{"id":2977,"date":"2014-11-06T11:15:59","date_gmt":"2014-11-06T10:15:59","guid":{"rendered":"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=2977"},"modified":"2016-05-30T19:47:47","modified_gmt":"2016-05-30T18:47:47","slug":"beziehungs-und-bindungsformen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=2977","title":{"rendered":"Beziehungs- und Bindungsformen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a style=\"color: #4d469c;\" href=\"http:\/\/www.hundefarm-eifel.de\" target=\"_blank\">G\u00fcnther Bloch<\/a><\/strong>\u00a0gilt als renommierter Kynologe und hat sich durch seine Beobachtungen an wild lebenden W\u00f6lfen u.a. im kanadischen Banff-Nationalpark als Wolfsforscher etabliert. Zudem leitete\u00a0Bloch ein viel beachtetes Studienprojekt an frei lebenden Stra\u00dfenhunden in der Toskana. Au\u00dferdem ist Bloch vielgelesener Autor fundierter Fachliteratur \u00fcber Hunde und f\u00fchrt auch 2015 wieder <strong><a title=\"Bloch-Seminare 215\" href=\"http:\/\/www.hundefarm-eifel.de\/index.php\/seminare-guenther-bloch\" target=\"_blank\">Seminare<\/a><\/strong> durch, die sich an der Realit\u00e4t neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse orientieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Fachartikel geht es um die neuesten Erkenntnisse aus der Freilandforschung an W\u00f6lfen, um deren Beziehungs- und Bindungsformen.<!--more--><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Beziehungs\u2013 und Bindungsformen sowie \u201eRudelstellungen\u201c unter Ber\u00fccksichtigung sozialer und r\u00e4umlicher Kriterien<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 G\u00fcnther Bloch<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hunde-Farm Eifel, Abt. Verhaltensforschung (Bow Valley Wolf Behaviour Observations)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Website: <\/strong><a href=\"http:\/\/www.hundefarm-eifel.de\"><strong>www.hundefarm-eifel.de<\/strong><\/a><strong>\u00a0 \u00a0 \u00a0E-mail: <\/strong><a href=\"mailto:Canidexpert@aol.com\"><strong>Canidexpert@aol.com<\/strong><\/a><\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">\u00a9 Copyright<strong>: <\/strong>G\u00fcnther Bloch<strong>, <\/strong>November 2014, Alle Rechte ausdr\u00fccklich vorbehalten.<\/h6>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Einleitende Vorbemerkungen:<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_Portr\u00e4t_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2993 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_Portr\u00e4t_01-300x200.jpg\" alt=\"Uli_Wolf_Portr\u00e4t_01\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_Portr\u00e4t_01-300x200.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_Portr\u00e4t_01.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Verhalten und \u00d6kologie sind zwei Seiten der gleichen Medaille (Kneel 2009). Auch wenn der Wolf (<em>Canis<\/em> <em>lupus<\/em>) gerne als \u201ccharismatisches Sinnbild f\u00fcr Wildnis\u201d (Spotte 2012) gehandelt wird, so ist er vielerorts l\u00e4ngst zum Kulturfolger des Menschen avanciert (Zimen 2003). Wolfsverb\u00e4nde sind keine starren Gebilde, sondern revierverteidigende \u201cBeutegreifer-Clans\u201d, deren Mitglieder weder permanent zusammenleben noch stets gemeinsam auf die Jagd gehen (Mech et al. 1998). Dies insbesondere nicht w\u00e4hrend der Sommermonate (Smith et al. 2005). Das Alltagsleben wilder W\u00f6lfe wird von vielerlei Faktoren bestimmt: Genaustausch durch Abwanderung, Verfolgung und Bejagung, Krankheiten und Verletzungen bis hin zum Tod von Gruppenmitgliedern. Infolgedessen entwickeln sie funktionale, flexible Gesamtkonzepte, bestehend aus sozialen und umweltangepassten Verhaltensmechanismen und Ged\u00e4chtnisprozessen (Bloch &amp; Gibeau 2010). Die Langzeit\u00fcberlebensf\u00e4higkeit von Wolfsfamilien, die D. Mech (1999) als \u201cEltern-Nachwuchs-Dominanz-Systeme\u201d definiert, h\u00e4ngt in freier Wildbahn entscheidend von der Gesamtfitness ihrer Leittiere ab. Diese leben ihren Jungen \u201cAltersweisheit\u201d vor, traditionelle Verhaltensgewohnheiten, die nachgeahmt werden (Paquet 2009). Langfristig \u00fcberlebensf\u00e4hige Wolfsdynastien brauchen Stabilit\u00e4t <strong>und<\/strong> Flexibilit\u00e4t, die Weitergabe von verhaltenstraditionellem Wissen <strong>und<\/strong> permanente Anpassungsbereitschaft. W\u00f6lfe sind energie-effiziente Marathonl\u00e4ufer, die pro Tag mit Leichtigkeit eine Wegstrecke von 50 Kilometern \u00fcberwinden und deren Gruppengef\u00fcge je nach Lebensraum, Alters-, Geschlechts- und Pers\u00f6nlichkeitsbesatz unterschiedlich organisiert ist (Bloch 2012 a).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dementsprechend variabel sieht auch deren Sozialstruktur aus: von der einfachen Eltern-Nachwuchs-Konstellation verschiedenen Grades (s.u.), bis hin zu umfangreichen Lebens-gemeinschaften, die in Ausnahmef\u00e4llen bis zu vierzig Mitgliedern z\u00e4hlen k\u00f6nnen (Carbyn 1993). Die Annahme, es g\u00e4be eine f\u00fcr alle Wolfsfamilien gleicherma\u00dfen vorteilhafte Normgr\u00f6\u00dfe, ist unrealistisch. Gleiches gilt f\u00fcr deren soziale Stabilit\u00e4t. Die von Kappeler (2006) definierte \u201cGruppengr\u00f6\u00dfenoptimierung\u201d enth\u00e4lt bewusst eine r\u00e4umliche Komponente, n\u00e4mlich die Einbeziehung vorhandener Lebensraumverh\u00e4ltnisse. Populationsbiologisch betrachtet handelt es sich bei rund 25-30% aller Wolfsgruppen um Familienneugr\u00fcndungen. Eltern-Nachwuchs-Strukturen ersten\u00a0Grades sind bei ausreichendem Nahrungsangebot keineswegs grunds\u00e4tzlich weniger stabil als die zweiten oder dritten Grades (Elterntiere plus Junge aus dem 2. und 3. Jahr). Um s\u00e4mtliche Ursachen und Auswirkungen zur Verhaltens\u00f6kologie frei lebender W\u00f6lfe im sozialen und r\u00e4umlichen Beziehungsverst\u00e4ndnis m\u00f6glichst pr\u00e4zise darzustellen, sind pauschale Klassifizierungen zwischen \u201cfunktional strukturierten Rudeln\u201d und \u201cenergievergeudenden, stellungsunf\u00e4higen Rudeln\u201d, die kein seri\u00f6s arbeitender Mensch jemals genau definiert hat, wenig hilfreich. Wolfstypisch ist, soziales und r\u00e4umliches Wissen von Generation zu Generation weiterzureichen (Paquet 2012, schriftl. Mittl.). Gelingt es einem Wolfsclan dauerhaft, sein fest etabliertes Territorium aufrecht zu erhalten und gegen artgleiche Konkurrenten erfolgreich zu verteidigen, ist dies ein klares Indiz f\u00fcr funktional, energieeffiziente Adaptionsf\u00e4higkeit (Bloch &amp; Gibeau 2010).<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lebensraum<\/strong> <strong>diktiert<\/strong> <strong>Verhalten: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-2994 size-full\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_01.jpg\" alt=\"Boesch_01\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_01.jpg 400w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_01-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Verhalten ist grunds\u00e4tzlich als ewiger Anpassungsprozess an Zeit und Raum zu bewerten (Peterson 1995, Kappeler 2006). Die w\u00f6lfische Strategie, im Rahmen anfallender Probleml\u00f6sungen eng zusammenzuarbeiten, ist f\u00fcr Leittiere (\u201cAlphas\u201d) und subdominante Gruppenmitglieder gleicherma\u00dfen n\u00fctzlich (Bloch &amp; Radinger 2012). Kooperation, so zeigt sich, stellt langfristig gesehen die stabilste evolution\u00e4re Strategie dar, ist Grundlage sozialer Kompetenz, der F\u00e4higkeit, soziale Bindungen zu anderen anzukn\u00fcpfen, auszubauen und aufrecht zu erhalten (Feddersen-Petersen 2012). Welcher Art Verhaltensr\u00fcckschl\u00fcsse man aus in Gehegeanlagen vergesellschafteten Wolfsgruppen ziehen kann, ist Gegenstand kontroverser Diskussionen: sie gehen nicht zur Jagd, brauchen keine gro\u00dfen Distanzen zu \u00fcberbr\u00fccken (Stichwort: energetische Kosten-Nutzen-Analyse), und eine Erh\u00f6hung statusbezogener Auseinandersetzungen ist aufgrund fehlender Abwanderungsm\u00f6glichkeiten kaum von der Hand zu weisen (Stichwort: Zunahme sozialer Stressfaktoren). D. Mech (1999) bemerkte einst sehr treffend: \u201cAnalog zu einer solchen Herangehensweise w\u00e4re Menschen in Fl\u00fcchtlingslagern zu studieren und Schlussfolgerungen auf die menschliche Familiendynamik zu ziehen\u201d. Diesbez\u00fcglich f\u00fcgt S. Spotte (2012) hinzu: \u201cGef\u00e4ngnisse, wo Kontrolle absolut ist und abwandern keine Option darstellt, d\u00fcrfte angemessener sein. Zu glauben, dass Zook\u00e4fige ein Spiegelbild von Natur reflektieren, ist naiv. Verhalten hat nur soziale Relevanz, wenn im Kontext gemessen. Die Interaktionen von Kaniden in Gehegen repr\u00e4sentieren nur einen Bruchteil von frei umherwandernden Rudeln, Gruppen oder Individuen\u201d.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>(1) Beziehung:<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_3001\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Wolf_schwarz_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3001\" class=\"wp-image-3001 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Wolf_schwarz_01-300x210.jpg\" alt=\"Wolf_schwarz_01\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Wolf_schwarz_01-300x210.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Wolf_schwarz_01.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3001\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201cIn der <strong>Psychologie<\/strong>: Kennzeichnung des Eltern-Kind-Bandes, abgegrenzt vom Bindungskonzept. Betont wird, dass das Eltern-Kind-Band aus der Interaktion der beteiligten <\/em><em>Partner und aus den Erfordernissen der Situation heraus entsteht. In der <strong>Ethologie<\/strong>: bevorzu<\/em><em>gte r\u00e4umliche und soziale Orientierung eines Tieres, wobei charakteristische l\u00e4ngerfristige Interaktionen kennzeichnend sein k\u00f6nnen\u201d<\/em> (Dorit Feddersen-Petersen 2008).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Soziale und r\u00e4umliche Beziehungsorientierung von Wolfswelpen:<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unserem Studiengebiet, dem Banff Nationalpark, kommen Wolfswelpen Mitte April in einem 3-4 Kubikmeter gro\u00dfen Erdbau zur Welt. Anfangs unterhalten sie nur zu ihrer Mutter eine enge Beziehung (Mutter-Kind-Band). Zirka Ende der dritten Lebenswoche verlassen sie nacheinander ihre H\u00f6hle entsprechend ihres Grundcharakters (bold &amp; shy type): wagemutige Individuen zuerst, scheue etwas sp\u00e4ter (Bloch 2010). Zun\u00e4chst meist im Pulk unterwegs, folgen erste Erkundungsvorst\u00f6\u00dfe innerhalb des H\u00f6hlenkomplexes und eine schrittweise Gew\u00f6hnung an dessen typische Geruchswelt, visuelle Eindr\u00fccke und Ger\u00e4uschkulisse. Gleichzeitig mit dieser Form der Lebensraumpr\u00e4gung (Hess 1973) interagieren die Welpen nun auch mit ihrem Vater, bzw. mit allen anwesenden J\u00e4hrlingen und adulten Individuen (soziale Gruppenorientierung). In Abwesenheit der Elterntiere konzentriert sich die komplette Welpenschar vor allem auf ihre interaktive Beziehung mit einer meist weiblichen Hauptbabysitterin (Bloch &amp; Bloch 2002). Diese vermittelt ihnen nicht nur wichtige Benimmregeln mit \u201csozialem Inhalt\u201d (soziale Beziehungs-orientierung), sondern macht sie au\u00dferdem allt\u00e4glich mit allen Feinheiten des Wegenetzes zwischen Erdbau und Rendezvousplatz vertraut (r\u00e4umliche Beziehungsorientierung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Basis heutiger Erkenntnisse darf man sehr wohl behaupten, dass viele Wolfswelpen und Raben einen tiefgreifenden Sozialisationsprozess zum gegenseitigen Nutzen durchlaufen (Bloch &amp; Paquet 2011). Der zwischenartliche Beziehungsaufbau wird verfestigt, in dem man sich gegenseitig neckt und aneinander gew\u00f6hnt (Heinrich 2010, Stahler et al. 2002). Voraussetzung daf\u00fcr sind wiederum viele gemeinsame Unternehmungen und interaktive Verhaltensabfolgen inmitten eines vertrauten Rendezvousgebietes (soziale und r\u00e4umliche Beziehungsorientierung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2. Vom Egoisten zum Familienmitglied mit sozialer Einstellung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Junge Wolfswelpen sind zun\u00e4chst nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Kehrt einer der Erwachsenen mit Futter zum Zentralrevier zur\u00fcck, st\u00fcrmen alle Welpen enthusiastisch heran und versuchen gleichzeitig so viel Nahrung wie m\u00f6glich herunterzuw\u00fcrgen (Macdonald et al. 2005). Welpen m\u00fcssen im wahrsten Sinne des Wortes erst vorgef\u00fchrt bekommen, worauf es im wirklichen Leben einer Sozialgemeinschaft vordergr\u00fcndig ankommt: gegenseitige R\u00fccksichtnahme (Ruge und Bloch 2012). Im ersten Schritt geschieht genau dies, in dem ihnen in erster Linie ihre Mutter Futter zuteilt, bzw. dieses zwischen den Welpen zielgerichtet aufteilt (Mech &amp; Boitani 2003). Je \u00e4lter und interaktionserfahrener Wolfswelpen werden, desto mehr nehmen sie im Rahmen einer zwischen der achten und zehnten Lebenswoche etablierten \u201cDreiklassen-gesellschaft\u201d (Bloch 2010) untereinander ranghohe, rangtiefe oder variable Rangpositionen ein. Vertreter der letzten Kategorie, die einige Verhaltensbiologen als \u201cgeselliges Mittelfeld\u201d definieren, verhalten sich sehr kontaktfreudig und verspielt (Ganslo\u00dfer 2007). Gesellige Individuen bevorzugen viel K\u00f6rperkontakt. Dies vor allem w\u00e4hrend gemeinsamer Inaktivphasen. In Bezug auf ihre soziale Beziehungsorientierung besteht viel Kl\u00e4rungsbedarf. Soziale Positions- und Stellungswechsel sowie h\u00e4ufig wechselnde Rangstellungen sind an der Tagesordnung. Ein klarer Beweis f\u00fcr erlernte Verhaltensanpassungsprozesse und kontra \u201egenetisch fixierte Rudel-stellungen\u201c. Der schon von Zimen (1971) als selbstbewusst beschriebene rangh\u00f6chste Welpe, den wir als \u201cKopftyp oder Anf\u00fchrertalent\u201d klassifizieren (Bloch &amp; Radinger 2010), zeigt im Allgemeinen deutlich weniger Interesse an gemeinsamem Kontaktliegen und Spiel als alle anderen Welpen. Zudem entfernt er sich aus r\u00e4umlicher Sicht schon im Alter von zirka 10 Wochen etwa dreimal so weit vom H\u00f6hlenkomplex als seine Geschwister (Bloch 2010).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3. Spiel als soziale Beziehungshilfe:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das tradierte M\u00e4rchen, Wolfseltern w\u00fcrden mit ihren Jungen nicht spielen, wurde mittlerweile l\u00e4ngst widerlegt (Bekoff 1972, Mech 1988). Spiel bedeutet soziales Lernen. Dieses R\u00fcstzeug wird Welpen in gemeinsamen Sozial-, Renn- und Objektspiel mit den jeweils anwesenden Gruppenmitgliedern ganz bewusst in stark ritualisierter Form vermittelt (Intentionsabfolgen). W\u00f6lfisches Spiel findet auf hohem sozialen Niveau statt (Feddersen-Petersen 2004). Spielend zum Ziel lautet die Devise, gepaart mit einem hohen Wohlbefinden durch Endorphinaussch\u00fcttung (K\u00e4ufer 2011). Spielh\u00e4ufigkeit und Bereitschaft sind von sozialer und r\u00e4umlicher Sicherheit (lockeren Atmosph\u00e4re) und vom Ern\u00e4hrungszustand aller Beteiligten abh\u00e4ngig, nicht von Gruppenumfang oder famili\u00e4rer Struktur (Bloch &amp; Dettling 2009). Adulte Individuen scheinen im spielerischen Umgang mit Welpen geradezu \u201cin einen Jungbrunnen gefallen zu sein\u201d (Brandenburg 1999) und bringen sie offenbar in einen Bewusstseinszustand, der ein entspanntes und stressarmes Umfeld schafft. Kein Wunder also, dass Wolfskinder die charakteristischen Grundregeln f\u00fcr \u201cFair Play\u201d (Bekoff 2001) rasch lernen und nachhaltig verinnerlichen. Der mit vielen Interaktionen und spielerischem Lernen (z.B. Kampfspiele) einhergehende Sozialisierungsprozess versetzt Wolfswelpen in die Lage, (geschlechtsungebundene)\u00a0Beziehungsbevorzugungen aufzubauen und nach und nach feste Bindungsverh\u00e4ltnisse zu etablieren. Der Gegensatz zu Spiel ist nicht Arbeit, sondern Depression (Brown et al. 2009).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.4. Soziale und r\u00e4umliche Beziehungsorientierung von Wolfsfamilien:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_06.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2999\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_06-300x150.jpg\" alt=\"Boesch_06\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_06-300x150.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_06.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Soziet\u00e4ten sind zun\u00e4chst nichts anderes als \u201cOrganisationen der r\u00e4umlichen Verteilung und des Zusammenlebens (Feddersen-Petersen 2008). Das soziale und r\u00e4umliche Beziehungsgef\u00fcge von Wolfsfamilien basiert auf einem Zusammenschluss unterschiedlicher Temperamente, Talente und Pers\u00f6nlichkeiten, die sich in verschiedenen Aufgabenbereichen engagieren: bei der Welpenf\u00fcrsorge, Alarmgebung, Verteidigung des Innen- und Au\u00dfenreviers, der Abgrenzung von Nahrungsressourcen, der Jagd und bei der zwischenartlichen Beziehungspflege (Bloch &amp; Radinger 2012). Allen Verhaltensaktionen und Reaktionen von W\u00f6lfen liegen demnach zwei nicht voneinander trennbare Kriterien zugrunde:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im<\/strong> <strong>sozialen<\/strong> <strong>Kontext<\/strong> steht w\u00f6lfisches Beziehungsverhalten in direktem Zusammenhang mit deren Sozialrangordnung, die k\u00f6rperbetont (\u201chigh &amp; low postures\u201d) zum Ausdruck kommt (Schenkel 1967). Ihr Dominanzsystem ist darauf ausgerichtet, fortpflanzungsf\u00e4hige Konkurrenz m\u00f6glichst auszuschlie\u00dfen, um die Weitergabe hochwertigen Genmaterials zu sichern (Mech 2000). Mehrfachw\u00fcrfe verschiedener M\u00fctter sind jedoch nicht un\u00fcblich (Radinger 2004). Wolfseltern sind formal dominant, vermitteln Schutz und Geborgenheit. Sie leben ihren Jungen einen \u00fcberzeugenden Lebensplan vor, gew\u00f6hnen sie an familientypische Sitten und Gebr\u00e4uche und integrieren ihn in allt\u00e4gliche Routineabl\u00e4ufe (Bloch &amp; Radinger 2010). Formal dominante Elterntiere sp\u00fcren den Druck ihres hohen Sozialstatus mehr als subdominante Individuen. Mit Autorit\u00e4t kommt Stress. Mit hohem Rang sind h\u00f6here Energiekosten verbunden (Creel 2005). Hoher Rang verpflichtet. Ranghoch zu sein bedeutet, ganzj\u00e4hrig Verantwortung zu \u00fcbernehmen (Bloch &amp; Radinger 2012).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer, so wie Leittiere durch Ein\u00fcbung visueller, akustischer und taktiler Kommunikationsrituale initiativ f\u00fcr Harmonie sorgt, schafft im Zusammenleben mit untergeordneten Gruppenmitgliedern Berechenbarkeit, die wiederum Voraussetzung f\u00fcr Beziehungsqualit\u00e4t ist (Ruge &amp; Bloch 2012). Soziale Beziehungen entstehen durch Beobachtung von H\u00e4ufigkeiten und Intentionen von Stimmungen und Gestimmtheiten. Beziehungspartner verf\u00fcgen \u00fcber ein gegenseitiges Erinnerungsverm\u00f6gen typischer Eigenschaften (Feddersen-Petersen 2004).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eltern-Nachwuchs-Beziehungen gestalten sich h\u00f6chst flexibel. Nat\u00fcrlich stehen die Eltern im Mittelpunkt des famili\u00e4ren Geschehens. Ihre soziale Beziehungsorientierung ist ganz auf die F\u00fcrsorge ihres Nachwuchses fokussiert (Eltern-Kind-Band). Jungw\u00f6lfe stehen in einem langen Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis und lernen von den Alten \u201cmoralanaloges Verhalten\u201d (Feddersen-Petersen 2004). Ihr ausgefeiltes Sozialsystem verkn\u00fcpft Bekoff (2001) mit Begriffen wie \u201cKooperation, Fairness, Vertrauen und der Evolution von Moral\u201d. Hierzu geh\u00f6rt u.a. die soziale Unterst\u00fctzung verletzter, gehandicapter Gruppenmitglieder (Paquet 2009). Um den hohen ethisch-moralischen Werten einer Wolfsgesellschaft gerecht zu werden, vermitteln Alttiere ihren Jungen einige Erwartungshaltungen: Bereitschaft zur Zusammenarbeit, R\u00fccksichtnahme und Respekt (Bloch &amp; Dettling 2009). Wolfseltern verhalten sich vordergr\u00fcndig zwar entspannt, weise und mitf\u00fchlend, legen aber nichtsdestotrotz gro\u00dfen Wert darauf, dass ihr gesamtes Familiengef\u00fcge mit klaren Rangordnungsstrukturen ausgestattet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werden die vorgelebten Regeln wolfstypischer Beziehungspflege nicht respektiert, bedienen sich die Alten eines subtilen \u201cErziehungskonzepts\u201d: Erfolgsentzug durch Freiraumbegrenzung, akute Kontrolle oder gezielte Wegnahme von Ressourcen, zeitlimitierte Nichtbeachtung, momentane Ausgrenzung durch Bevorzugung anderer Familienmitglieder, Ver\u00e4nderung der Komfortzone durch schnelles Entfernen und Alleinlassen, Verhaltenskorrektur durch Reizschwellenver\u00e4nderung (aggressive Kommunikationsbetonung durch Abbruchsignale). Bleibt noch die Frage, was echte Beziehungsqualit\u00e4t \u00fcberhaupt ausmacht? Als wesentliche Gradmesser hierf\u00fcr sind u.a. zu nennen: regelm\u00e4\u00dfiges Kontaktliegen, Sitzen oder Stehen; H\u00e4ufiger Austausch von Schnauzenz\u00e4rtlichkeiten; Aktive Gestaltung gemeinsamer Inaktivphasen oder Explorationen; Einsatz von Beachtungsverst\u00e4rkern wie das zielgerichtete Anzeigen von Futterdepots oder Beutetierkadavern; Langfristige Verteidigungsbereitschaft und gezielte Nahrungsbeschaffung f\u00fcr kranke oder stark geschw\u00e4chte Beziehungspartner (Paquet 2013, schriftl. Mittl.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Mensch-Hund-Beziehung \u00fcbertragen kommt ein optimal funktionst\u00fcchtiges Beziehungsverh\u00e4ltnis sicherlich am \u00fcberzeugendsten zum Ausdruck durch: soziale N\u00e4he, deutliches Lob, intensive Kommunikationsgestaltung, ausgiebiges Spiel, sachliche Kritik, weitsichtiges Grenzen-Setzen und durch einen authentisch (einsch\u00e4tzbar) auftretenden \u201cRudel-leiter\u201d Mensch mit F\u00fchrungsanspruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im<\/strong> <strong>r\u00e4umlichen<\/strong> <strong>Kontext <\/strong>h\u00e4ngt die Funktionsf\u00e4higkeit von Wolfsfamilien von vielerlei Faktoren ab: der aktuellen Beschaffenheit ihres Heimatreviers (Landschaftsgef\u00fcge, Lebensraum-fragmentierung, St\u00f6rungsanf\u00e4lligkeit von H\u00f6hlengebieten), der Pr\u00e4senz des Menschen, dem vorhandenen Beutetierangebot (Verbreitung und Dichte), den territorialen Umst\u00e4nden (Wolfsdichte, Rekolonisierungsgebiet, Krankheitserregern), den Wetterbedingungen (saisonal, Klimaver\u00e4nderungen), der Verbreitung von Krankheitserregern (z.B. Tollwut, Parvo) und von der H\u00e4ufigkeit und Intention zwischenartlicher Begegnungen und Konfrontationen mit wehrhaften Nahrungskonkurrenten wie Grizzly-B\u00e4r, Puma oder Vielfra\u00df (Callaghan 2002, Halfpenny 2003, Hebblewhite 2000). Letzten Endes geht es stets um eine energieeffiziente Anpassungsf\u00e4higkeit an Habitat spezifische Gegebenheiten (Bloch &amp; Gibeau 2010).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfsfamilien, deren Territorium einen allgemein niedrigen Beutebestand aufweist (\u201clow wolf-prey-density-habitat\u201d), ern\u00e4hren sich zu einem erheblichen Teil von Kleinbeute. Kotanalysen von Arktikw\u00f6lfen sind unabh\u00e4ngig der Verf\u00fcgbarkeit von Moschusochsen oftmals dominiert von \u00dcberresten an Lemmingen, Schneeschuhhasen und Schneeh\u00fchnern (Dawes et al. 1996). Hiesige Timberw\u00f6lfe f\u00fchren ein au\u00dfergew\u00f6hnlich normadisches Leben, in das schon 3 \u00bd Monate alte Welpen eingebunden werden (Bloch 2012 b). Interessanterweise organisieren auch unter r\u00e4umlich ung\u00fcnstigen Bedingungen lebende Wolfsfamilien, f\u00fcr die eine jagdlich koordinierte Zusammenarbeit nicht unbedingt vonn\u00f6ten ist, bemerkenswert stabile Sozialbeziehungen und Strukturen. Fehlt ein Glied in der gesamten Beziehungskette (durch Tod oder Abwanderung), \u00fcbernehmen andere adulte Individuen und\/oder J\u00e4hrlinge sehr effizient vakant gewordene Arbeitsbereiche, verteilen sich geschickt im Raum und kompensieren momentane Verluste (Bloch &amp; Gibeau 2010).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hingegen hinterl\u00e4sst der Tod von Elterntieren fast immer eine Art fragiles, sozial und r\u00e4umlich instabiles Gebilde, das sich aufgrund substanziell fehlender Wissenskompetenzen auf Dauer selten aufrecht erhalten l\u00e4sst (Callaghan 2002). Unerfahrene Jungw\u00f6lfe merken sich ganz genau, dass ihre Eltern in schwierigen Lebenslagen f\u00fcr sie da sind. Das st\u00e4rkt ihr Selbstwertgef\u00fchl und erh\u00f6ht den Gruppenzusammenhalt (Ruge &amp; Bloch 2012). Fehlt eine der charismatischen Idolfiguren (Elterntiere), machen sich alsbald so genannte \u201csplitting effects\u201d (Paquet et al. 1990) bemerkbar: ehemals sozial und r\u00e4umlich funktionale Beziehungsstrukturen brechen auseinander, \u00fcberlebende Individuen teilen sich in allerlei Kleingruppen auf, sind vielfach einzeln unterwegs bzw. insgesamt kaum noch f\u00e4hig, ihr vertrautes Territorium gegen\u00fcber artgleicher Nachbarschaftskonkurrenz abzugrenzen (Murie 1944, Bloch &amp; Dettling 2009).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.5. Beziehungsstruktur und Aufgabenverteilung in Wolfsfamilien: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_04.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2997 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_04-300x200.jpg\" alt=\"Boesch_04\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_04-300x200.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_04.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das w\u00f6lfische Familiensystem besteht in der Norm aus einem reproduzierenden Elternpaar und einer variablen Anzahl von Helfershelfern, die sich an der Welpenf\u00fcrsorge, Gefahrenerkennung und Abwehr beteiligen (Theberge 1998, Bloch &amp; Callaghan 2000). Jegliche Mitarbeit ist freiwillig. Sie hat herzlich wenig mit st\u00e4ndiger Kontrolle zu tun. Nichts wird \u201cvon oben diktiert\u201d. Jungw\u00f6lfe d\u00fcrfen ohne st\u00e4ndige Anordnungen durch Erwachsene v\u00f6llig selbst\u00e4ndig ihre Umwelt untersuchen, bzw. eigene Erfolgs- u. Misserfolgserlebnisse sammeln (Bloch &amp; Radinger 2010). Insbesondere selbstbewusste Jungw\u00f6lfe (beiden Geschlechts) streifen mitunter stundenlang alleine durch ein elterliches Revier. Individuelles Talent darf sich frei entfalten. Allerdings sollte die Rolle von Helfershelfern und deren sp\u00e4tes Abwandern grunds\u00e4tzlich mit direkten \u201cFitness-Vorz\u00fcgen\u201d (Sparkman et al. 2010) assoziiert werden: zum Beispiel mit verbesserten Reproduktionsm\u00f6glichkeiten, gruppenorientierter Futtersuche sowie reduziertem Sterblich-keitsrisiko (K\u00f6nig et al. 1992, Cockburn 1998, Ekman et al. 2004). Laut Mcdonald (2006) bietet die Gruppenverteidigung von Beute und deren schnelles Konsumieren einen \u00dcberlebensvorteil. Dennoch melden Mech &amp; Boitani (2003) erhebliche Zweifel an, ob die gemeinsame Jagd jemals ein evolutionsbiologischer Antriebsmotor f\u00fcr die Familienbildung bei Kaniden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir nunmehr seit mehreren Jahrzehnten beobachten, sind Aufgaben- und Rollenverteilungen in Wolfsfamilien prim\u00e4r auf sozialen Status, bestimmte Altersklassen oder ein bestimmtes Geschlecht beschr\u00e4nkt (rangspezifische Rolle von Vater und Mutter, altersspezifische Rolle von adulten Jagdgehilfen, geschlechtsspezifische Rolle von weiblichen \u201cSozialarbeiterinnen\u201d). Hinzu kommen auch pers\u00f6nlichkeitsgebundene \u201cLieblingsrollen\u201d (z.B. pr\u00e4ferierte Alarmgebung durch wagemutige A-Typen). Ein Individuum hat in seiner Soziet\u00e4t eine bestimmte Rolle inne, wenn es mit spezifischen sozialen Funktionen verbundene Verhaltensweisen \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufiger ausf\u00fchrt als seine Gruppenmitglieder: W\u00e4chter, sozialer Status, Exploration = Untersuchung unbekannter Reizkonstellationen, Sozialspiel (Feddersen-Petersen 2008). Trotzdem unterliegen bestimmte Rollen auf sozioemotionaler Ebene spontanen Ver\u00e4nderungen (z.B. bei der Unterst\u00fctzung von momentan ver\u00e4ngstigten und\/oder verletzten Familienangeh\u00f6rigen).<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Grob skizzierte Darstellung zur alters- und geschlechtsgebundenen Zusammensetzung eines \u201cklassisch strukturierten\u201d Eltern-Nachwuchs-Dominanz-Systems\u201d (*): der Norm entsprechende Aufgabenverteilung:<\/strong><\/h4>\n<table style=\"height: 194px;\" width=\"624\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong> Formal<\/strong>&#8211;<strong>dominantes Leitpaar mit enger Paarbindung<\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>* Gemeinsames Vorleben von sozialer und r\u00e4umlicher Beziehungsorientierung.<\/p>\n<p>* Gemeinsames Vorleben von kooperativen Verhaltensgewohnheiten.<\/p>\n<p>* Gemeinsames Vorleben von familien-spezifischen Jagdtechniken.<\/p>\n<p>* Gemeinsames Vorleben von Feindbildern und zwischenartlichem Kontaktverhalten.<\/p>\n<p>*Gemeinsames Vorleben von zielgerichteten Markierabsichten.<\/p>\n<p>* Gemeinsames Vorleben zielgerichteter Anzeigen von Futterdepots und Beuterissen.<\/p>\n<p>* Gemeinsame Vermittlung von Grundregeln f\u00fcr \u201cFair Play\u201d.<\/p>\n<p>* Gemeinsame Darstellung von hohem Sozialrang \u201cHigh Postures\u201d.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Aufgabenverteilungen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<table style=\"height: 456px;\" width=\"716\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<h4><strong>Leitr\u00fcde<\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<td>\n<h4><strong>Leitweibchen<\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Prim\u00e4r: Gefahrenerkennung\/Abwehr<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Alarmbellen\/aktive Revierverteidigung<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Aktive Verteidigung von Beuterissen<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Nahrungsversorger f\u00fcr Mutter\/Welpen<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Aktives Bem\u00fchen um Gruppenharmonie<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Heulinitiative zum \u201cRallying\u201d<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Spielinitiative &gt; Nachwuchs<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Akzeptanz von Gruppenfremden<\/td>\n<td>Sekund\u00e4r: Gefahrenerkennung\/Abwehr<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r:Alarmbellen\/Revierverteidigung<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Verteidigung von Beuterissen<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Nahrungszuteilung &gt; Welpen<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Bem\u00fchen um Gruppenharmonie<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Heulinitiative zum \u201cRallying\u201d<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Spielinitiative &gt; Nachwuchs<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Akzeptanz von Gruppenfremden<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0Adulter Nachwuchs (2.-3. Lebensjahr)<\/strong><\/p>\n<table style=\"height: 381px;\" width=\"586\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<h4><strong>R\u00fcden<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<td>\n<h4><strong>Weibchen<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Prim\u00e4r: Gefahrenerkennung\/W\u00e4chter<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Aktive Verteidigung von Beuterissen<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Welpenschutz im Zentralrevier<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Aufsp\u00fcren\/T\u00f6ten von Gro\u00dfbeute<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/td>\n<td>Sekund\u00e4r: Gefahrenerkennung\/W\u00e4chter<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Verteidigung von Beuterissen<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/p>\n<p>Sekund\u00e4r: Welpenschutz im Zentralrevier<br \/>\n(in Abwesenheit der Leittiere)<\/p>\n<p>Prim\u00e4r: Jagdunterricht f\u00fcr Juvenile auf<br \/>\nKleinbeute<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Juveniler Nachwuchs (1. Lebensjahr)<br \/>\n<\/strong>(<strong>geschlechtsunabh\u00e4ngig)<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p style=\"text-align: justify;\">*Pers\u00f6nlichkeitsgebundene Etablierung sozialer Rangpositionen und\u00a0\u00a0 Bindungsbeziehungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">*Pers\u00f6nlichkeitsgebundene Etablierung spezifischer Rollen als Alarmgeber und W\u00e4chter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Pers\u00f6nlichkeitsgebundene Etablierung spezifischer Rollen bei der Jagd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Pers\u00f6nlichkeitsgebundene Etablierung spezieller Rollen bei der Welpenf\u00fcrsorge.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Welpen (bis maximal 4 \u00bd Monate)<br \/>\n(geschlechtsunabh\u00e4ngig)<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Soziale Pr\u00e4gung, Lebensraumpr\u00e4gung, Nahrungspr\u00e4gung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Pers\u00f6nlichkeitsabh\u00e4ngiges Testen\/Erarbeiten unterschiedlicher Rangpositionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Artspezifische und zwischenartliche Sozialisation mit Raben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Sozioemotionales-, kognitives- und familien-spezifisches Lernen.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.6. \u00dcberlegungen<\/strong> <strong>zur Hypothese genetisch festgelegter Rudelstellungen bei W\u00f6lfen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_4_Futter.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-3002 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_4_Futter-300x200.jpg\" alt=\"Uli_Wolf_4_Futter\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_4_Futter-300x200.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Uli_Wolf_4_Futter.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bislang \u00fcberwiegt in Fachkreisen die Meinung, dass W\u00f6lfe zwar mit einem biologischen Instinktrepertoire ausgestattet sind, jedoch ihr \u201cVerhaltensstatus\u201d (Feddersen Petersen 2008: die einem Individuum eigene soziale Stellung innerhalb einer Gruppe), generell von einer interaktiv wirkenden Kombination aus vererbten und erlernten Komponenten gekennzeichnet ist. Um zu verstehen, wie Evolution den \u201ctrade-off\u201d zwischen Kontinuit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t gel\u00f6st hat, ist es notwendig zu verstehen, wie Gene, Erfahrung und Verhalten proximat miteinander verkn\u00fcpft sind. Verhalten ist demnach ein wichtiger Mechanismus bei den Anpassungen eines Organismus an seinen Lebensraum (Kappeler 2006). Soziale Dominanzbeziehungen werden in Zweierkonstellationen getestet, erarbeitet und etabliert. Das Gleiche gilt f\u00fcr die Einnahme konkreter Gruppenstellungen, Rollen und Aufgaben, die nicht nur auf alters-, geschlechts- und pers\u00f6nlichkeitsgebundenen Voraussetzungen basieren, sondern eben auch stark von vorhandenen \u00f6kologischen Lebensumst\u00e4nden abh\u00e4ngen (Bloch 2008). Im \u00dcbrigen gilt die hohe Soziabilit\u00e4t (Bloch &amp; Radinger 2012: Die F\u00e4higkeit Einzelner, ohne gro\u00dfe Umst\u00e4nde neue Sozialbeziehungen aufzunehmen und zu pflegen) als allgemeing\u00fcltig anerkannt. Kleine, kompakte Familieneinheiten sind mitunter deutlich effizienter (auf Dauer \u00fcberlebensf\u00e4higer) als \u201cMegagruppen\u201d, deren Dynastien aufgrund Nahrungsknappheit und anderer verhaltens\u00f6kologischer Kriterien oft nicht aufrecht zu erhalten sind. Zu guter Letzt lassen sich soziale Beziehungen nur durch eine l\u00e4ngere Beobachtung der Art, H\u00e4ufigkeit, Intensit\u00e4t und anderer Eigenschaften von Interaktionen zwischen zwei oder mehr Tieren beschreiben (Ganslosser 2007). Alle diese Fakten widersprechen der Hypothese, es existiere eine Art \u201cperfekte Rudelstruktur\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit:<\/strong> Alle hypothetischen \u00dcberlegungen zur Existenz von \u201cgenetisch-fixierten Rudelstellungen\u201d bleiben solange pure Spekulation, bis quantitativ und qualitativ aussagekr\u00e4ftige Testergebnisse vorliegen, die auf einer wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcfbaren Methodik fu\u00dfen (Kriterien der innerer und \u00e4u\u00dferer Validit\u00e4t erf\u00fcllen). Hierzu w\u00e4ren umfangreiche DNA-Analysen notwendig, so genannte molekulargenetische Untersuchungsergebnisse, die jedoch bis heute komplett fehlen. Davon abgesehen sind direkte Verhaltensbeobachtungen in w\u00f6lfischen Erdbauten, die eine genetisch fixierte \u201esoziale Grundordnung\u201c beim Kontaktliegen unter Wolfswelpen nach deren Geburt ggf. belegen k\u00f6nnte, unter Freilandbedingungen wohl kaum durchf\u00fchrbar (*).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(*): <strong>Zum<\/strong> <strong>allgemeinen<\/strong> <strong>Verst\u00e4ndnis<\/strong>: Wir stehen anekdotischen Berichterstattungen durchaus offen gegen\u00fcber. Die Bereitschaft zur Wissensvermehrung stellt f\u00fcr jeden Kanidenforscher eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit dar. Was wir nicht akzeptieren, sind bewusst gesch\u00fcrte Falschbehauptungen. Nachfolgend hierzu einige sinngem\u00e4\u00df wiedergegebene Beispiele:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: Nachdem B. Ertel sich vor einiger Zeit ein Wolfsrudelfoto aus Wood Buffalo Nationalpark in Kanada von C. Hunter (BBC) angeschaut hatte, erkannte sie auf dem Bild sogleich \u201eklar eine alte, gewachsene (Rudel)Struktur, auf dem keinerlei Nachwuchs zu sehen ist\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar: <\/strong>Die Wolfsrudelstrukturbeschreibung von B. Ertel war schlichtweg falsch. Bei zirka der H\u00e4lfte aller Wolfsindividuen auf besagtem Foto, welches trotz strikten Verbots immer noch hier und dort im Internet herumgeistert, handelte es sich belegbar um juvenile Wolfsindividuen, somit also sehr wohl um jede Menge Nachwuchs!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: Nach Aussage von von Frau Ertel gibt es soziale und asoziale W\u00f6lfe. Erstere kann man aufgrund ihrer nat\u00fcrlichen Rudelstruktur nie beobachten, Letztere sieht man durchaus, weil sie sich in der N\u00e4he menschlicher Siedlungen herumtreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar:<\/strong> Die angeblich sensationelle Neuerkenntnis, dass in freier Wildbahn scheue und zur\u00fcckhaltende Wolfsrudel (Familien) ebenso vorkommen wie wagemutige Rudel (Familien), die sich in harten Wintern sogar in sibirische D\u00f6rfer vortrauen, stammt urspr\u00fcnglich von dem russischen Wolfsforscher D. Bibikow (Der Wolf, Neue Brehm B\u00fccherei, 1998). Von \u201easozialen\u201c W\u00f6lfen spricht Bibikow selbstverst\u00e4ndlich nicht. Die unterschiedlichen Verhaltensstrategien der W\u00f6lfe basieren nicht auf ererbten Rudelstellungen, sondern auf der bekannten A\/B-Typen-Konstellation (\u201ebold &amp; shy model\u201c).<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: B. Ertel berichtet recht gerne von einem unstrukturierten Wolfsrudel, das auf einer Insel beheimatet ist und dessen Rudelmitglieder aufgrund diverser Inzuchtprobleme schon krank geworden sind. Vermutlich soll so suggeriert werden, dass nur strukturiert lebende Wolfsrudel gesund sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Die mystisch anmutende Geschichte um die \u201eunstrukturierten\u201c Inselw\u00f6lfe ist bis auf das uns\u00e4gliche \u201eStrukturthema\u201c komplett nachzulesen bei R. Peterson (The Wolves of Isle Royale, A Broken Balance, Willow Creek Press, 1995). Wolfsforscher Peterson, dessen mittlerweile \u00fcber 30 Jahre lange Wolfsforschung auf Isle Royale bestens bekannt ist, berichtet seit geraumer Zeit von bahnbrechenden Ver\u00e4nderungen. Die US-Insel war mittlerweile l\u00e4ngst wieder mit dem kanadischen Festland durch eine zusammenh\u00e4ngende Eisdecke verbunden und einige Wolfsindividuen konnten zwecks Genaustausch hin und her wandern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: Laut vRS-Philosophie bestehen strukturierte Rudel nicht nur aus sieben Mitgliedern, sondern zeigen bei Wolf und Hund keinen Unterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Die Wolf-Hund-Gleichheit nach vRS-Vorgabe ist eine v\u00f6llig unrealistische Unm\u00f6glichkeit, da W\u00f6lfe, wie in diesem Bericht klargestellt, enorm unterschiedlich gro\u00dfe Familienverb\u00e4nde formen und verwilderte Hunde weder in Spanien, Italien, Rum\u00e4nien noch sonst wo siebenk\u00f6pfige \u201eRudel\u201c bilden. Die wenigen Hundegruppen, die in freier Wildbahn tats\u00e4chlich ohne menschliche Hilfe zurechtkommen, sind bez\u00fcglich ihrer Mitgliederanzahl und Welpenwurfst\u00e4rken flexibel organisiert.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0(2) Soziale und r\u00e4umliche Bindungsformen : <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> <a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/2_W\u00f6lfe_futter.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3004 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/2_W\u00f6lfe_futter-300x201.jpg\" alt=\"2_W\u00f6lfe_futter\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/2_W\u00f6lfe_futter-300x201.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/2_W\u00f6lfe_futter.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201cBindung ist ein Bestreben nach Aufrechterhaltung der N\u00e4he zu einem spezifischen Partner, der nicht von einem anderen der gleichen sozialen Kategorie ohne weiteres ersetzt werden kann. Eine Bindung, die sich durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Spezifit\u00e4t bzw. sogar Einmaligkeit auszeichnet, ist in der Mensch-Hund-Beziehung keineswegs unproblematisch\u201d.<\/em>(Ganslosser 2007)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1. Soziale Bindungspartnerschaften in Wolfsfamilien:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Territorial etablierte Wolfsverb\u00e4nde sind von einer intraspezifisch (innerartlich) vorgegebenen familienkulturellen Beziehungs- und Bindungsstruktur gepr\u00e4gt (Brandenburg 1990). Alle ihre dominanten und subdominanten Mitglieder m\u00fcssen im t\u00e4glichen Umgang miteinander zu gegenseitigen Konzessionen bereit sein, um unter Ber\u00fccksichtigung s\u00e4mtlicher sozialer und \u00f6kologischer Faktoren dauerhaft funktionst\u00fcchtig zu bleiben (Smith et al. 2007). Das multikommunikative Interaktionsgeschehen ihrer Lebensgemeinschaften ist vielschichtig. Im Grunde genommen basiert es jedoch auf \u201cAnf\u00fchrer-Gefolgschafts-Beziehungen\u201d (Ganslosser 2007), wobei sich der Begriff \u201cAnf\u00fchrer\u201d auf beide Geschlechter beziehen muss, da weibliche Leittiere oft als \u201cf\u00fchrende Entscheidungstr\u00e4gerinnen in Erscheinung treten\u201d (Paquet 2009). Die M\u00e4r vom Alphawolf, der alles kontrolliert und dominiert, ist zwar noch beliebt, aber grundfalsch (Ruge &amp; Bloch 2012). Manche &#8211; vor allem dem geselligen Pers\u00f6nlichkeitstypus zuzuordnende Gruppenmitglieder &#8211; bevorzugen exklusive Bindungsbeziehungen, andere &#8211; vor allem dem \u201cKopftyp\u201d zuzuordnende Individuen &#8211; pr\u00e4ferieren einfache Beziehungsverh\u00e4ltnisse anstatt Spezifit\u00e4t (Bloch 2010). Quantit\u00e4t ist nicht gleich Qualit\u00e4t (Lundberg 1998). Qualitativ hochwertige Bindungsbeziehungen fu\u00dfen auf exklusiven Partnerschaften, die nicht ohne Weiteres beliebig austauschbar sind. Enge Bindungspartner sind verl\u00e4sslich, zeigen Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfestellung, was soziale Geborgenheit schafft (Bloch &amp; Radinger 2010). Sie vermitteln soziale Sicherheit, was sich positiv auf die Bew\u00e4ltigung von Stress auswirkt. Laut Ganslosser (2007) handelt es sich bez\u00fcglich der Zielgerichtetheit des Kontakthaltens (Bindung) um einen \u201cR\u00fcckkopplungsmechanismus, der das Aufrechterhalten des sozialen Kontaktes immer wieder verst\u00e4rkt und schlie\u00dflich die Rolle des Partners als sichere Basis f\u00fcr Erkundungsverhalten nutzt\u201d. Wer sich sicher f\u00fchlt, wer sich der wohlwollenden Unterst\u00fctzung seines Bindungspartners erinnert, der bevorzugt ihn gegen\u00fcber anderen Gruppenmitgliedern (Bloch &amp; Radinger 2012).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bindungspartnerschaften sind von Vertrauen und Vertrautheit gekennzeichnet. Fehlt ein enger Bindungspartner oder stirbt wom\u00f6glich, wird er vermisst bzw. sogar intensiv betrauert (\u201cBroken heart effect\u201d nach Paquet). Zum wolfstypischen Gesamtkonzept eines gruppenbindenden Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchls (s.u.) geh\u00f6rt zudem, dass sich alle Mitglieder an der Trauer um einen verlorengegangen Familienangeh\u00f6rigen chorheulend beteiligen (Bloch &amp; Bloch 2002).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2. Kriterien der Paarbindung: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang allen Gruppenaufbaus steht die Pr\u00e4ferenz einer gemeinsamen Fortpflanzungseinheit: Zwei Individuen paaren sich, zeugen Welpen. Ihr Verh\u00e4ltnis zueinander verst\u00e4rkt sich und m\u00fcndet in eine exklusive Bindungsbeziehung mit emotionalem Tiefgang (Paarbindung). Die Bindungsqualit\u00e4t eines Wolfspaares ist von gegenseitiger Achtung und Beachtung (vielen Aufmerksamkeitsbekundungen) gekennzeichnet, die, und dies gilt es besonders zu betonen, unabh\u00e4ngig der Paarungszeit (!) ganzj\u00e4hrig auf einem vielf\u00e4ltigen Austausch sozio-emotional gestimmter Interaktionen basiert: Gegenseitige Fellpflege, Beknibbeln, Ohren-Lutschen und Schnauzenz\u00e4rtlichkeiten; Freundlich gestimmte Begr\u00fc\u00dfungsrituale mit anschlie\u00dfendem Parallel-Lauf; Demonstration gemeinsamer F\u00fchrungsanspr\u00fcche; \u201cGeschlossenheit\u201d im Umgang mit dem Nachwuchs; Loyalit\u00e4t im Sinne der Bereitschaft zu langfristig monogamen Zusammenleben; Niedrige Aggressionsbereitschaft untereinander; Beiderseitige Vorliebe zum T\u00f6ten pr\u00e4ferierter Beutetierarten, bzw. bevorzugter Jagdtechniken (Bloch &amp; Dettling 2009).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00e4u\u00dferlich erkennbaren Begleiterscheinungen einer engen Paarbindung dr\u00fccken sich zudem in vielen wechselseitigen \u00dcbermarkierungsritualen mit Urin aus (Bindungsmarkieren). Diese dienen nicht nur der Unterstreichung territorialer Anspr\u00fcche (Sillero-Zubiri &amp; Mcdonald 1998), sondern erleichtern und festigen vermutlich auch den sozialen Zusammenhalt eines Leitpaares (chemisches Bindungsverhalten). Wolfspaare, die sich noch in der Fr\u00fchphase einer engen Bindungsbeziehung befinden, \u00fcbermarkieren signifikant h\u00e4ufiger als elterliche Bindungspartner, die schon seit geraumer Zeit zusammenleben (Mech 2000). Dennoch geh\u00f6ren Markierrituale gestandener Wolfseltern ebenfalls zur t\u00e4glichen Routine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3. Kriterien der Eltern-Nachwuchs-Bindung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_02.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2995 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_02-300x150.jpg\" alt=\"Boesch_02\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_02-300x150.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_02.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wie schon erw\u00e4hnt, ist das sozio-emotionale Beziehungsverh\u00e4ltnis zwischen einer Wolfsmutter und ihren Welpen im S\u00e4ugealter besonders eng. Neben dieser Mutter-Kind-Bindung besteht seitens der Welpen wenig sp\u00e4ter auch eine starke Beziehungsbevorzugung zu ihrem Vater, bzw. zur gleichzeitigen oder in schnellen Wechseln erfolgenden Kontaktbereitschaft zu beiden Elterntieren, die sich bevorzugt um sie k\u00fcmmern (Eltern-Kind-Bindung). Die enge Bindungsbereitschaft zwischen elterlichen Bezugspersonen und dem auf sie angewiesenen Nachwuchs schafft auch die Voraussetzung f\u00fcr ganz spezielle Bindungspartnerschaften: Manche Jungr\u00fcden entwickeln sich zu wahren \u201cMamakindern\u201d, T\u00f6chter zu \u201cPapakindern\u201d, und umgekehrt (Bloch &amp; Bloch 2002). Deren Bindungsspezifit\u00e4t geht so weit, dass sie nicht nur die jagdlichen Lieblingsgepflogenheiten ihres bevorzugten Elterntieres nachahmen (z.B. Blockieren von Wildwechseln, Sprinten und gezieltes Hetzen von Beutetieren gegen Z\u00e4une), sondern von ihm im Verletzungsfall au\u00dfergew\u00f6hnlich viel soziale Unterst\u00fctzung erfahren (lang andauerndes Kontakthalten und Kontaktliegen w\u00e4hrend gemeinsamer Inaktivphasen), bis sie am allgemeinen Gruppengeschehen wieder teilnehmen k\u00f6nnen (Bloch &amp; Dettling 2009).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz aller bindungsbezieherischer N\u00e4he zu ihrem Nachwuchs gilt es an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich Wolfseltern keineswegs scheuen, wenn notwendig, gegebenenfalls klare Abbruchsignale zu vermitteln. Momentane Zurechtweisungen sind kein Teufelswerk. Vielmehr haben sie eine biologische Funktion und gelten infolgedessen zurecht als eine normale Form der Kommunikation (Bloch &amp; Strodtbeck 2012). Abbruchsignale zerst\u00f6ren nachgewiesenerma\u00dfen weder Vertrauen noch Bindung (Talacek 2005). Wenngleich noch nicht abgeschlossen bewiesen, so bleibt doch stark zu vermuten, dass der symbiotische Beziehungsaufbau von Wolf und Rabe wesentliche interspezifische (zwischenartliche) Bindungskriterien erf\u00fcllt. Dieses insbesondere aus r\u00e4umlicher Sicht (Bloch &amp; Paquet 2014, unpubl. Data).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4. Kriterien der Gruppenbindung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2996\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_03-300x156.jpg\" alt=\"Boesch_03\" width=\"300\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_03-300x156.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_03.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Strukturell gewachsene Wolfsfamilien entwickeln besondere Mechanismen gruppenorientierter Verhaltensabstimmungen. Ein solches \u201cMach-mit-Verhalten\u201d, das D. Feddersen-Petersen (2008) als \u201cGleichhandlung von Individuen einer Gruppe beschreibt\u201d, kommen beispielsweise durch gemeinsame Revierstreifz\u00fcge und Nahrungssuche, gemeinsames Ruhen, Chorheulen oder auch gegenseitige Fellpflege zum Ausdruck (Bloch 2008 a). Insgesamt scheinen die sozio-emotionalen Bande der Gruppenbindung eine allgemein beruhigende Wirkung zu haben. W\u00f6lfischer Nachwuchs orientiert sich weitestgehend an den klug durchdachten Vorgaben erfahrener Alttiere, sucht freiwillig deren N\u00e4he und ist bestrebt, engen Kontakt zu ihnen aufrecht zu erhalten. Vor allem juvenile Individuen bekunden viel Interesse an stabilen, hochwertigen Bindungsbeziehungen, was nicht weiter verwundert, da sie schlie\u00dflich im kollektiven Zusammenspiel \u201ctraditioneller und kultureller Umwelteinfl\u00fcsse ihrer Eltern aufwachsen\u201d (Paquet 2009). Diese Form des aktiven, gruppenorientierten Kontakthaltens beinhaltet u. a. auch mannigfaltige Zusammenk\u00fcnfte um gro\u00dfe Beutetierkadaver, einschlie\u00dflich einer flexiblen, rangordnungs-ungebundenen Nahrungsaufnahme (Bloch 2008 b).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Grund daf\u00fcr, warum es f\u00fcr jeden subdominanten Wolf viel Sinn macht, gr\u00f6\u00dfere Distanzen zu den Alttieren m\u00f6glichst zu vermeiden. Mit zunehmendem Alter erh\u00f6ht sich die Wahrscheinlichkeit, dass erwachsene Individuen ihr Heimatrevier verlassen. Gruppenbindende Faktoren spielen immer weniger eine Rolle. Erste \u201cScheidungstendenzen\u201d (Lamprecht 1999) machen sich breit. Es kommt zu einer permanenten Trennung zwischen Eltern und Nachwuchs im reproduktionsf\u00e4higen Alter. Der schaut sich (je nach Pers\u00f6nlichkeit unterschiedlich) intensiv nach geeigneten Bindungspartnern au\u00dferhalb seines Heimatreviers um. Die Bedeutung von Gruppenbindung hat f\u00fcr erwachsene W\u00f6lfe demzufolge also Grenzen. Laut Mech (1999) sind Elterntiere oftmals \u201cdie einzigen Langzeit-Rudelmitglieder\u201d. Diese Tatsache gilt es im Hinblick auf die Bedeutung einer \u201coptimalen Gruppengr\u00f6\u00dfe\u201d zu ber\u00fccksichtigen. Neben der Frage nach Spezifit\u00e4t (s.o.) ist die nach der Bindungsst\u00e4rke von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung. Um Scheidungstendenzen messen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse einschlie\u00dflich auch der Anwesenheit von geeigneten Ersatzpartnern konstant gehalten werden (Ganslosser 2007).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr frei lebende W\u00f6lfe gilt das Lebensmotto: Ist ein geeigneter neuer Lebenspartner gefunden, wobei Wolfsweibchen diesbez\u00fcglich besonders w\u00e4hlerisch zu sein scheinen (Zimen 2003), investieren R\u00fcde und F\u00e4he sehr viel zeitlichen Aufwand, soziale N\u00e4he zu demonstrieren, eine exklusive Bindungsbeziehung zu etablieren und m\u00f6glichst dauerhaft zusammenzubleiben (Paarbindung, s. o.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.5. Kriterien der Geschwisterbindung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter W\u00f6lfen ist es \u00fcblich, hoch entwickelte und auf Langzeit angelegte Kooperationsbeziehungen einzugehen. Innerhalb des Nachwuchsgef\u00fcges bilden sich zudem nicht selten regelrechte Allianzen. Eine Allianz manifestiert sich durch die wiederholte Bildung von Koalitionen zwischen zwei oder mehr Individuen (Feddersen-Petersen 2008). Koalitionen k\u00f6nnen von Fall zu Fall gebildet werden, Allianzen entstehen dagegen erst durch ein langfristiges Engagement der koalierenden Individuen (de Waal &amp; Harcourt 1992). Gleichaltrige Geschwister scheinen ein besonderes Faible f\u00fcr Allianzbildungen zu haben. H\u00e4ufig handelt es sich um zwei Individuen \u00e4hnlichen Temperaments, die die gleichen sozialen und r\u00e4umlichen Interessen teilen, engen Kontakt zueinander halten, ausgiebig miteinander kommunizieren, selten aggressiv gestimmt interagieren und in Abwesenheit von Erwachsenen fast immer zusammen unterwegs sind. Futterdepots werden gemeinsam gepl\u00fcndert, die Jagd auf W\u00fchlm\u00e4use und andere Kleinbeute koordiniert gestaltet und bevorzugte Schlafmulden im engen K\u00f6rperkontakt genutzt. Jahrelange Freilandbeobachtungen legen die Schlussfolgerung nah, dass solcherart geschwisterlich verwurzelte Bindungspartner im entsprechenden Alter gerne gemeinschaftlich abwandern (Bloch &amp; Bloch 2002). Kriterien der Bindung in der Ethologie sind durch die Verhaltensweisen gekennzeichnet, die in einer Beziehung dominieren bzw. fortgelassen werden (Feddersen-Petersen 2008).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.6. Kriterien der Revierbindung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_05.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2998 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_05-300x210.jpg\" alt=\"Boesch_05\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_05-300x210.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Boesch_05.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bedauerlich ist, dass sich viele Bindungsbeschreibungen auf Exklusivbeziehungen beziehen, die zwischen zwei oder mehreren S\u00e4ugetieren zur Beobachtung kommen. So wichtig der soziale Kontext des Bindungskonzept auch sein mag, so unvollst\u00e4ndig ist er im r\u00e4umlichen Verst\u00e4ndnis. Wolfsfamilien und andere, altersstrukturiert gewachsene Kanidenverb\u00e4nde (z.B. Afrikanische Wildhunde (<em>Lycaon<\/em> <em>pictus<\/em>), asiatische Rothunde (<em>Cuon<\/em> <em>alpinus<\/em>)) sind sehr an ihren territorialen Lebensraum (Heimatrevier) gebunden. Diesen (dieses) verlassen sie nur, wenn es sich aufgrund deutlich verbesserter \u00dcberlebenschancen in Fremdgebieten nicht anders vermeiden l\u00e4sst (Peterson 1995). Wann immer ausreichende R\u00fcckzugsareale, ein st\u00f6rungsfreies H\u00f6hlengebiet und verl\u00e4ssliches Nahrungsangebot vorhanden sind (Theberge 1998), bauen Wolfsfamilien spezifische Beziehungen zu ihrem vertrauten Innen- und Au\u00dfenterritorium auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst zwischenzeitlich expandierende Familien kehren nach gelegentlichen Streifz\u00fcgen durch unbekanntes Terrain am liebsten rasch wieder in ihr Heimatrevier zur\u00fcck (Revierbindung) Viele Erfahrungswerte deuten daraufhin, dass ein effizient nutzbares Territorium der dort ans\u00e4ssigen Wolfsfamilie offensichtlich ein Gef\u00fchl der Berechenbarkeit, Vertrautheit und des allgemeinen Wohlbefindens vermittelt. Diese Sicherheit der \u201cr\u00e4umlich lockeren Atmosph\u00e4re\u201d ist es h\u00f6chst wahrscheinlich auch, die, verglichen mit st\u00f6rungsanf\u00e4lligen Gebieten, bessere Stress-bew\u00e4ltigungsvoraussetzungen schafft (Paquet 2012, m\u00fcndl. Mittl.). Wolfsfamilien, die in stark von Menschen dominierten Territorien leben, fallen nicht selten durch eine Bevorzugung d\u00e4mmerungs- und nachtaktiver Verhaltenstendenzen auf und heulen deutlich seltener (Bloch &amp; Bloch 2002, Bloch 2013, Bericht in Vorbereitung). Solcherart verhaltensanpassungsf\u00e4hige Familien mit fester Revierbindung generell als \u201cineffiziente Gruppen\u201d zu verunglimpfen, erscheint aufgrund deren F\u00e4higkeit zur weitfl\u00e4chigen Bestandausbreitung ziemlich nutzlos (Revierbindung kontra Arterhaltung\/Abwanderung seitens fortpflanzungsf\u00e4higer Individuen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00f6lfe verf\u00fcgen neben \u201csozialen Kognitionsf\u00e4higkeiten\u201d (Miklosi 2007: Erkennung und Kategorisierung von Artgenossen und ihrer Emotionen, die Bildung und der Unterhalt sozialer Beziehungen, die Manipulation anderer im eigenen Sinne durch Kommunikation, die F\u00e4higkeit zur Planung kooperativen Vorgehens und zum Hineinversetzen in andere) selbstverst\u00e4ndlich auch \u00fcber enorme r\u00e4umliche Kognitionskapazit\u00e4ten (Bloch &amp; Dettling 2009: Erinnerung und zielgerichtetes Ansteuern von \u201cCalving grounds\u201d, vergrabener Nahrungsreserven oder Futterdepots; Bewusstes Abk\u00fcrzungs-Laufen; Nutzung von vertrauten Wegenetzen, Fluss\u00fcberquerungspunkten, Lieblingsaufenthaltsorten innerhalb familienspezifischer Streifgebiete sowie systematische Habituation und Bindung an bestimmte Stellen im Territorium). W\u00f6lfe bevorzugen es, sich auch au\u00dferhalb der eigentlichen Welpenaufzuchtsphase ganzj\u00e4hrig immer wieder f\u00fcr lange Zeit in ihrem Kernrevier aufzuhalten (H\u00f6hlen- und Hauptrendezvousgebiet). P. Paquet (1990) konnte anhand von Sch\u00e4del- und Knochenfund-Analysen sogar nachweisen, dass manche H\u00f6hlenkomplexe \u00fcber einen Zeitraum von fast hundert Jahren genutzt wurden. Basierend auf einer intensiven Lebensraumpr\u00e4gung von Welpenalter an (s. o.) bekunden W\u00f6lfe offensichtlich ein starkes Interesse daran, ihre Bindung an bevorzugte Aufenthaltsorte m\u00f6glichst langfristig zu erhalten (Ortsbindung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.7. Kriterien der Orts- und Objektbindung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf_liegt_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-3003 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf_liegt_01-300x198.jpg\" alt=\"Asti_Wolf_liegt_01\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf_liegt_01-300x198.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf_liegt_01.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wie differenziert der Oberbegriff \u201cOrtsbindung\u201d zu betrachten ist, zeigen mannigfaltige Beispiele aus dem w\u00f6lfischen Alltagsleben. Neben der bevorzugten Bindung an ein zentral gelegenes Landschaftsareal (innerterritoriale Bindung an H\u00f6hlenkomplexe, s. o.), betreiben W\u00f6lfe viel Aufwand, ganz bewusst pr\u00e4ferierte Ruhe- und Schlafpl\u00e4tze, Spielst\u00e4tten oder h\u00f6her gelegene Landschaftsabschnitte anzusteuern (Bloch &amp; Bloch 2002). Dies tun sie, obwohl manche dieser Standorte momentan gerade weiter entfernt liegen oder es einige M\u00fche erfordert, mehrere hundert Meter steil bergauf zu laufen. Was auf den ersten Blick f\u00e4lschlicherweise bisweilen als \u201cenergieineffizient\u201d interpretiert werden mag, macht bei genauem Hinschauen im Zusammenspiel mit einer \u201cenergetisch ausgewogenen Kosten-Nutzen-Analyse\u201d absolut Sinn (Paquet 2012, muendl. Mittl.) Die Erfahrungen aus mittlerweile hunderten Verhaltensbeobachtungen best\u00e4tigen, dass W\u00f6lfe eine gro\u00dfe Bandbreite geistiger F\u00e4higkeiten entwickelt haben, um sich energetisch vorteilhafte Revierstandorte zunutze zu machen (Callaghan 2002). Im Winter sind es entweder sonnenbestrahlte Ruhepl\u00e4tze auf Anh\u00f6hen, die f\u00fcr eine gute Nahrungsverdauung von Bedeutung sind, oder ganz bestimmte (wettergesch\u00fctzte) Schlafmulden innerhalb alter Baumbest\u00e4nde, die energieeffiziente Vorteile bieten. Im Sommer sorgen pr\u00e4ferierte Schattenpl\u00e4tze f\u00fcr ausreichenden Schutz vor \u201c\u00dcberhitzung\u201d (Bloch &amp; Radinger 2014, in progress). Zudem ist hinreichend bekannt, dass sich W\u00f6lfe sehr verhaltenstraditionell an menschengemachte Routen gew\u00f6hnen k\u00f6nnen (z.B. Langlaufskiloipen, schneeger\u00e4umte Stra\u00dfen, planierte Wanderpfade), die sie im energie-einsparenden Sinne bevorzugt in ihren Routinealltag einbinden (Paquet et al.1996).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All\u2019 dies unterstreicht nochmals die Wichtigkeit umweltbedingter Wechselwirkungen (r\u00e4umlichspezifische Orientierung mit ortsbindendem Charakter).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Orts- und<\/strong> <strong>gleichzeitig<\/strong> <strong>objektbindenden<\/strong> <strong>Charakter<\/strong> hat sicherlich auch das zielorientierte Vergraben, Verstecken, Bunkern und vor allem problemlose Wiederauffinden von Futterdepots, die man h\u00f6chst wahrscheinlich in Vorausplanung auf schlechte Zeiten anlegt (Ged\u00e4chtnis f\u00fcr versteckte Objekte). Fest steht, dass Wolfsfamilien ihre Nahrungsbunker regelm\u00e4\u00dfig auch kollektiv nutzen (Bloch &amp; Radinger 2012). Dass eine Spezies sich der Vorstellung von Objekten bedient, l\u00e4sst sich z.B. durch den Beweis belegen, dass sie ohne visuelle Hinweise auf das Zielobjekt, zielgerichtet danach sucht (Miklosi 2007). Hinzuzuf\u00fcgen w\u00e4re noch: und das Gesuchte auch nachweisbar wiederfindet. Einerseits begegnen W\u00f6lfe unbekannten Objekten gegen\u00fcber mit gesunder Skepsis. Auf der anderen Seite bevorzugen sie liebgewonnene Gegenst\u00e4nde wie beispielsweise ganz individuelles Spielzeug (Fellst\u00fccke bis hin zu leeren Plastikflaschen). Alle diese \u00dcberlegungen legen insgesamt nahe, dass W\u00f6lfe spezifische Objektvorstellungen besitzen und zu pr\u00e4ferierten Gegenst\u00e4nden durchaus exklusive Bindungen aufbauen (Objektbindung). Diesbez\u00fcglich ist \u201cdie Spezifit\u00e4t, also die Einmaligkeit des Bindungsgegenstandes, der entscheidende Definitionspunkt\u201d (Ganslosser 2007).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf-guckt-nach-links_02.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3006 size-full\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf-guckt-nach-links_02.jpg\" alt=\"Asti_Wolf guckt nach links_02\" width=\"400\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf-guckt-nach-links_02.jpg 400w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Asti_Wolf-guckt-nach-links_02-300x236.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><a title=\"Beziehungs- und Bindungsformen\" href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=2977\">Top<\/a><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Literaturnachweis<\/strong>:<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekoff, M. (1972): The development of social interaction, play and metacommunication in mammals: an ethological perspective; Quart. Rev. Biology No. 47, pp. 412-434.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekoff, M. (2001): Social play behaviour: Cooperation, fairness, trust &amp; the evolution of morality; Journal of Consciousness Studies No.8, pp. 81-90.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Callaghan, C. (2000): Wolf den site monitoring: Summary Report 1988-2000; Central Rockies Wolf Project.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Bloch, K. (2002): Timberwolf Yukon &amp; Co; Kynos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. (2008 a): Gruppenverhalten, Dominanzbeziehungen und Kommunikation; Hunde-Farm Eifel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. (2008 b): Ressourcenverteidigung und Teilung in Kanidengruppen beim Zugang zu Nahrungsressourcen; Hunde-Farm Eifel (Bow Valley Wolf Behaviour Observations).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Dettling, P. (2009): Auge in Auge mit dem Wolf; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. (2010): Die Dreiklassengesellschaft bei Hundeartigen aus verhaltensbiologischer Sicht; Hunde-Farm Eifel (Bow Valley Wolf Behaviour Observations).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Gibeau, M. (2010): Adaptive strategies of wolves in the Bow Valley of Banff National Park; Hunde-Farm Eifel (Bow Valley Wolf Behaviour Observations).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Radinger, E. (2010): W\u00f6lfisch f\u00fcr Hundehalter; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Paquet, P. (2011): Wolf &amp; Raven: the co-evolution of team players and their living-together in a social-mixed group; Hunde-Farm Eifel (Bow Valley Wolf Behaviour Observations)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Radinger, E. (2012): Affe trifft Wolf; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. (2012 a): Das Eltern-Nachwuchs-Dominanzsystem der Pipestone-Wolfsfamilie und deren dynamisches Wanderverhalten; Hunde-Farm-Eifel (Bow Valley Wolf Behaviour Observ.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. (2012 b): Kanidenverb\u00e4nde und Pers\u00f6nlichkeiten: Ein verhaltensbiologischer Blick hinter die Kulissen sozialer Vielfalt; Hunde-Farm Eifel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch, G. &amp; Strodtbeck, S. (2012): Abbruchsignale: Teufelswerk oder notwendige Kommunikation; Wuff 4\/12, pp. 12-17 und Wuff 5\/12, pp. 12-16.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brandenburg, J. (1990): White Wolf: living with an arctic legend; Northwood Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Callaghan, C. (2002): The ecology of gray wolf; Ph.D. Thesis; University of Guelph.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Carbyn, L., Oosenburg, S. &amp; Anions, D. (1993): Wolves, bison and the dynamics related to the Peace-Athabasca Delta in Canada\u2019s Wood Buffalo Nationalpark; Canadian Circumpolar Research Series No. 4.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Cockburn, A. (1998): Evolution of helping behavior in cooperatively breeding birds; Annual Rev. Ecology System 29: pp. 141-177.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Creel, S. (2005): Dominance, aggression, and corticoid levels in social carnivores; Journal of Mammalogy No. 86 (2), pp. 255-264.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dawes, P., Elander, M. &amp; Ericson, M. (1996): The wolf in Greenland: a historical review and present status; Artic 39, pp. 119-132.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">deWaal, F. &amp; Harcourt, A. (1992): Coalitions &amp; alliances in humans and other animals; Oxford Science Publications, pp. 445-472.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feddersen-Petersen, D. (2004): Hundepsychology; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feddersen-Petersen, D. (2008): Ausdrucksverhalten beim Hund; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feddersen-Petersen, D. (2012): Vorwort in: Bloch &amp; Radinger, Affe trifft Wolf\u2019; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganslosser, U. (1998): S\u00e4ugetierverhalten; Filander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganslosser, U. (2007): Verhaltensbiologie fuer Hundehalter; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Halfpenny, J. (2003): Yellowstone wolves in the wild; Riverbend Publishing.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hebblewhite, M. (2000): Wolf and elk predator-prey dynamics in Banff Nationalpark; Master Thesis, Wildlife Biology, University of Montana.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heinrich, B. (2010): Teamplayer, in: Dogs 6\/10, pp. 114-117.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hess, E. (1973): Imprinting: early experiences and the developmental psychobiology of attachment; D. van Nostrant Co.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kappeler, P. (2006): Verhaltensbiologie; Springer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaeufer, M. (2011): Spielverhalten bei Hunden; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kneel, R. (2009): Population density and the evolution of male aggression; Journal of Zoology No. 278, pp. 83-90.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lundberg, U. (1988): Aspekte des Bindungsbegriffs in der Verhaltensbiologie; Zool. Jb. Physiol. No. 92, pp. 417-428.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mcdonald, D. &amp; Sillero-Zubiri, C. (2005): The biology and conservation of wild canids; Oxford University Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mcdonald, D. (2006): Sozio\u00f6kologie, in: Ganslosser &amp; Sillero-Zubiri: Wilde Hunde; Filander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mech, D. (1988): The Arctic Wolf: living with the pack; Key Porter Books.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mech, D. (1998): The wolves of Denali; University of Minnesota Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mech, D. (1999): Alpha status, dominance, and division of labor in wolf packs; Canadian Jounal of Zoology, Vo. 77.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mech, D. (2000): Leadership in wolf packs; Canadian Field Naturalist No. 114.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mech, D. &amp; Boitani, L. (2003): Wolf behaviour, ecology &amp; conservation; Chicago Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Miklosi, A. (2007): Dog behaviour, evolution and cognition; Oxford University Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Murie, A. (1944): The wolves of Mt. McKinley; U.S. National Park Service, Fauna Series No. 5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paquet, P. (1990): Banff Nationalpark canid ecology study; First Progress Report 1989-1990.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paquet, P., Wierzchowsky, J. &amp; Callagahn, C. (1996): Ecological outlooks project, Banff Bow Valley Study; Dept. of Canadian Heritage, p. 74 + appendices.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paquet, P. (2009): Vorwort in: Bloch &amp; Dettling, Auge in Auge mit dem Wolf; Kosmos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peterson, R.(1995): The wolves of Isle Royale, a broken balance; B&amp;T Publications.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Radinger, E. (2004): Die W\u00f6lfe von Yellowstone; Von D\u00f6llen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ruge, N. &amp; Bloch, G. (2012): Was f\u00fchlt mein Hund? Was denkt mein Hund? GU-Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schenkel, R. (1967): Submission: its features and functions in the wolf and dog; American Zoology No. 7, pp. 319-331.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sillero-Zubiri, C. &amp; Mcdonald, D. (1998): Scentmarking and territorial behaviour of ethopian wolves; Journal of Zoology No. 245, pp. 351-361.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Smith, D., Stahler, D. &amp; Guernsey, D. (2005): Yellowstone Wolf Project, Annual Report, NPC, Yellowstone Center of Reccources.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Smith, D., Stahler, D. &amp; Guernsey, D. (2007): Yellowstone Wolf Project, Annual Report, NPC, Yellowstone Center of Ressources.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sparkman, A. (2010): Direct fitness benefits of delayed dispersal in the cooperatively breeding red wolf; Behavioral Ecology, Advanced Access publication, 8. December 2010, Oxford University Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spotte, S. (2012): Societies of wolves and free ranging dogs; Cambridge University Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stahler, D., Heinrich, B. &amp; Smith, D. (2002): Common ravens, preferentially with grey wolves, as a foraging strategy in winter; Animal Behaviour No. 64, pp. 283-290.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Talacek, K. (2005): Dominanzverhalten unter juvenilen W\u00f6lfen in einer gewachsenen, altersstruktuierten Gruppe; Diplomarbeit, Chr.-Albrechts-Universit\u00e4t, Kiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theberge, J. &amp; M. (1998): Wolf Country: 11 years tracking the Algonquin Wolves; McClevelland &amp; Stewart Inc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimen, E. (1971): W\u00f6lfe &amp; K\u00f6nigspudel, Doktorarbeit, Piper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimen, E. (2003): Der Wolf; Kosmos.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnther Bloch\u00a0gilt als renommierter Kynologe und hat sich durch seine Beobachtungen an wild lebenden W\u00f6lfen u.a. im kanadischen Banff-Nationalpark als Wolfsforscher etabliert. Zudem leitete\u00a0Bloch ein viel beachtetes Studienprojekt an frei lebenden Stra\u00dfenhunden in der Toskana. 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