{"id":145,"date":"2014-08-04T13:52:37","date_gmt":"2014-08-04T11:52:37","guid":{"rendered":"http:\/\/rudelstellungen.info\/?p=145"},"modified":"2017-11-18T18:17:30","modified_gmt":"2017-11-18T17:17:30","slug":"baumann-ganslosser-aus-wuff-7-8-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=145","title":{"rendered":"Baumann \/ Ganslo\u00dfer in &#8222;WUFF&#8220; 7-8 \/ 2014"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"WUFF Hundemagazin\" href=\"http:\/\/www.wuff.de\/cms\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>&#8222;WUFF&#8220;<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>RUDELSTELLUNGEN bei Hunden? Warum es so nicht sein kann!<br \/>\n<em>von Thomas Baumann und Udo Ganslo\u00dfer<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit geraumer Zeit tobt in der Hundewelt der Streit um eine wieder mal neue Betrachtungsweise. Von fanatischer Begeisterung bis hin zu blankem Entsetzen reicht das Feedback von Teilnehmern an Seminaren zu sogenannten Rudelstellungen mittlerweile.<br \/>\nVersprochen wird in diesen Seminaren eine neue und gl\u00fccklich machende Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr Hunde, angeblich auf der Grundlage einer alten Botschaft des 1977 verstorbenen G\u00e4rtnermeisters und Eurasier-Z\u00fcchters Karl Werner.<!--more--> Diese Hypothesen sorgen nun, nach rund 35 Jahren \u201eDornr\u00f6schenschlaf\u201c f\u00fcr eine gewisse Unruhe im Hundewesen. Den Behauptungen zufolge gibt es innerhalb eines sozialen Verbandes bei Hunden exakt sieben genau definierte Positionen und Aufgabenbereiche, die aufgrund der jeweiligen Vererbung unumst\u00f6\u00dflich deren Leben bestimmen. Demzufolge k\u00f6nnen angeblich mehrere Hunde nur dann harmonisch zusammenleben, wenn sie gem\u00e4\u00df ihrer stets angeborenen Stellung im Rudel mit Artgenossen zusammenleben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konkurrieren hingegen zwei Hunde, weil ihnen die gleiche Position beziehungsweise Stellung durch genetische Vorgabe in die Wurfkiste gelegt wurde, dann sprechen die Anh\u00e4nger der Rudelstellungen von einem sogenannten \u201eDoppelbesatz\u201c. Angeblich k\u00f6nnen zwei Hunde mit einer identisch ererbten Position niemals gl\u00fccklich zusammen leben. Das bedeutet, wer zwei Hunde in seinem Haushalt untergebracht hat, die auf einem der Seminare zur Rudelstellung als \u201eDoppelbesatz\u201c identifiziert wurden, sollte nach M\u00f6glichkeit die beiden Hunde wieder trennen, denn sie k\u00f6nnen nicht gl\u00fccklich zusammen leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hunde_spielen-nicht_01.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-946 size-full\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hunde_spielen-nicht_01.jpg\" alt=\"Hunde_spielen nicht_01\" width=\"600\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hunde_spielen-nicht_01.jpg 600w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hunde_spielen-nicht_01-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da hilft dann \u00fcbrigens auch der Einwand des Hundehalters nichts, dass beide Hunde doch schon seit Jahren zusammen leben und sich wunderbar verstehen w\u00fcrden. Sie spielen auch miteinander und zeigen in Ruhephasen sehr viel Kontaktliegen. Die Seminarleiterin entgegnet dann \u2013 nicht immer freundlich \u2013 dass es nur den Anschein habe, dass sich die zwei verstehen, in Wirklichkeit aber seien beide \u00fcberhaupt nicht gl\u00fccklich! Konkrete Begr\u00fcndung: Die Hunde passen aufgrund ihrer gleichartigen Rudelstellung ganz einfach nicht zusammen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf derartigen Seminaren wird auch referiert, dass man angeblich bereits am ersten Tag, wenn die frisch geborenen Welpen zum ersten Mal nebeneinander liegen, erkennen k\u00f6nnen soll, welche Position im Rudel sie sp\u00e4ter einnehmen. Hier werden dann wohlklingende Bezeichnungen wie vorrangiger Bindehund, vorrangiger Verschlusshund und \u00e4hnliches gefunden. Selbst Tauschb\u00f6rsen, bei denen angeblich nicht zusammenpassende Hunde in einer Familienhaltung ausgetauscht werden k\u00f6nnen, bis die richtige Konstellation stimmt, sind schon organisiert worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um diese \u00dcberlegungen zu betrachten, ist es zun\u00e4chst wichtig, einige allgemeine Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens und wissenschaftlichen Argumentierens kennenzulernen. Bereits vor vielen hundert Jahren hat der englische M\u00f6nch John Occam ein Prinzip gefordert, das als allgemeines Grundprinzip der wissenschaftlichen Arbeit gilt. Man soll eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr ein Ph\u00e4nomen immer so finden, dass m\u00f6glichst wenig unbeweisbare Hilfshypothesen dazu ben\u00f6tigt werden. Wenn Sie einen Gegenstand aus der Hand fallen lassen und dieser dann eben auf den Boden f\u00e4llt, dann ist die von Newton und Kopernikus gefundene Schwerkraft eben eine wesentlich bessere Erkl\u00e4rung als ein angeblich unstillbares Verlangen, das diesen Gegenstand dazu treibt, seinen geliebten Erdmittelpunkt schnellstens in die Arme schlie\u00dfen zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein zweites wissenschaftliches Prinzip ist es, dass m\u00f6glichst Erkl\u00e4rungen so gefunden werden, die mit bereits beschriebenen und belegten Befunden aus anderen Wissenschaftsdisziplinen nicht im Widerspruch stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genau an dieser Stelle beginnt das Dilemma mit den sogenannten angeborenen Rudelstellungen. Es gibt einfach schlichtweg keinerlei genetisch vorstellbaren oder gar genetisch beschriebenen Mechanismus, der bei Vollgeschwistern, bei den Kindern eines einzigen Zuchtpaares, immer genau sieben abgegrenzte und in ihrem Typus allgemein erkennbare Pers\u00f6nlichkeiten schaffen w\u00fcrde. Allein die Tatsache, dass viele Verhaltenseigenschaften jeweils polygen vererbt werden, also von mehreren Genorten auf verschiedenen Chromosomen gesteuert werden d\u00fcrften, w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass die urspr\u00fcnglich vielleicht einmal gekoppelten Eigenschaften sich sp\u00e4ter dann wild auf die Nachkommen verteilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denken Sie an Ihre ersten Gehversuche mit der Genetik, den Mendelschen Regeln im Schulunterricht. Wenn man schwarz kurzhaarige und wei\u00df wuschelige Meerschweinchen kreuzt, bekommt man bereits in der zweiten Generation auch schwarz wuschelige und wei\u00df kurzhaarige. Die Merkmale werden neu gemischt. Oder, ein noch deutlicheres Beispiel, die Farbvererbung bei Border Collies und verwandten Rassen. Hierf\u00fcr sind ca. f\u00fcnf verschiedene Genorte auf mehreren unterschiedlichen Chromosomen verantwortlich. Und das erkl\u00e4rt, warum selbst gute und verantwortungsvolle\u00a0\u00a0 Z\u00fcchter, die den gesamten Stammbaum von Mutterh\u00fcndin und Deckr\u00fcde kennen, dann eben nicht vorhersagen k\u00f6nnen welche Farbmuster in welcher St\u00fcckzahl bei einem Welpenwurf auftreten werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-948 size-full aligncenter\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hundebankreihe.jpg\" alt=\"Hundebankreihe\" width=\"500\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hundebankreihe.jpg 500w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hundebankreihe-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleiche Mechanismen m\u00fcsste man annehmen, wenn die Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale, zum Beispiel bestimmte Rollen und Funktionen im Rudel, durch genetische Mechanismen festgelegt w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist zweifellos bekannt, dass Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften eine bestimmte erbliche Komponente haben. Die beiden Grundpers\u00f6nlichkeiten, bisweilen auch als Supereigenschaften bezeichnet, n\u00e4mlich der wagemutige, vorw\u00e4rts orientierte A Typ und der scheue, zur\u00fcckhaltende, eher beobachtende B Typ, sind bei vielen Hunderassen, aber auch bei sehr vielen anderen Tierarten beschrieben. Die Erblichkeit dieser Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften liegt ca. bei einem Drittel. Das hei\u00dft, wenn wir zwischen dem Wagemutigsten und dem Scheuesten in einem Wurf oder in einer Zuchtlinie eine hypothetisch anzunehmende Punktzahl von zehn Punkten als Unterschied annehmen, w\u00e4ren nur drei bis vier dieser Punkte durch die Abstammung vorhersagbar. Eine neu ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt dies sehr sch\u00f6n sogar an wild lebenden Verwandten des Haushundes. In einer Studie zur Wiederansiedlung im Naturschutz des Amerikanischen Kit Fuchses konnte n\u00e4mlich gezeigt werden, dass \u00e4ltere F\u00fcchse in ihren Pers\u00f6nlichkeitsunterschieden zwischen scheu und wagemutig eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Varianz aufweisen als Welpen und einj\u00e4hrige Jungf\u00fcchse. Offensichtlich ist die Frage, welche Erfahrungen man im Laufe der ersten zwei Jahre gemacht hat, mit entscheidend daf\u00fcr, ob man nun ganz besonders wagemutig wird, weil man eben sehr viele positive Erfahrungen damit gemacht hat, oder doch eher zur\u00fcckhaltender, weil man auch mal negative Erfahrungen gemacht hat. Ein weiterer Befund dieser Studie zeigt auch, dass die F\u00fcchse in Vorst\u00e4dten und anderen, st\u00e4rker von menschlichen Siedlungen beeinflussten Gebieten eine gr\u00f6\u00dfere Wagemut aufweisen als diejenigen, die in ihrem nat\u00fcrlichen Lebensraum, in den Amerikanischen Pr\u00e4rien leben. Auch das ein Beleg daf\u00fcr, dass die Umwelt in der man aufw\u00e4chst, den gr\u00f6\u00dferen Beitrag leistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterhalb dieser beiden Supereigenschaften finden sich dann die f\u00fcnf Pers\u00f6nlichkeitsachsen des F\u00fcnf- Faktoren- Modells, also emotionale Stabilit\u00e4t oder Launenhaftigkeit, Trainierbarkeit und Offenheit f\u00fcr neue Erfahrungen, Geselligkeit mit Hunden, Extrovertiertheit, und die Ausdauer im Verfolgen von Zielen, die Beharrlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch diese Pers\u00f6nlichkeitsachsen haben durchaus erbliche Anteile, hier wurde beispielsweise im Rahmen von Zuchtzulassungspr\u00fcfungen und \u00e4hnlichen breit angelegten \u00dcberpr\u00fcfungen von verschiedensten Hunderassen meist eine Erblichkeit zwischen 18 und 25% gefunden. Hier sind also schon 3\/4 bis 4\/5 durch die Umwelt, durch die Erfahrungen, durch die Sozialisation bedingt, und nur ca. \u00bc bis 1\/5 w\u00e4re durch Abstammung erkl\u00e4rlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen \u00dcberlegungen zeigt sich also, dass die Aussage einer angeblich angeborenen Rudelstellung des Hundes in seinen Genen einfach nicht Platz finden kann. Es gibt keinen genetischen Mechanismus, der diese \u00dcberlegungen st\u00fctzt, im Gegenteil, sie stehen in eklatanten Widerspruch zu allem, was man \u00fcber Genetik und Verhaltensbiologie des Hundes heute wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst f\u00fcr wissenschaftliche Laien ist doch heute nachvollziehbar, dass jedes Lebewesen, und damit auch der Hund, als Ph\u00e4notyp existiert. Der Ph\u00e4notyp besteht, einfach ausgedr\u00fcckt, aus zwei Teilen, der Genetik und der Umwelt. Der Ph\u00e4notyp wird durch das Zusammenwirken von ERBANLAGEN und UMWELTEINFL\u00dcSSEN gesteuert. Eine Erbanlage stellt somit nur eine S\u00e4ule des Verhaltens dar, Umwelteinfl\u00fcsse die andere. Inwieweit der Ph\u00e4notyp durch Umwelteinfl\u00fcsse beeinflussbar ist, h\u00e4ngt von der Reaktionsnorm ab. Die M\u00f6glichkeit, sich durch Umwelteinfl\u00fcsse im Verhalten zu \u00e4ndern, ist \u00fcbrigens auch genetisch festgelegt. Und dazu lesen wir in Wikipedia:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Setzt man erbgleiche Lebewesen verschieden beschaffenen Umwelten aus, so werden sie in vielen Merkmalen unterschiedliche Erscheinungsformen entwickeln. Die ph\u00e4notypische Ver\u00e4nderung, die nicht durch unterschiedliche Gene, sondern durch unterschiedliche Umwelteinfl\u00fcsse hervorgerufen wird, nennt man MODIFIKATION.\u00a0<\/em>Und damit sind wir an einem wichtigen Punkt angelangt. Genetisch verankertes Verhalten l\u00e4sst sich durch Umwelteinfl\u00fcsse MODIFIZIEREN und damit definitiv ver\u00e4ndern. Und zwar ohne Reduktion einer Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Hypothese zur den Konsequenzen der RUDELSTELLUNG werden leider die enorm hohe Intelligenz, die Anpassungsf\u00e4higkeit und damit die Kompromissbereitschaft und die Kooperationsf\u00e4higkeit von Hunden v\u00f6llig au\u00dfer Acht gelassen. Das beweisen sehr viele Mehrhundehaltungen, in denen sich \u201eDoppelbesatz-Hunde\u201c bestens arrangieren und auch gl\u00fccklich zusammenleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist unbestreitbar, da\u00df es genetische Beitr\u00e4ge zur Ausbildung von sozialen Startegien und Pers\u00f6nlichkeiten gibt. Diese k\u00f6nnen dann durchaus auch mal einen Hund dazu pr\u00e4destinieren, eine bestimmte Funtion oder auch Rolle in der Gruppe eher mehr oder weniger einzunehmen. Von schicksalhafter Bestimmung im Sinne eines Planstellenprinzips kann aber dabei keine Rede sein. So grenzt es doch an Scharlatanerie, derart falsche und im Einzelfall verheerende Schlussfolgerungen zu orakeln. Jede Menge falsche Schlussfolgerungen werden auf mittlerweile zahlreichen Seminaren verbreitet und sorgen nicht nur f\u00fcr Irritationen, sondern auch f\u00fcr teilweise bedauernswerte Folgen bei Hunden und deren Besitzer. Ausgel\u00f6st durch Personen, die sich ganz besonders um die \u201eVerbreitung\u201c ihrer Hypothese bem\u00fchen und bemerkenswert wenig \u00fcber das hochintelligente beziehungsweise ganzheitliche Sozialsystem von Hunden wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ulihunde-nebeneinander.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-951 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ulihunde-nebeneinander-300x238.jpg\" alt=\"Ulihunde nebeneinander\" width=\"300\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ulihunde-nebeneinander-300x238.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ulihunde-nebeneinander.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ebenfalls problematisch wird das Ganze aber dann, wenn daraus tierschutzwidrige Schlussfolgerungen gezogen werden. Wenn Menschen, die problemlos \u00fcber Jahre hinweg mit zwei oder mehreren Hunden zusammenleben, pl\u00f6tzlich eingeredet wird, einen dieser Hunde abgeben zu m\u00fcssen, bisweilen sogar einen Senior abzugeben, damit dieser endlich loslassen und in Ruhe sterben kann, dann ist eindeutig die Grenze zur Tierschutzwidrigkeit \u00fcberschritten. Gerade in den letzten beiden Heften, in dem Beitrag \u00fcber Trauer beim Hund von Mechthild K\u00e4ufer und Udo Ganslo\u00dfer zeigt sich ja, wie sehr Hunde unter der pl\u00f6tzlichen Trennung von Bindungspartnern leiden k\u00f6nnen. Und hier sp\u00e4testens h\u00f6rt der Spa\u00df auf, und ist dann auch nicht mehr einfach nur als Kuriosit\u00e4t oder als unbewiesene Hypothese zu betrachten. Hier geht es dann um den Hund, und nicht nur um die Wissenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Deutschen Fernsehen wurde unl\u00e4ngst ein Tierheimhund gezeigt, der durch eine Hundetrainerin aufgrund seiner angeblichen Rudelstellung nicht in eine Familie abgegeben werden sollte. Die Familie hatte bereits einen Ersthund und wollte dem Tierheimhund ein neues Zuhause geben. Die medienerfahrene Hundetrainerin beklagte sehr energisch den \u201eDoppelbesatz\u201c und warf der Familie sogar verantwortungsloses Handeln vor. Vieles davon geschah vor laufender Fernsehkamera.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz entsprechender Verunsicherung entschloss sich die Familie dazu, den Hund dennoch aufzunehmen und traf kurze Zeit sp\u00e4ter bei Mitautor Thomas Baumann zu einer Mehrhundeanalyse ein. Im Ergebnis konnte es nicht um das Thema Rudelstellungen gehen, da die Verhaltensweisen des Tierheimhundes viel mehr auf gesundheitliche Probleme schlie\u00dfen lie\u00dfen, als auf irgendwelche Probleme in Sachen \u201eDoppelbesatz\u201c.\u00a0Eine umgehend durchgef\u00fchrte tier\u00e4rztliche Untersuchung zeigte auch in der Diagnostik (Blutbild) Ergebnisse, die auf eine organische Erkrankung hindeuten. Aktuell folgen weitergehende Untersuchungen zur Spezifik einer m\u00f6glichen Erkrankung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es im Beziehungsverh\u00e4ltnis zwischen den beiden Hunden zwar Reibungspunkte gab, diese aber ganz offensichtlich keinesfalls im Zusammenhang mit irgendwelchen Rudelstellungen standen. Vielmehr versuchte die Ersth\u00fcndin immer wieder das cholerisch anmutende Verhalten des Zweithundes zu reglementieren. Nicht etwa, weil der Zweithund als \u201eDoppelbesatz\u201c konkurrierend in Erscheinung getreten war, sondern weil sie damit der allgemeinen inneren Unruhe des Zweithundes begegnen wollte. Die Prognosen f\u00fcr ein harmonisches Zusammenleben h\u00e4ngen nicht nur in diesem Fall davon ab, dass die jeweiligen vierbeinigen Beziehungspartner gesund sind und dass der Hundebesitzer als Gruppenmanager durch sein Zutun die richtigen Ma\u00dfnahmen ergreift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Rudelkonstruktion ist n\u00e4mlich in der Mehrhundehaltung nicht losgel\u00f6st vom Menschen zu sehen. Darin besteht ein weiterer Denkfehler der Hypothesen zur Rudelstellung. Hundeverb\u00e4nde, die ohne das Management eines Menschen zusammenleben, k\u00f6nnten eventuell einem sogenannten Reparaturzwang ausgesetzt sein. Die vielen Feldstudien \u00fcber verwilderte Haushunde, die gerade von fast v\u00f6llig fehlendem Abwanderungsverhalten selbst im Erwachsenenalter berichten, sprechen allerdings auch hier dagegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wenn ein Mensch eine Hundegruppe anf\u00fchrt, f\u00e4llt dieser Reparaturzwang deutlich nach hinten, denn in der Mehrhundehaltung geht es viel weniger um Positionen als viel mehr um eine geschickte Zuteilung von Privilegien, die sich auf jeden einzelnen Vierbeiner lebensbereichernd auswirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann sich abschlie\u00dfend nicht des Eindrucks erwehren, dass nicht wenige Mehrhundehalter aufgrund eigener Rat- und Hilflosigkeit im Gruppenmanagement froh sind, \u00fcber die RUDELSTELLUNGEN endlich eine L\u00f6sung f\u00fcr ihre Probleme bekommen zu haben. Die Frage ist nur: Sind wir wirklich unf\u00e4hig geworden, den hypothetisch vermuteten \u201eDoppelbesatz\u201c eines Hunderudels durch kluges und geschicktes Gruppenmanagement zu kompensieren. Sind wirklich viele Mehrhundehalter Tierqu\u00e4ler, nur weil sie Modelle und L\u00f6sungen finden, trotz Rudelstellungs-Theorie gl\u00fcckliche Hunde zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist man froh, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man glaubte, ein H\u00fctehund m\u00fcsse h\u00fcten und ein Jagdhund m\u00fcsse jagen, um gl\u00fccklich zu sein.\u00a0Dass das nicht so ist, wissen wir doch mittlerweile (fast) alle, obwohl auch hier genetisch bedingte Eigenschaften vorliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass wir uns wieder mehr auf unsere sozialen F\u00e4higkeiten besinnen, auch mehrere Hunde gleichzeitig gl\u00fccklich machen zu k\u00f6nnen, ohne an einen schnellen Austausch zu denken. Zudem sind soziale Reibungspunkte in einer Beziehung bis zu einem bestimmten Niveau beziehungsf\u00f6rdernd und nicht beziehungsreduzierend. Das wird leider auch immer wieder vergessen. Beziehungen zwischen zwei Individuen ohne Reibungspunkte sind zum einen suspekt und zum anderen f\u00f6rdern sie keine Lebensqualit\u00e4t!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"Baumann \/ Ganslo\u00dfer aus WUFF 7-8 2014\" href=\"http:\/\/rudelstellungen.info\/?p=145\">TOP<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;WUFF&#8220; RUDELSTELLUNGEN bei Hunden? Warum es so nicht sein kann! von Thomas Baumann und Udo Ganslo\u00dfer Seit geraumer Zeit tobt in der Hundewelt der Streit um eine wieder mal neue Betrachtungsweise. Von fanatischer Begeisterung bis hin zu blankem Entsetzen reicht das Feedback von Teilnehmern an Seminaren zu sogenannten Rudelstellungen mittlerweile. 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