{"id":1518,"date":"2014-08-26T14:49:19","date_gmt":"2014-08-26T12:49:19","guid":{"rendered":"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=1518"},"modified":"2014-09-11T15:20:07","modified_gmt":"2014-09-11T13:20:07","slug":"inteview-mit-thomas-riepe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=1518","title":{"rendered":"Interview mit Thomas Riepe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b><a title=\"Thomas Riepe, Hundepsychologie\" href=\"http:\/\/www.hundepsychologie-ntr.de\/ueber-uns\" target=\"_blank\">Thomas Riepe<\/a> arbeitet als Tierpsychologe, Fachjournalist und Fachbuchautor. Er ist als Referent t\u00e4tig und schreibt regelm\u00e4\u00dfig Artikel f\u00fcr die kynologische Fachpresse. Riepe ver\u00f6ffentlichte bisher acht B\u00fccher, unter anderem \u201eHunde halten mit Bauchgef\u00fchl\u201c, \u201eHerz, Hirn, Hund\u201c, \u201eDa muss er durch\u201c und \u201eHundeartige\u201c. Er ist Chefredakteur und Herausgeber des<\/b><b> Fachmagazins CANISUND, das sich neben Haushunden auch mit Wildhunden besch\u00e4ftigt. Die Talkshow \u201eRiepes Hundetalk\u201c l\u00e4uft seit 2012 beim TV-Lernsender NRWISION.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/4_Windige.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1523 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/4_Windige-300x279.jpg\" alt=\"4_Windige\" width=\"300\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/4_Windige-300x279.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/4_Windige.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>klargestellt: Wie definieren Sie ein Rudel?<\/em><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Gute Einstiegsfrage, vor allem, weil Sie fragen, wie <span style=\"text-decoration: underline;\">ich<\/span> ein Rudel definiere. Das Wort Rudel ist n\u00e4mlich kein einheitlich definierter Begriff. In der Wild- oder auch der Verhaltensbiologie bezeichnet man im Allgemeinen z. B. eine Wolfsfamilie als Rudel. Elterntiere mit ihrem teilweise unterschiedlich altem Nachwuchs. Familienverb\u00e4nde, Mutter, Vater und Nachwuchs werden heute im wildbiologischen Kontext als Rudel bezeichnet. Da W\u00f6lfe aber anpassungsf\u00e4hige Lebewesen sind, gibt es immer mal Ausnahmen von der Grundstruktur \u2013 z. B. dass familienfremde Individuen \u201eadoptiert\u201c werden. Das ist dann aber speziellen Umst\u00e4nden und der Anpassungsf\u00e4higkeit von W\u00f6lfen geschuldet. Allgemein sind W\u00f6lfe, die in Gruppen auftreten, Familien. Und die werden vielfach heute mit dem Wort Rudel beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man sich mit Menschen austauscht, denen dieser Familienfaktor im Zusammenhang mit dem Wort Rudel bewusst ist, kann man das Wort auch durchaus benutzen. Allerdings verbindet der \u201enormale\u201c Mensch und Hundehalter mit dem Wort eher eine Art milit\u00e4risch organisierter Einheit von W\u00f6lfen und\/oder Hunden, in der sich nicht verwandte Tiere zusammenschlie\u00dfen, um streng hierarchisch strukturierte Gruppen zu bilden. Das entspricht aber \u00fcberhaupt nicht der sozialen Grundstruktur von W\u00f6lfen und Hunden. Wie gesagt, Wolfsrudel sind Familien. Und Hundegruppen, die nicht durch Menschen zusammengehalten werden, sind auch meist nur tempor\u00e4re Zweckgemeinschaften. Auf alle F\u00e4lle vermeide ich das Wort Rudel, im Zusammenhang mit W\u00f6lfen nutze ich lieber Familie und bei Hunden spreche ich pers\u00f6nlich lieber von Gruppen \u2013 egal welcher Konstellation. Obwohl viele Experten Hundegruppen, die aus Elterntieren und Welpen bestehen, dann auch als Rudel bezeichnen \u2013 in Anlehnung an Wolfsrudel bzw. Wolfsfamilien. Aber, wie erw\u00e4hnt, ich vermeide das Wort Rudel, weil es beim normalen Hundehalter meist vollkommen falsche Assoziationen bzgl. des Sozialverhaltens von Hunden weckt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1526\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_04.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1526\" class=\"wp-image-1526 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_04-185x300.jpg\" alt=\"\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)\" width=\"185\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_04-185x300.jpg 185w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_04.jpg 247w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1526\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Laut Feddersen-Petersen gibt es Rassen, die sich eher zur Mehrhundehaltung eignen als andere. Sehen Sie das genauso? Wie sieht das bei den aus ganz Europa importierten Stra\u00dfenmischlingen aus?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Grunds\u00e4tzlich ist es bei Hunden so, und das wird immer wieder vollkommen vergessen, dass fremde Artgenossen ja eine Bedrohung darstellen. Familie ist wichtig, bei Hunden auch die anderen Sozialpartner im direkten Umfeld. Aber bei W\u00f6lfen wie Hunden ist es immer noch genetisch verankert, dass die wahren Feinde die Artgenossen sind. Artgenossen ben\u00f6tigen exakt die gleichen Ressourcen wie ich, sei es das Territorium, die Nahrung, den Partner zur Fortpflanzung. W\u00f6lfe sind da sehr klar in ihrem Verhalten. Abgewanderte Jungw\u00f6lfe schlie\u00dfen sich mit einzelnen Individuen des anderen Geschlechts zwecks Familiengr\u00fcndung zusammen. Sie bilden aber keine Gruppierungen mit allen umherwandernden W\u00f6lfen, die noch kein eigenes Territorium haben. Wie gesagt, im Grunde sind alle fremden Artgenossen eher Feinde als Freunde, die vertrieben und auch mal bek\u00e4mpft werden. W\u00fcrden Hunde diesen Feindgedanken bei fremden Artgenossen genauso streng ausleben wie W\u00f6lfe, w\u00e4re es f\u00fcr sie nat\u00fcrlich nicht m\u00f6glich, in einer Umwelt mit sehr vielen Artgenossen zu existieren. Anpassung, Selektion und Domestikation haben beim Hund daher dazu gef\u00fchrt, dass dieser im Allgemeinen fremden Artgenossen freundlicher begegnet. Da der Mensch auch gezielt selektiert hat, sind nat\u00fcrlich Rassen entstanden, die z. B. f\u00fcr die Jagd in einer Meute zusammenleben und arbeiten. Nat\u00fcrlich sind diese Rassen eher bereit, in Gruppen mit Artgenossen zu leben, als z. B. Spitze, die fr\u00fcher gern z. B. auf kleinen Bauernh\u00f6fen als Einzelhunde zur M\u00e4use- und Rattenbek\u00e4mpfung gehalten wurden. Spitze konnten auf \u201eihrem\u201c Hof frei agieren, waren aber selten mit vielen Artgenossen konfrontiert, weil Territoriums-, also Hofgrenzen, durchaus ernst genommen wurden. Also klar, es gibt unterschiedliche Rasseauspr\u00e4gungen und sicher sind einige Rassen besser \u201egeeignet\u201c, mit mehreren Artgenossen zusammenleben, als andere. Aber man muss es auch immer individuell sehen. Hunde sind keine designten Maschinen, und es kann Spitze geben, die wunderbar mit Artgenossen harmonieren, und Meutehunde, die lieber f\u00fcr sich sind. Und nat\u00fcrlich spielt dabei auch die eigene Lebenserfahrung eine Rolle, welche Bedeutung Artgenossen f\u00fcr das Individuum im Leben hatten oder haben. Bei der Zusammenstellung von Hundegruppen sind immer viele Faktoren zu ber\u00fccksichtigen. Jede pauschale Herangehensweise, ob nach Rasse oder irgendwelchen angeblich angeborenen \u201eRudelstellungen\u201c ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich sehr \u2013 vorsichtig ausgedr\u00fcckt \u2013 bedenklich. Und importierte Stra\u00dfenhunde muss man da noch einmal anders einsch\u00e4tzen, als Hunde, die in unserem heimischen Umfeld aufgewachsen sind und von Welpenbeinen an Kontakt mit fremden Artgenossen hatten oder haben mussten. Meist haben Stra\u00dfenhunde den direkten Kontakt mit anderen Hunden vermieden und haben kritische Situationen weitl\u00e4ufig umgangen. Man kann sich vorstellen, wie es einem Hund gehen muss, der Strategien zur Konfliktvermeidung in Freiheit erlernt hat, pl\u00f6tzlich auf engstem Raum mit Artgenossen ist und Konflikten nicht mehr aus dem Weg gehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schbazl_02-15072002-018.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-388 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schbazl_02-15072002-018-300x238.jpg\" alt=\"Wolf-Chow\" width=\"300\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schbazl_02-15072002-018-300x238.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schbazl_02-15072002-018-624x496.jpg 624w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schbazl_02-15072002-018.jpg 850w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>klargestellt: Brauchen Hunde den Menschen? Wie wichtig ist sozialer Kontakt zum Menschen f\u00fcr Hunde?<\/em><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Das ist eine sehr gute Frage. Es gibt rund 500.000.000 Hunde auf der Welt (Wandeler: Dogs, Zoonoses and Public Health, 2001), wovon ca. 75 % ein selbstbestimmtes Leben ohne direkte Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Menschen f\u00fchren (Kevin Stafford: The Welfare of Dogs. 2006). Rein statistisch betrachtet k\u00f6nnen Hunde demnach sehr gut ohne Menschen existieren \u2013 aber vermutlich nicht ohne die vom Menschen gepr\u00e4gte Umwelt. Diese ist genau die \u00f6kologische Nische, die Hunde zum Leben ben\u00f6tigen. Weitab von menschlichen Siedlungen und deren Nahrungsressourcen sind sie in der Natur meist nicht in der Lage, sich gegen andere Futterkonkurrenten durchzusetzen. Mensch und Hund geh\u00f6ren daher definitiv \u201ezusammen\u201c, wie eng genau, ist oft auch kulturellen und anderen Umweltbedingungen geschuldet. Als sicher gilt aber, dass Menschen von Hunden meist leichter als Sozialpartner akzeptiert werden, als Artgenossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant ist es an dieser Stelle vielleicht auch, speziell bezogen auf Rudelstellungen, dass von den 75% der selbstbestimmten Hunde auf der Erde, die Mehrheit nicht in dauerhaften Gruppen lebt, sondern eher solit\u00e4r. Das beschreiben z. B. die Forscher Erik Zimen (Der Hund, 1988) oder das Ehepaar Coppinger (Hunde, 2003). Auch ich habe in Indien, Afrika und S\u00fcdeuropa bei Recherchen bislang mehr Einzelhunde als Hunde in Gruppen vorgefunden. Gruppen kommen unter bestimmten Umst\u00e4nden durchaus vor (Bloch, Pizzahunde, 2007). Aber mehrheitlich leben Stra\u00dfenhunde nicht in Gruppen, sondern eher solit\u00e4r. Hunde scheinen also durchaus in der Lage, ohne direkte menschliche Bezugsperson zu leben, genauso, wie sie ohne feste Hundegruppe leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><em>klargestellt: Ist der Kontakt zum Menschen f\u00fcr Hunde, die zu zweit oder gar in<\/em> <em>\u201eRudeln\u201c gehalten werden, weniger wichtig als f\u00fcr Einzelhunde?<\/em><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Das kann man sicher nicht an \u201eRudeln\u201c festmachen. Wieviel Kontakt ein Hund zu einem Menschen w\u00fcnscht, ist sicher ganz individuell zu sehen und hat wenig damit zu tun, wie viele Hunde in der Umgebung leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>\u00a0<em>klargestellt: Sehen Sie einen Trend hin zur Mehrhundehaltung?<\/em><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>klargestellt:<\/strong> <b>Halten Sie es f\u00fcr m\u00f6glich, dass Menschen durch das Halten mehrerer Hunde \u00fcberfordert sind und sich deshalb verst\u00e4rkt Angeboten zuwenden, die ihnen leichte Hilfe versprechen?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>klargestellt:<\/strong> <b>Frau Ertel empfiehlt Hundehaltern gerne, sich weitere Hunde anzuschaffen, um das Rudel zu erg\u00e4nzen. Bedeutet dies noch mehr \u00dcberforderung f\u00fcr den Halter oder kann es tats\u00e4chlich mehr Ruhe in einen Mehrhundehaushalt bringen?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Spezielles Thema, das man schwer kurz oder gar pauschal beantworten kann. Fremde Hunde sind, wie gesagt, meist eher als Konkurrenten anzusehen. Holt man sich einen weiteren Hund ins Haus, bedeutet das immer erst einmal Stress. Die Hunde fragt ja niemand\u2026 Aber aufgrund der Anpassungsf\u00e4higkeit von Hunden arrangieren sich die Tiere meist, und nat\u00fcrlich kann ein ausgeglichener Hund sicher positiven Einfluss auf sonst vielleicht nerv\u00f6se Hunde haben. Das geht aber auch umgekehrt. Und es gibt gar nicht so selten Hunde, die nicht mit Artgenossen zusammenleben wollen. Denen dabei nicht \u201ewohl\u201c ist. Es gibt sehr viele individuelle Punkte bei der Mehrhundehaltung zu ber\u00fccksichtigen, die man definitiv nicht pauschal beantworten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Rudelstellungsanh\u00e4nger neigen dazu, ihre Hunde untereinander zu tauschen, wenn sie nicht ins Rudel passen. Was bedeutet es f\u00fcr einen Hund, aus seiner Umgebung gerissen und mit anderen Hunden &#8222;verrudelt&#8220; zu werden? Wie wirkt sich so ein Hundetausch auf die Bindungsf\u00e4higkeit der Hunde aus?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Auch hier m\u00fcsste man immer den individuellen Fall betrachten, die spezielle Situation und Konstellation. Sicher gibt es hier und da F\u00e4lle, wo Hunde \u00fcberhaupt nicht miteinander k\u00f6nnen, sich sogar lang und h\u00e4ufig gegenseitig bedrohen, weil sie gezwungen werden, eingesperrt miteinander zu leben. Da kann es in Einzelf\u00e4llen durchaus mal ratsam sein, einem Hund ein anderes Heim zu suchen, um Stress und Aggression zu vermeiden. Das kommt aber seltener vor, als man denkt. Wie bereits vorher erw\u00e4hnt, sind Hunde eher bereit, mit Artgenossen zu leben, als es z. B. W\u00f6lfe sind. Wichtig sind dabei aber viele Aktivit\u00e4ten, die individuell durchgef\u00fchrt werden, gen\u00fcgend Raum und M\u00f6glichkeiten, sich zur\u00fcckzuziehen. Werden zu viele Hunde auf zu engem Raum gehalten, ist das immer kritisch zu betrachten. Wenn Hunde aber mit anderen Hunden friedlich zusammenleben, sich gegenseitig angepasst haben, mit den individuellen Eigenschaften des oder der anderen umzugehen wissen, auch durch Anpassung und Gew\u00f6hnung, ist das doch in Ordnung. Besser ich kann Situationen und \u201eMitbewohner\u201c einsch\u00e4tzen, als wenn ich st\u00e4ndig in neue Gruppierungen gesetzt werde, wo ich mich erst wieder einfinden muss, wo ich mich neu anpassen muss \u2013 was unnat\u00fcrlich viel Stress bedeutet. Also klar, das sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen. Wenn es nicht geht, dann geht es nicht mit dem Zusammenleben. Aber st\u00e4ndig neuen Konstellationen ausgesetzt werden, ist automatisch belastend f\u00fcr die Psyche. Und nat\u00fcrlich, wenn ich als Individuum lerne, dass meine Bindungen und die Anpassung an einen neuen Sozialpartner nur von kurzer Dauer sind, leidet meine Bindungsf\u00e4higkeit.<a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Vorderk\u00f6rper_tief.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-658 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Vorderk\u00f6rper_tief-245x300.jpg\" alt=\"\" width=\"245\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Vorderk\u00f6rper_tief-245x300.jpg 245w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Vorderk\u00f6rper_tief.jpg 490w\" sizes=\"(max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Hunde, die bisher zusammengelebt haben, werden, nachdem ihre Halter sich der Rudelstellungslehre angeschlossen haben, oftmals voneinander getrennt gehalten. Die zuvor von den Haltern als harmonisch empfundenen Beobachtungen der h\u00fcndischen Kommunikation (Spielen) wird nun als Stress interpretiert. Ist es richtig, dass das Spielen von Hunden eine menschliche Fehlinterpretation ist und tats\u00e4chlich Stress bedeutet?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Nat\u00fcrlich stresst spielen. Es ist ein oft blitzschnelles Anpassen an sich \u00e4ndernde Umst\u00e4nde. Aber S\u00e4ugetiere m\u00fcssen ja spielen, damit k\u00f6rperliche Fertigkeiten und die Gehirnentwicklung gef\u00f6rdert werden. Wenn gen\u00fcgend Energiezufuhr (sprich Futter) vorhanden ist, kann man auch bei erwachsenen W\u00f6lfen oder frei lebenden Hunden durchaus erwachsene Individuen beim Spiel beobachten. Das h\u00e4lt k\u00f6rperlich und geistig fit&#8230; Also klar, Spiel ist Stress \u2013 aber ein wichtiger und insgesamt n\u00fctzlicher Stress. Man muss nur darauf achten, dass nicht zu viel gespielt wird, die Hunde nicht zu hoch fahren und vor allem nicht zu lange gespielt wird. Die Hunde sollten zudem schnell wieder entspannen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Frau Ertel spricht gerne davon, dass der Hundehalter eine bestimmte \u201eRudelposition\u201c einnehmen m\u00fcsse. Ist der Mensch in der Lage, sich f\u00fcr Hunde glaubw\u00fcrdig sozusagen als Ersatzhund zu etablieren?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Ich vermeide ja das Wort Rudel. Wie eingangs erw\u00e4hnt, Rudel als hierarchische Gruppierung mit nicht verwandten Individuen geh\u00f6ren nicht zum sozialen Grundmodell von Kaniden. Und wenn es ein Konstrukt nicht gibt, kann ich darin auch schlecht die Position eines anderen einnehmen. Und wenn man die wildbiologisch als Rudel bezeichnete Wolfsfamilie betrachtet, welche Position sollte ich da einnehmen? Vater, Mutter, Welpe?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings muss man nat\u00fcrlich festhalten, dass innerhalb der Mensch\/Hund-Lebensgemeinschaft, in dem gemischtartigen sozialen Verband sicher dem Menschen eine gewisse \u201eLeitungsrolle\u201c zuf\u00e4llt, die Regeln aufstellt und den sozialen Verband durch die hektische menschliche Umwelt man\u00f6vriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Um Hunde zur Aufgabe von Problemverhalten (z. B. Jagen) zu bringen, wird Rudelstellungsanh\u00e4ngern empfohlen, dem Hund in ganzen S\u00e4tzen ausf\u00fchrlich zu erkl\u00e4ren, weshalb das gezeigte Verhalten unerw\u00fcnscht ist. Ist es m\u00f6glich, mit Hunden durch ausf\u00fchrliches Erkl\u00e4ren in menschlicher Sprache zu kommunizieren und sie so zu Verhaltens\u00e4nderungen zu bewegen?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Hunde sind hochentwickelte Lebewesen, deren Gehirn zu weit mehr f\u00e4hig ist, als wir Menschen ihnen meist zugestehen. \u201eErzogen\u201c bzw. trainiert werden Hunde heute innerhalb fast aller Philosophien fast ausschlie\u00dflich behavioristisch, das hei\u00dft nach einer bestimmten Lerntheorie. Lerntheoretiker sind sich inzwischen allerdings einig, dass es mehr als eine einzige ernstzunehmende Lerntheorie gibt und das Lernen eine Mischung mehrerer Theorien ist (Schar\/Riepe, Hunde halten mit Bauchgef\u00fchl, 2014). Demnach sind Hunde auch mit gr\u00f6\u00dferen kognitiven F\u00e4higkeiten ausgestattet, als bislang propagiert (Hunde &#8211; Evolution, Kognition und Verhalten, \u00c1d\u00e1m Mikl\u00f3si, 2011).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber so sehr Hunde und Hundeartige auch meine private und berufliche Leidenschaft sind \u2013 dass Hunde ganze S\u00e4tze verstehen, die verschiedenen Bedeutungen von immer neu zusammengesetzten W\u00f6rtern erkennen k\u00f6nnen, daf\u00fcr reicht ihre F\u00e4higkeit zur Abstraktion sicher nicht. Was gar nicht schlimm ist \u2013 Hunde haben andere F\u00e4higkeiten, bei denen sie uns haushoch \u00fcberlegen sind. Aber sicher k\u00f6nnen sie au\u00dfer einzelnen W\u00f6rtern oder Wortketten keine abstrakten S\u00e4tze verstehen. Eigentlich ist es schon fragw\u00fcrdig, dass ich darauf \u00fcberhaupt antworte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Rudelstellungsanh\u00e4nger, die ein \u201cstrukturiertes Rudel\u201c haben, reden in ganzen S\u00e4tzen mit den so genannten \u201eEckhunden\u201c und erwarten von diesen, dem Rest des Rudels klarzumachen, was der Mensch w\u00fcnscht. Ist es m\u00f6glich, eine Hundegruppe auf diese Weise zu f\u00fchren?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Ist es richtig, dass Hunde eines passend zusammengestellten Rudels bzw. Teilrudels keine t\u00e4gliche Bewegung (Spazierg\u00e4nge) ben\u00f6tigen, da sie durch ihr eigenes \u201eArbeiten\u201c vollkommen ausgelastet sind?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Richtig ist, dass Hunde heute viel zu viel ausgelastet werden, sie viel zu viel \u201eAction\u201c haben und viel zu wenig Ruhezeiten. Aber ein Grundbed\u00fcrfnis nach Bewegung hat nat\u00fcrlich jeder Hund \u2013 welches auch immer individuell und rasseabh\u00e4ngig zu sehen ist. Ungef\u00e4hr zwei Stunden gezielte Bewegung am Tag (z. B. Spazierg\u00e4nge, Ausfl\u00fcge), sowie zus\u00e4tzliche geistige Auslastung (z. B. Nahrungssuche, Nahrung bearbeiten) sind f\u00fcr die geistige Gesundheit unabdingbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Leinenschn\u00fcffeln.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1524 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Leinenschn\u00fcffeln-300x249.jpg\" alt=\"Leinenschn\u00fcffeln\" width=\"300\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Leinenschn\u00fcffeln-300x249.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Leinenschn\u00fcffeln.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>klargestellt: Um Begegnungen mit \u201enicht passenden\u201c Hunden zu vermeiden, d\u00fcrfen Hunde von Rudelstellungsanh\u00e4ngern keinen Kontakt zu fremden Hunden aufnehmen. Ist das sinnvoll oder artgerecht?<\/em><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Das muss man auch wieder differenziert betrachten. Wie bereits erw\u00e4hnt, sind nicht alle Hunde auch Hundefreunde. Denen braucht man es nicht unbedingt zuzumuten, st\u00e4ndig neue Hunde kennenzulernen. Wie gut Hunde mit Hunden auskommen, h\u00e4ngt von der Sozialisierung und auch vom individuellen Charakter ab. Ich denke allerdings, dass es n\u00f6tig ist, dass man in unserer Gesellschaft gezielte Hundebegegnungen herbeif\u00fchrt und auch erm\u00f6glicht \u2013 zum einen, weil der Hund lernen sollte, Artgenossen zu tolerieren, und weil es nicht immer m\u00f6glich ist, Kontakte zu vermeiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><em>klargestellt: Haben Sie beobachtet oder Kenntnis davon, dass ein bestimmter<\/em> <em>Hundewelpe sich versteckt bzw. von der Mutter versteckt wird, da er sonst <\/em><em>als potentieller Konkurrent vom aktiven Leithund des Rudels get\u00f6tet w\u00fcrde?<\/em><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Nein, davon habe ich keine Kenntnis und habe ich selbst noch nie beobachtet. Man kann nat\u00fcrlich nie abstreiten, dass irgendwie oder irgendwo mal ein Welpe get\u00f6tet wurde \u2013 ggf. aus Gr\u00fcnden von Krankheit. Aber normalerweise t\u00f6ten W\u00f6lfe oder auch Hunde ihren Nachwuchs nicht \u2013 und vor allem nicht aus Angst vor Konkurrenz. Die Welpen wandern ja sowieso ab, wenn sie erwachsen sind, um sich eigene Partner zu suchen. Eine Einrichtung der Natur, der Evolution, die Inzucht vermeidet\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>klargestellt: Nach der Rudelstellungslehre, \u201erepariert\u201c eine stellungsstarke H\u00fcndin ihren Wurf wenn er rudelstellungsgem\u00e4\u00df \u201einakzeptabel\u201c ist durch das T\u00f6ten einzelner Welpen oder ihres ganzen Wurfs. Haben Sie solch ein Verhalten beobachtet?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Kurze Antwort: Haneb\u00fcchener Bl\u00f6dsinn.<\/p>\n<p><em><b>klargestellt: Gibt es nach dem Stand der heutigen Forschung Hinweise auf eine genetisch festgelegte und somit vererbbare Stellung innerhalb eines Sozialverbandes von Kaniden?<\/b><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riepe: Nein, mir ist nichts bekannt \u2013 und, wenn ich das anmerken darf: Ich habe schon intensiv recherchiert, ob es irgendwelche auch nur ann\u00e4hernd seri\u00f6se Hinweise gibt, die sich mit dem Thema besch\u00e4ftigt haben. Da gibt es nichts, aber auch rein gar nichts\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_1525\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_Welpe_A.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1525\" class=\"wp-image-1525 size-full\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_Welpe_A.jpg\" alt=\"PIZZAHUND _114\" width=\"400\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_Welpe_A.jpg 400w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahund_Welpe_A-300x198.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1525\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"Inteview mit Thomas Riepe\" href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=1518\">TOP<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Riepe arbeitet als Tierpsychologe, Fachjournalist und Fachbuchautor. Er ist als Referent t\u00e4tig und schreibt regelm\u00e4\u00dfig Artikel f\u00fcr die kynologische Fachpresse. Riepe ver\u00f6ffentlichte bisher acht B\u00fccher, unter anderem \u201eHunde halten mit Bauchgef\u00fchl\u201c, \u201eHerz, Hirn, Hund\u201c, \u201eDa muss er durch\u201c und \u201eHundeartige\u201c. 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