{"id":140,"date":"2014-08-04T13:08:32","date_gmt":"2014-08-04T11:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/rudelstellungen.info\/?p=140"},"modified":"2014-09-22T09:02:32","modified_gmt":"2014-09-22T07:02:32","slug":"bloch-in-woelfe-und-kinder-012014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=140","title":{"rendered":"Bloch in &#8222;W\u00f6lfe und Kinder&#8220; 01\/2014"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"WOLF MAGAZIN v. Elli H. Radinger\" href=\"http:\/\/www.wolfmagazin.de\/\" target=\"_blank\">Wolf Magazin<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_1265\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_02.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1265\" class=\"wp-image-1265 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_02-300x235.jpg\" alt=\"Wolf_schwarz_02\" width=\"300\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_02-300x235.jpg 300w, https:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_02.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1265\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bislang \u00fcberwiegt in Fachkreisen die Meinung, dass W\u00f6lfe zwar mit einem biologischen Instinktrepertoire ausgestattet sind, jedoch ihr \u201cVerhaltensstatus\u201d (Feddersen-Petersen 2008: die einem Individuum eigene soziale Stellung innerhalb einer Gruppe), generell von einer interaktiv wirkenden Kombination aus vererbten und erlernten Komponenten gekennzeichnet ist. Um zu verstehen, wie Evolution den \u201ctrade-off\u201d zwischen Kontinuit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t gel\u00f6st hat, ist es notwendig zu verstehen, wie Gene, Erfahrung und Verhalten proximat miteinander verkn\u00fcpft sind. <!--more-->Verhalten ist demnach ein wichtiger Mechanismus bei den Anpassungen eines Organismus an seinen Lebensraum (Kappeler 2006). Soziale Dominanzbeziehungen werden in Zweierkonstellationen getestet, erarbeitet und etabliert. Das Gleiche gilt f\u00fcr die Einnahme konkreter Gruppenstellungen, Rollen und Aufgaben, die nicht nur auf alters-, geschlechts- und pers\u00f6nlichkeitsgebundenen Voraussetzungen basieren, sondern eben auch stark von vorhandenen \u00f6kologischen Lebensumst\u00e4nden abh\u00e4ngen (Bloch 2008). Im \u00dcbrigen gilt die hohe Soziabilit\u00e4t (Bloch &amp; Radinger 2012: Die F\u00e4higkeit Einzelner, ohne gro\u00dfe Umst\u00e4nde neue Sozialbeziehungen aufzunehmen und zu pflegen) als allgemeing\u00fcltig anerkannt. Kleine, kompakte Familieneinheiten sind mitunter deutlich effizienter (auf Dauer \u00fcberlebensf\u00e4higer) als \u201cMegagruppen\u201d, deren Dynastien aufgrund Nahrungsknappheit und anderer verhaltens\u00f6kologischer Kriterien oft nicht aufrecht zu erhalten sind. Zuguterletzt lassen sich soziale Beziehungen nur durch eine l\u00e4ngere Beobachtung der Art, H\u00e4ufigkeit, Intensit\u00e4t und anderer Eigenschaften von Interaktionen zwischen zwei oder mehr Tieren beschreiben (Ganslosser 2007). Alle diese Fakten widersprechen der Hypothese, es existiere eine Art \u201cperfekte Rudelstruktur\u201d, deren Rollenverteilungen und Wertigkeiten von Geburt an unverr\u00fcckbar seien und von Anfang an festst\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit: Alle hypothetischen \u00dcberlegungen zur Existenz von \u201cgenetisch-fixierten Rudelstellungen\u201d bleiben solange pure Spekulation, bis quantitativ und qualitativ aussagekr\u00e4ftige Testergebnisse vorliegen, die auf einer wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcfbaren Methodik fu\u00dfen (Kriterien der innerer und \u00e4u\u00dferer Validit\u00e4t). Hierzu w\u00e4ren umfangreiche DNA-Analysen notwendig, die jedoch bis heute komplett fehlen. Davon abgesehen sind direkte Verhaltensbeobachtungen in w\u00f6lfischen Erdbauten, die eine genetisch fixierte soziale Grundordnung beim Kontaktliegen unter Wolfswelpen ggf. belegen k\u00f6nnte, unter Freilandbedingungen wohl kaum durchf\u00fchrbar (*).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(*): <strong>Zum<\/strong> <strong>allgemeinen<\/strong> <strong>Verst\u00e4ndnis<\/strong>: Wir stehen anekdotischen Berichterstattungen durchaus offen gegen\u00fcber. Die Bereitschaft zur Wissensvermehrung stellt f\u00fcr jeden seri\u00f6sen Kanidenforscher ohnehin eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit dar. Was wir nicht akzeptieren, sind bewusst gesch\u00fcrte Falschbehauptungen, Halbwahrheiten oder pers\u00f6nliche Angriffe und Diffamierungen. Nachfolgend hierzu einige sinngem\u00e4\u00df wiedergegebene Beispiele:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: \u201cS\u00e4mtlicheWolfskoryph\u00e4en haben es bislang vers\u00e4umt richtig hinzuschauen und deswegen keine Ahnung von Rudelstellungen\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar: <\/strong>Ein Affront gegen s\u00e4mtliche Freilandforscher dieser Welt, der keiner weiteren Erl\u00e4uterungen bedarf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: \u201cWolfsrudel mit stabilen<em>, <\/em>stellungsf\u00e4higen Sozialstrukturen lassen sich in freier Wildbahn nicht beobachten<em>\u201d. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Freilandbeobachtungen finden mittlerweile seit Jahren in den unterschiedlichsten \u00d6kosystemen dieser Welt statt: innerhalb von Arktik-, Tundra- und Taigaregionen, Gebirgs- und Kulturlandschaften oder Semiw\u00fcsten (siehe entspr. Literatur von D. Mech bis C. Sillero-Zibiri).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: \u201cBei Wolfsrudeln<em>, <\/em>die sich beobachten lassen<em>, <\/em>handelt es sich ausnahmslos umineffiziente<em>, <\/em>energievergeudende, loseGruppen mit fehlerhafter Sozialstruktur<em>\u201d.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Die soziale Organisation von Wolfsfamilien spiegelt Verhaltensanpassungen wider, die auf genetisch variablen Grundlagen, Erfahrungen und Lernprozessen basieren. Die Begriffserfindung \u201cfehlerhafte Sozialstruktur\u201d entbehrt deshalb jeglicher Grundlage, weil sich die Sozialstruktur des Grauwolfes schon allein je nach Subspezies grunds\u00e4tzlich unterschiedlich darstellt: von der typischen Kleinfamilienstruktur (z.B. <em>Canis<\/em> <em>lupus<\/em> <em>arabs<\/em>) bis hin zu wahren Megastrukturen, wie sie beispielsweise in Teilen Alaskas oder Kanadas durchaus \u00fcblich sein k\u00f6nnen (z.B. <em>Canis<\/em> <em>lupus<\/em> <em>occidentalis<\/em>).<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: \u201cMit geschultem Blick lassen sich anhand eines Fotos alle Wolfsrudelstellungen zweifelsfrei zuordnen, ohne das gezeigte Rudel bzw<em>. <\/em>dessen Struktur zuvor kennengelernt zu haben<em>\u201d. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Fotos stellen allenfalls Momentaufnahmen dar und sind v\u00f6llig ungeeignet, irgendwelche R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Beziehungsgef\u00fcge oder wom\u00f6glich F\u00fchrungsverhalten von Wolfsfamilien zu schlie\u00dfen, ohne deren Rangordnungs-, Alters- und Geschlechtsstruktur genau beobachtet zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: \u201cIn strukturierten Rudeln wird nicht gespielt<em>\u201d. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Spiel findet selbstverst\u00e4ndlich unabh\u00e4ngig der jeweiligen Familienstruktur statt, so auch zwischen Wolfseltern und deren ersten Nachwuchs (Welpen\/Juvenile).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: \u201cDie Geschicke eines Wolfsrudels leitet allesamt ein rangh\u00f6chster R\u00fcde, der s\u00e4mtliche Aufgabenbereiche zuweist und mit seinen untergeordneten \u201cZutr\u00e4gern\u201d erst gar nicht kommuniziert\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Leitr\u00fcde und Leitweibchen operieren in der Norm auf Augenh\u00f6he. Sie arbeiten eng zusammen. Beide Elterntiere kommunizieren nuanciert und nachhaltig mit allen anderen Familienmitgliedern, egal ob es sich um ranghohe oder rangniedrige Individuen handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Behauptung<\/strong>: <em>\u201c<\/em>G\u00fcnther Bloch spricht \u00fcber Dinge,\u00a0 von denen er nichts wei\u00df, weil er sich mit der Materie der nat\u00fcrlichen Rudelstellungen nie besch\u00e4ftigt hat und damit nicht vertraut ist\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommentar<\/strong>: Einige unserer \u00e4u\u00dferst verhaltenskundigen Wolfspaten haben an Veranstaltungen von Frau Ertel, die obige Thesen diktatorisch vertritt, teilgenommen, und uns v\u00f6llig entsetzt dar\u00fcber ausf\u00fchrlich berichtet. Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"Bloch in \u201cW\u00f6lfe und Kinder\u201d 01\/2014\" href=\"http:\/\/rudelstellungen.info\/?p=140\">Top<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolf Magazin Bislang \u00fcberwiegt in Fachkreisen die Meinung, dass W\u00f6lfe zwar mit einem biologischen Instinktrepertoire ausgestattet sind, jedoch ihr \u201cVerhaltensstatus\u201d (Feddersen-Petersen 2008: die einem Individuum eigene soziale Stellung innerhalb einer Gruppe), generell von einer interaktiv wirkenden Kombination aus vererbten und erlernten Komponenten gekennzeichnet ist. 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