Wald fest eingereichten Futterstellen mit Nahrung versorgt wurde. Einen wolfstypischen Rollenbesatz von sozialen Helfershelfern (Babysitter) zur Welpenfürsorge in Abwesenheit der Elterntiere war zu keinem Zeitpunkt ersichtlich, weil die Hunde nicht gemeinsam auf die Jagd gingen und mit Ausnahmen der Muttertiere keinen Nahrungstransport von den Futterstellen zu den Höhlenstandorten organisierten.

Schlussfolgerungen zu Persönlichkeitseinschätzungen und Rollenverteilungen (Haushund):
Erik Zimen führte in seiner 1971 veröffentlichten Doktorarbeit aus, bei den untersuchten Pudelwürfen hätte sich unter den Welpen schon mit sieben Wochen eine Sozialrangordnung nach dem Gewicht der Welpen herausgebildet, die dann kaum noch verändert wurde. Eberhard Trumler beobachtete unter acht Wochen alten Welpen tendenzielle Persönlichkeitsunterschiede zwischen dem rangniedrigsten Welpen, der stets bestrebt war irgendwo Anlehung zu suchen und dem Ranghöchsten, der sich bevorzugt in Nähe seines Vaters aufhielt und seine Geschwister von seinem Vorzugsplatz verdrängte, um sich „in der Bedeutung seines Vorbilds (Vaters) zu sonnen“. Besonders kontakt- und spielfreudige Individuen werden ebenfalls explizit erwähnt. Dennoch liegen uns zurzeit weder quantitativ noch qualitativ ausreichende Belege vor, die die Existenz eines im Welpenalter frühzeitig etabliertes „Dreistufen-Rangordnungsmodells“ nachweist, das für alle Hunderassen und deren Mischlingsformen Gültigkeit hätte. Einige anekdotische Berichterstattungen gibt es schon. Die kommen erwartungsgemäß von Hobbyzüchtern. Laut Udo Ganslosser ist eine Doktorarbeit in Vorbereitung, die sich mit dem Persönlichkeitsthema wissenschaftlich auseinandersetzen soll.

09_doru copyMit etwas Geschick kann eigentlich ein jeder Hundefreund innerhalb einer zeitweise oder dauerhaft vergesellschafteten Hundegruppe A/B-Typisierungen vornehmen: Da beobachtet man das auffällige Erscheinen eines extrovertierten „Kontrolettis“, der, gerne imponierend, ständig damit beschäftigt zu sein scheint, irgendetwas zu beschlagnahmen (z.B. Ersatzbeutestücke wie Stöcke, Mauselöcher auf der Hundewiese), Besitzansprüche auf alles und jeden zu erheben und/oder hektisch umherschnüffelnd über die Markierstellen anderer Hunde zu pinkeln. A-Typ-Rüden geben sich im sozialen Kontext äußerst experimentierfreudig, probieren gerne alle möglichen Tricks aus, um das Wohlbefallen von Hündinnen auf sich zu lenken: Intensives Posieren, aufdringliche Kontaktaufnahmen mit heftigem Rutenwedeln, Fellstupsen, ungestümes Bellen und Vortäuschungen zur Spielaufforderung sind nur einige Beispiele aus dem selbstdarstellerischen „Unterhaltungsprogramm“.

Wie beim chinesischen Yin-Yang-System, das symbolisch für die Vereinigung von Gegensätzen steht, begegnen wir bald auch dem Zauderer. Wir können praktisch miterleben, wie sichtlich unangenehm es diesem introvertierten Grundcharakter ist, „Lautsprecher“ zu sein. B-Typen verhalten sich zögerlich und ziehen sich wenn machbar zurück. Streitigkeiten gehen sie bevorzugt aus dem Weg. Bevor sie sich zum Handeln entschließen, beschauen sie die Dinge zunächst in aller Ruhe aus der Distanz. B-Typen mögen es ganz und gar nicht, mit jedem Artgenossen in Kontakt treten zu müssen oder womöglich von fremden Menschen betätschelt zu werden.

Zusammenfassung:
Ob wagemutig oder zögerlich, ob Führungstalent, unterwürfiger Mitläufer oder persönlichkeits-bedingt immer mittendrin im Geschehen – nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist der Charakter eines jeden Lebewesens ein Resultat aus genetischen Dispositionen (Veranlagungen) und flexiblen Verhaltensanpassungen (Lernerfahrungen). Die neuerlich aufgestellte Hypothese zur tatsächlichen Existenz von sieben von Geburt an vorbestimmten Rudelstellungen ist anhand von Speichelproben durch molekulargenetische Untersuchungen grundsätzlich überprüfbar. Zumindest für Haushunde. Diesbezügliche Studienresultate liegen up to date nicht vor.

Während unserer Verhaltensbeobachtungsstudien zur A/B-Typisierung und möglichen Existenz des hier nur grob skizzierten Dreistufen-Rangordnungsmodells den Wolf betreffend, konnten wir auch keine fest verankerten Gruppenstellungen entdecken. Gegenteilig stellte sich die theoretisch mögliche Existenz von „perfekt strukturierten Wolfsrudeln mit sieben genetisch fest fixierten Positionen“ und einige weitere totalitäre Behauptungen aus der „RS“-Lehre zur Verhaltensökologie des Wolfes faktisch als rein willkürlich formulierte Fantasievorstellung heraus (Bloch 2014). Nach unserem Kenntnisstand hat bis zum heutigen Tag niemand auf der Welt in irgendeiner Freilandstudie trotz des Bemühens um genaue Beobachtung von Intentionen, Stimmungen und Gestimmtheiten aller Studiensubjekte ein „perfektes Siebener-Wolfsrudel“ ausfindig machen können.

Stockdackel

Literatur zum Weiterlesen:
Bloch, Günther & Radinger, Elli (2010): Wölfisch für Hundehalter, Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern; Kosmos-Verlag.
Bloch, Günther & Dettling, Peter (2012): Auge in Auge mit dem Wolf, 20 Jahre unterwegs mit frei lebenden Wölfen; Kosmos-Verlag.
Bloch, Günther & Radinger, Elli (2012); Affe trifft Wolf, Dominieren statt kooperieren? Die Mensch-Hund-Beziehung; Kosmos-Verlag.
Ruge, Nina & Bloch, Günther (2013): Was fühlt mein Hund? Was denkt mein Hund? Hundeexperte antwortet Hundefreundin; GU-Verlag.

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14 Gedanken zu „Günther Bloch: Kanidenverbände

  1. Arachne

    Vielen, vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich persönlich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass entsprechende reale Erlebnisse von Frau Ertel berichtet werden können. Wahrscheinlich sind die Wölfe, wenn sie denn mal welche gesehen hat, eher im Zoo zu Hause. Sollte sie allerdings wirklich einen eigenen Erfahrungsschatz über die Beobachtung freilebender Wölfe haben, wäre ich sehr daran interessiert davon zu lesen.

    Warten wir einfach gespannt ab…….

  2. Klaus-Jürgen

    Sehr geehrter Herr Bloch,

    vielen herzlichen Dank für diesen Artikel und ihr generelles Engagement sich mit den aus meiner Sicht schlimmen Entwicklungen der Rudelstellungslehre auseinanderzusetzen und Position zum Wohle unserer Hunde zu beziehen!

    Mit hundlichen Grüßen
    Klaus-Jürgen

  3. Brigitta Kramer

    Lieber Herr Bloch,

    auch ich möchte mich hier bei Ihnen bedanken.

    Nicht zuletzt ist es Ihrem Engagement hier und ihrer klaren und fundierten Meinung gegenüber der RS zu verdanken, daß in meinem Bekanntenkreis jemand davon abgehalten wurde, weiter Kontakt mit der Rudelstellungsmafia zu halten. Durch die Lektüre Ihrer wissenschaftlich klaren Stellungnahmen hier ist das zum Glück für meine Freundin klar geworden, wie wenig Fundament die RS hat, sondern einzig allein durch die Aussagen einer einzigen Person am Leben gehalten wird.

    Frau Ertel hat wohl nur 2 Grunde für ihr Verhalten: Eine ausgeprägte Profilierungsneurose und die Gier nach immer mehr Einnahmen für ihren seltsamen „Verein“ – also für sich selbst letztendlich.

    Liebe zu Hunden kann ich nirgendwo erkennen. Weder aus der Betrachtung ihrer Videos, noch aus den Berichten von Leuten, die diese Sekte erlebt haben, erschließt sich mir auch nur ansatzweise Empathie. Weder für Menschen – und schon gar nicht für Hunde.

    Ganz klar ist das aber erkennbar, wenn man einmal die Seite der Frau Ertel besucht, deren Adresse ich hier nicht nochmal verlinken möchte. Da haben Hunde keine Namen mehr, sondern nur noch Buchstaben- und Zahlenkombinationen. Da werden Hunde hin und her getauscht, ohne Rücksicht auf Verluste. Da gibt es Tauschbörsen für das Lebewesen Hund – es ist ein Irrsinn, was Menschen alles tun können, und dann noch daran glauben, daß das für ihren Hund das Beste wäre! Gehirnwäsche funktioniert also immer noch…Und der Rubel rollt weiter für Frau Ertel.

    Eigentlich ist es kaum zu glauben. Währen Sie ihre Ausführungen mit Fakten, Daten und weiterführenden Links belegen, durch langjährige Selbstbeobachtungen geschaffenes Wissen weitergeben, glauben die Anhänger der Rudelstellungstheorie immer noch einzig allein den Worten einer Person, die nichts, aber auch gar nichts wissenschaftlich nachweisen kann, die Behauptungen aufstellt, deren Nachweis nicht zu erbringen ist, deren Worten man einfach glauben MUSS, will man zu ihren Jüngern gehören. Die Kritik an ihr oder ihrer Lehre nicht gelten läßt. Sogar deren Vita ist in den Bereich Sagen und Märchen einzuordnen.

    Eigentlich könnte man kopfschüttelnd zur Tagesordnung übergehen, wenn die ganze Sache nicht solche bösen Konsequenzen für viele Hunde hätte.

    Die A/B Typisierung scheint mir da ungleich logischer zu sein, Ähnliches konnte ich schon selbst an vielen Hunden beobachten. Ich habe eindeutig einen „Kontroletti“ zu Hause 🙂

    Auch ich warte interessiert auf Unterlagen über den „reichen Erfahrungsschatz bei der Beobachtung freilebender Wölfe“ durch Frau Ertel. Es wäre an der Zeit, entweder wissenschaftliche Beweise für ihre kruden Thesen zu erbringen, oder endlich zuzugeben, daß das ganze Konstrukt nichts war als eine Seifenblase, die zugegebenermaßen wohl ziemlich einträglich ist.

    Dann wäre endlich der ganze Spuk vorbei.

    Mit freundlichen, dankbaren Grüßen

    Brigitta Kramer

  4. Anne nebst Fellnase Alpha

    Das ist nun wirklich mal ein guter Bericht!
    Ich bin erst vor kurzem durch ein Buch von M. Nowak auf das Thema „Rudelstellung“ aufmerksam geworden. Ich fand es ziemlich interessant, da sie anscheinend ein halbwildes Rudel Jahrelang begleiten konnte und somit wohl beobachtet hat welche charaktere es gibt und wie sie untereinander Kommunizieren. Und das sie diese Kommunikation für den Menschen „brauchbar“ machen wollte fand ich eine gute Idee. Weg von Leckerliebestechung und Sinnlos „Sitz“, „Platz“ und „Aus“. (Das Klappt bei meiner Halbstarken sowieso nicht, denn sobald sie auf lustige kleine Hunde trifft mit denen sie gern spielen möchte sind ihr Leckerlies egal. Darum will ich nach anderen Wegen suchen wie ich ihr sagen kann „Ne, mit dem sollst du nicht spielen“ aber ohne gewallt und ohne irgendwelche verschnürungen um Kopf und Hals). Somit vertiefte ich mich also im Internet in die Themen mit der Rudelstellung von der Frau Ertel und war erschrocken wie trocken, gefühlskalt und rein theoretisch (phantastisch) das doch alles ist…
    Wie können Menschen die sich einen Hund mit Herz und Seele ausgesucht haben einfach in eine „Tauschbörse“ geben nur weil er angeblich nicht die Passende „Rudelstellung“ hat. Und das diese Menschen nicht mal Hinterfragen woher dieses „Wissen“ kommen soll und warum nur diese eine Person das „einschätzen“ kann. Das war mir alles zu suspeckt und verstörend. Ich habe weiter gesucht und kam dann (endlich) auf diese Seite.
    Hier werden die Kenntnisse mit Fakten dargestellt und hier wird kritisch hinterfragt. Das ist Gut! So sollten doch alle Menschen handeln. Mal nachdenken, hinterfragen und nicht kopflos der nächst besten Person die etwas nicht belegbares Verbreitet hinterherlaufen.
    Mein Fazit ist: Seid neugierig auf neue Wege, hinterfragt „Altbewehrtes“ und vertretet das, was euer Kopf und euer Bauchgefühl für richtig empfindet. Und bitte alles für das Wohlergehen des Hundes an eurer Seite!!!!
    Danke nochmal für diesen tollen Bericht. Ich werde dahingehend sicher weiteres lesen um meinen Wissensdurst zu stillen und den richtigen weg für mich und meine Halbstarke zu finden 😉

    Grüße, Anne und ihre Fellnase Alpha

  5. Anke

    Aus Neugier und weil ich immer nach Antworten suche um meine Hunde wirklich zu verstehen, war ich bei dieser Frau Ertel. Es kam wie es kommen musste: meine Hunde ein „Doppelbesatz“. Die ganze Sache kam mir gleich merkwürdig vor, da Frau Ertel auch gleich eine „Lösung“ hatte meinen Rüden woanders hin zu geben. Dazu muss man wissen, er ist ein sehr bekannter und wertvoller Rassehund. Die Hündin war dieser „Expertin“ völlig egal, sie wollte unbedingt den Rüden haben.
    Die Mitläufer von Frau Ertel haben mich sofort bombardiert, wie schlecht es meinen Hunden doch geht und wie gut es für die beiden wäre, sie zu trennen.
    Mein Eindruck war diese Frau geniesst es, dass sie so vergöttert wird.
    Sachliches habe ich bei diesem „Seminar“ nicht gelernt. Die Hunde waren nur Nummern und Buchstaben aber nie eigene Persönlichkeiten.
    Natürlich sind meine beiden Hunde noch immer zusammen. Trennen wird uns nur die höchste Macht die es auf dieser Erde gibt und dass dauert hoffentlich noch sehr lange.
    Es ist toll mit anzusehen wie die beiden miteinander arbeiten. Wie sie sich das Grundstück aufteilen und bei Gefahr dann zusammen halten.
    Es sollte noch mehr vor dieser Frau gewarnt werden. Mit Artikeln in jeder Hundezeitschrift die es gibt.
    Liebe Grüsse von uns dreien.

  6. Cora

    @ Anke
    Vielen Dank fürs Teilen deiner Erfahrung! Deine Hunde können froh sein, dich zu haben, und dass du dich nicht von dieser Gruppendynamik hast einschüchtern lassen, sondern „nein“ gesagt hast!
    Je mehr ich über die Praxis lese, umso schockierter bin ich, was da eigentlich bei einem WS abläuft! Wer würde denn mit so etwas rechnen? Aber es erklärt vielleicht, dass man sich durch Überrumpelung eher davon gefangen nehmen/einschüchtern lassen kann.

    Viele liebe Grüße & viel Freude mit deinen Hunden!

  7. Hildegard Meyer

    lieber Günter,

    nachdem ich vor Kurzem von einem Welpeninteressenten zum Thema „vererbte Rudelstellung“ gefragt wurde, stoße ich bei meinen Recherchen zu Frau Ertels Thesen auch auf deinen Kommentar. Vorab ganz herzlichen Dank für deine klare, fundierte Aussage. Sie hat mir sehr geholfen.
    Ich züchte nun schon 20 Jahre Kuvasz und beobachte das Geschehen in meiner Wurfkiste immer sehr genau. Da ich meine Welpen sofort nach der Geburt mit farbigen Baumwollhalsbändchen kennzeichne, kann ich die Entwicklung eines jeden Einzelnen exakt beobachten. Es gab sehr selten A-Typen, unzählige B-Typen , sehr selten echte „Seelchen“und „Kontrollettis“, und zahlreiche Varianten des “ geselligen Types“.
    Niemals konnte ich jedoch Anzeichen für die 7stufige, angeblich angeborene Rudelstellung erkennen. Leider fehlt mir als Hobby-Züchterin auch das Geld, um meine Würfe über all die Jahre hindurch von der „““einzig wahren Fachkraft“““ auf ihre angeblich angeborene Rudelstellung testen zu lassen. Schlußendlich bin ich froh, dass ich mir in meinen Kaufverträgen ausdrücklich ein Vorkaufsrecht für den Fall ausbedinge, wenn meine Babys einmal umplaziert werden müssen….

    Ich denke, du bist damit einverstanden, dass ich deine Stellungnahme ausdrucke und all meinen Welpenkäufern zur Info mitgebe, auf dass sie nicht auf derartigen Unsinn hereinfallen.

    liebe Grüße, Hilde und die „Drachenfelser Kuvaszok“

  8. Susanne

    „Schlußendlich bin ich froh, dass ich mir in meinen Kaufverträgen ausdrücklich ein Vorkaufsrecht für den Fall ausbedinge, wenn meine Babys einmal umplaziert werden müssen….“

    Dafür vielen Dank, Frau Meyer! Das ist die einzige Möglichkeit, Ihre Hunde vor diesem Wahnsinn zu schützen und zu verhindern, dass die Tiere ohne Ihr Wissen in irgendwelche Gärten oder Hinterhöfe verschwinden, aus denen sie praktisch nie wieder herauskommen (dürfen).

  9. Silke

    Susanne, woher beziehst du dein Wissen über die vermeintlichen Hinterhofhunde? Hat irgendwer (wo?) behauptet, dass Hunde die AUCH unter dem Gesichtspunkt ihrer sozialen Aufgabe nach RS betrachtet werden nicht wie jeder andere Hund am normalen Leben teilnehmen können/sollen/dürfen/werden?

    Frau Meyer:
    es gibt neben besagter „Fachfrau“ durchaus kompetente Menschen, die sich mit dem Thema weitaus weitsichtiger und hunde- sowie menschenorientierter beschäftigen. Man sollte sich Frau BE nicht als allgemeingültig zum zugegeben abschreckenden Beispiel nehmen! 🙂

  10. Hilde

    @Frau Meyer: Danke für Ihr Engagement.
    VG Hilde, die jeden Tag auf den Drachenfels guckt.. 🙂

  11. hansgeorg

    Hey

    „Silke 7. Oktober 2014 um 12:42
    Susanne, woher beziehst du dein Wissen über die vermeintlichen Hinterhofhunde? Hat irgendwer (wo?) behauptet, dass Hunde die AUCH unter dem Gesichtspunkt ihrer sozialen Aufgabe nach RS betrachtet werden nicht wie jeder andere Hund am normalen Leben teilnehmen können/sollen/dürfen/werden?
    Frau Meyer:
    es gibt neben besagter “Fachfrau” durchaus kompetente Menschen, die sich mit dem Thema weitaus weitsichtiger und hunde- sowie menschenorientierter beschäftigen. Man sollte sich Frau BE nicht als allgemeingültig zum zugegeben abschreckenden Beispiel nehmen! “

    Nun ja, wenn ich als kurzsichtiger die Brill abnehme, halte ich auch das, was ich sehen kann, für weitsichtig.

    Mit Brille wäre das nicht passiert, oder so ähnlich!

  12. Paige

    Silke,
    du bekommst hier keine Antworten darauf, woher sie all ihre Weisheiten über RS beziehen.
    Einmal über drei Ecken gehört, aufgebauscht und weitergetratscht. So läuft das hier.

  13. Ungerudelt

    Nö, Paige:
    Sehr vieles davon stand öffentlich und detailliert im eu. Forum zu lesen. Allerdings werden solche Threads dann schnell verschoben oder gar gelöscht, damit man dann als Öffentlichkeit keinen Nachweis mehr dafür hat, dass es real in vielen Fällen so von lebenden RSlern derart gelebt wird……..oder sind alle RSler im Forum Geschichtenerzähler?
    Wenn dann diese Threads nicht mehr öffentlich nachprüfbar, weil entfernt sind, tun sich die RS-Vertreter leicht mit dem Argument: „Die Gegner plappern nur nach und erfinden sowas“….

    Gott sei Dank gibts Screenshotfunktion….lach…

  14. Charlotte Schott

    Hallo Hr. Bloch,

    wie nicht anders zu erwarten, wieder mal ein ganz toller Artikel. Auch ich nehme mit Besorgnis wahr, dass immer mehr Hundebesitzer von dieser „Rudelstellung“ fasziniert sind. Mir persönlich war das schon immer suspekt. Ich selbst hab 3 Hunde und kann jeden Tag auf’s neue beobachten, dass es hier keine bestimmte Stellung gibt. Je nach Situation reagieren die drei unterschiedlich. Und wenn Kontrolletti Cody mal Muffensausen hat, und ja das kommt durchaus vor, dann steht der ruhige und sonst sich aus allem raushaltende Jester aber sofort zur Stelle und übernimmt das Ruder. Und in Normalsituationen hat die Jüngste im Bunde die zwei Jungs im Griff und hütet Kontrolletti Cody schon mal zurück, wenn ich rufe und er auf Durchzug stellt. Alles in allem halte ich dieses „Rudelstellungsgedönse“ mal wieder für reine Geldmacherei leider auf Kosten der Hunde.

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