{"id":14,"date":"2014-08-03T10:26:38","date_gmt":"2014-08-03T08:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/lotter.org\/rudelstellungen\/?p=14"},"modified":"2014-09-22T09:03:31","modified_gmt":"2014-09-22T07:03:31","slug":"interview-mit-guenther-bloch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/?p=14","title":{"rendered":"Interview mit G\u00fcnther Bloch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b><a style=\"color: #4d469c;\" href=\"http:\/\/www.hundefarm-eifel.de\" target=\"_blank\">G\u00fcnther Bloch<\/a>\u00a0gilt als renommierter Kynologe und hat sich durch seine Beobachtungen an wild lebenden W\u00f6lfen u.a. im kanadischen Banff-Nationalpark als Wolfsforscher etabliert. Zudem f\u00fchrte Bloch ein viel beachtetes Studienprojekt an frei lebenden Strassenhunden in der Toskana durch.<\/b><br \/>\n<b><br \/>\n<\/b><b>Wer, wenn nicht er, der beide Spezies\u00a0tats\u00e4chlich erforscht, auf deren Lebensweisen die Rudelstellungslehre sich aufzubauen vorgibt, w\u00e4re besser geeignet, hierzu Stellung zu nehmen? Darum freuen wir uns sehr, dass G\u00fcnther Bloch sich f\u00fcr das folgende Interview bereit erkl\u00e4rt hat!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<div class=\"post-body entry-content\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"separator\">\n<div id=\"attachment_1273\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Cover.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1273\" class=\"wp-image-1273 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Cover-300x200.jpg\" alt=\"8295FRANCKL\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Cover-300x200.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Cover.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1273\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p><strong><i>klargestellt: Sie haben sich doch sicher mit der \u201eRudelstellungslehre\u201c besch\u00e4ftigt und sogar Videos so genannter \u201eEinsch\u00e4tzungen\u201c durch Frau Ertel gesehen. Wie ist ihr Gesamteindruck?<\/i><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"separator\"><\/div>\n<p>Bloch: Vielen Dank f\u00fcr diese substantiell wichtige Frage direkt am Anfang. Das gibt mir Gelegenheit, ein f\u00fcr allemal mit den zum Teil b\u00f6swilligen Unterstellungen aufzur\u00e4umen, die im Internet in Umlauf sind. Je l\u00e4nger meine Frau und ich in Kanada leben, wo wir nach Herzenslust langzeitliche Verhaltensbeobachtungen an Wolf, Kojote, Fuchs und Streuner-hunden durchf\u00fchren k\u00f6nnen, desto klarer wird uns, wie neidisch so mancher \u201eRudelstellungsanh\u00e4nger\u201c doch sein muss auf Lebensstil und Qualit\u00e4t, die wir hier genie\u00dfen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Nun zu den Fakten: Ich habe nie behauptet, in Wolfsfamilien g\u00e4be es keine Rudelstellungen. Wie k\u00e4me ich dazu. Was ich nach wie vor vehement bezweifle, ist die Existenz von genetisch-fixierten Rudelstellungen. Zumal das Gegenteil der These beweisbar ist, alle Mitglieder einer Kanidengruppe st\u00fcnden von Geburt an unumst\u00f6\u00dflich fest. Rudelstellungen werden in unterschiedlichen Konstellationen und Beziehungsgeflechten \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume hinweg gestestet und erarbeitet, in ritualisierten Verhaltensabfolgen variabel kommuniziert und k\u00f6nnen sich durch soziale und r\u00e4umliche Umweltbedingungen massiv ver\u00e4ndern. Beispiele aus der Praxis k\u00f6nnen Sie in der einschl\u00e4gigen Literatur zuhauf finden. Sobald man jedoch eine solche Argumentationsposition einnimmt, wird einem postwendend unterstellt, nicht richtig beobachten zu k\u00f6nnen oder fehlerhafte R\u00fcckschl\u00fcsse aus den Beobachtungen an \u201edegenerierten Wolfsrudeln\u201c zu ziehen. Was als degeneriert zu subsumieren ist, bestimmt alleine Frau Ertel, die Wolfsverhalten interpretiert, wie es ihr und ihren Anh\u00e4ngern gerade in den Kram passt: w\u00f6lfisches \u201eRudelverhalten\u201c nach Gutd\u00fcnken. Keiner hat jemals in der Wolfsforschung aktiv gearbeitet, trotzdem wei\u00df man \u00fcber jede noch so kleine Verhaltensregung genauestens Bescheid. Zumindest theoretisch.<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber steht die ausgesprochen komplexe Materie der Freilandforschung mit ganz konkreten Beobachtungsergebnissen aus der Praxis. Damit will man sich anscheinend jedoch nicht auseinandersetzen. Dennoch wirft man jedem Rudelstellungsskeptiker f\u00e4lschlicherweise vor, keine Ahnung von Rudelstellungen zu haben, da man keinen Workshop von Frau Ertel besucht habe. Diese Aussage mag ja aus rein kaufm\u00e4nnischer \u00dcberlegung heraus ganz clever sein, aus fachlicher Sicht ist sie substanzlos und schlichtweg falsch.<br \/>\nSelbstredend habe ich nach genauem Studium des Buches und nach stundenlangen Gespr\u00e4chen mit unseren Wolfspaten, die mir objektiv und v\u00f6llig nachvollziehbar von den Rudelstellungsseminaren berichtet haben, zusammen mit einigen Kollegen mehrere Dutzend Workshop-Videos sachlich und mit der n\u00f6tigen Sorgfalt analysiert. Da man diese Videos im Internet auf YouTube bewundern darf, brauche ich keine saftigen Workshop-Preise zu bezahlen &#8211; ist doch super. Die Falschbehauptung, ich h\u00e4tte mich mit der Materie der Rudelstellungen nicht ernsthaft besch\u00e4ftigt, ist also somit nichts anderes als eine dumme Ausrede, weil das ausf\u00fchrliche Filmmaterial mehr oder weniger einem Live-Besuch gleichkommt.<\/p>\n<p>Nach Sichtung des Filmmaterials kommen wir zu nachfolgenden Abschlussbemerkungen: Die einzelnen Sequenzen von durchschnittlich 3-5 Minuten zeigen Momentaufnahmen bzw. Lebensabschnitte von diversen Haushunden. Nicht mehr und nicht weniger. Es fehlt jeglicher Kontext. Was man unzweifelhaft sehen kann, ist, dass der einzige gro\u00dfe Baum innerhalb des kleinen eingez\u00e4unten Freilaufs auf jeden der einzusch\u00e4tzenden Hundeindividuen wie ein Magnet wirkt. Logisch, bei solch einer Geruchsanballung. Zwangsl\u00e4ufig konzentriert sich das Explorations- und anschlie\u00dfende Markierverhalten s\u00e4mtlicher Hunde zun\u00e4chst einmal auf die intensiven Geruchsmarkierstellen von Artgenossen. Erstaunlicherlicherweise kommentiert Frau Ertel die hier knapp zusammengefasste Faktenlage mit keinem einzigen Wort. Stattdessen behauptet sie, die vererbte Rudelstellung jedes Hundes in Minutenschnelle erkannt zu haben.<\/p>\n<p>Machen wir\u2019s kurz: Unser Gesamteindruck war ein v\u00f6llig anderer, selbst wenn meine Aussage nun von der Rudelstellungsfraktion als Affront bewertet werden sollte. Die streut ohnehin lieber wilde Ger\u00fcchte. Die Kr\u00f6nung der L\u00e4cherlichkeit ist eine Behauptung, G. Bloch w\u00fcrde die Rudelstellungslehre sicherlich annehmen, wenn sie ihm ein kanadischer Indianer vermittelt h\u00e4tte. Oje. Kein Kommentar ohne Rechtsanwalt. Nur eins: Hierzulande kommt \u201eIndianer\u201c eher einem Schimpfwort gleich.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"post-body entry-content\">\n<div class=\"separator\" style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_1264\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_3er_Gruppe.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1264\" class=\"wp-image-1264 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_3er_Gruppe-300x195.jpg\" alt=\"Wolf_3er_Gruppe\" width=\"300\" height=\"195\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_3er_Gruppe-300x195.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_3er_Gruppe.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1264\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p><strong><i>klargestellt: Wie definieren Sie ein Rudel?<\/i><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"separator\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Ich mag den Begriff Rudel nicht besonders und verwende ihn schon seit etlichen Jahren nicht mehr. In den K\u00f6pfen vor allem von Hundehaltern ist dieser Begriff als streng hierarchisch strukturierte soziale Gruppe mit nach Unterwerfung strebenden \u201eAlphatieren\u201c etc. verhaftet. Das hat in der Realit\u00e4t zwar weder etwas mit frei lebenden W\u00f6lfen oder Wildhunden zu tun, passt aber geradezu optimal in das verallgemeinernde Schubladendenken vieler Menschen. In der Wildbiologie sprechen wir in Bezug auf Kanidenverb\u00e4nde lieber von Familien. Das sind sie im wahrsten Sinne des Wortes: soziale Familienverb\u00e4nde mit echten verwandtschaftlichen Beziehungen. Bemerkenswert kooperative und sozial strukturierte Gruppen mit formal dominanten Elterntieren und deren Nachwuchs aus 2-3 Jahren. Von Ausnahmen abgesehen, entspricht diese Kurzbeschreibung der Regel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: K\u00f6nnen Sie nachvollziehen, dass man anhand eines Schlafbildes eines Wurfs frisch geborener Welpen deren sp\u00e4tere Stellung innerhalb eines Rudels bestimmen kann?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Ich antworte hier als seit 1991 im Freiland t\u00e4tiger Kanidenforscher bzw. professioneller Naturalist &#8211; ganz wie Sie m\u00f6gen. Als solcher kann ich mit irgendwelchen nicht belegbaren theoretischen \u00dcberlegungen wenig anfangen. Ich glaube nicht an DAS Absolute. Ich bin Praktiker. Kein Theoretiker wie Frau Ertel von \u201eRudelstellungen\u201c. Ohne ihr zu nahe treten zu wollen, d\u00fcrfen wir an dieser Stelle zun\u00e4chst einmal ganz objektiv festhalten, dass weder Frau Ertel noch einer ihrer Anh\u00e4nger die soziale Organisation von Timberwolffamilien langfristig beobachtet hat. Genau das tue ich. Langzeitbeobachtungen an Tundraw\u00f6lfen habe ich auch durchgef\u00fchrt. Und glauben Sie mir: Fotos von der \u201eGeburtsstellung\u201c frei lebender Wolfsm\u00fctter und deren Welpen in H\u00f6hlen zu schie\u00dfen ist absolut unm\u00f6glich. Wie der gesunde Menschenverstand uns sagt, klettert keiner in Erdbauten und schaut sich dort die Stellungsformation von Welpen an. Wenn doch, m\u00fcsste man das Ganze dann noch quantitativ durchziehen, um einigerma\u00dfen nachvollziehbare Aussagen treffen zu k\u00f6nnen. Das ist eine Illusion. Das ist wieder einmal die krasse Diskrepanz zwischen irgendwelchen imagin\u00e4ren Theorien gegen\u00fcber praktischer Arbeit in der Freilandforschung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00dcbrigen k\u00f6nnen wir anhand mannigfaltiger Beispiele und Bergen an Datenmaterial klar und eindeutig beweisen, dass sich die \u201eRudelstellungen\u201c von Timberwolfwelpen erst durch nachhaltiges, intensives und nuanciertes Interaktions- und Spielverhalten nach und nach etablieren. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es gewisse Veranlagungen. Aber die reichen eben f\u00fcr feste Rudelstellungen bei weitem nicht aus. Wenn alles hundertprozentig fixiert und genetisch vorbestimmt w\u00e4re, so wie das Frau Ertel steif und fest behauptet, g\u00e4be es unter Welpen kein sozialstatusbedingtes Interaktionsgeschehen. Das Gegenteil ist aber der Fall. W\u00f6lfisches Interaktions-, Kommunikations- und Spielverhalten ist hoch variabel. Das lehrt uns die praktische Verhaltensbeobachtung tagt\u00e4glich. Wir sollten dem, was wir sehen, Vertrauen schenken und uns nicht beirren lassen. W\u00e4ren Wildkaniden nicht so unglaublich anpassungsf\u00e4hig wie sie es de facto nun einmal sind, sondern starr und unflexibel, g\u00e4be es keine W\u00f6lfe &amp; Co mehr. Sie w\u00e4ren l\u00e4ngst ausgestorben.<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Sie haben in Italien an den so genannten \u201ePizza-Hunden\u201c geforscht. Haben Sie bei diesen Hunden statische Rudelstrukturen festgestellt?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nein, das habe ich nicht. Die Hauptbeobachtungsgruppe wurde von einem Leitweibchen dirigiert und geleitet. Somit gab es schon mal keinen \u201eVorderen Leithund\u201c, sondern vielmehr eine Leith\u00fcndin. \u201eEurecia\u201c hatte als unumstrittene Chefin eine klare Stellung. Vermutlich, weil es sich um eine collieartige F\u00e4he mit herausragenden Sinnesleistungen handelte. Gefahren wie beispielsweise die Ann\u00e4herung von Wildschweinen machte Eurecia meistens als Erste aus. Das war f\u00fcr die Gesamtgruppe ein wichtiger \u00dcberlebensvorteil. Auch sonst gab es klar umrissenen Rudelstellungen &#8211; W\u00e4chter und Alarmhunde zum Beispiel. Nur schl\u00fcpften typischerweise subdominante Gruppenmitglieder in diese Rolle, die ansonsten nicht viel zu sagen hatten. Es waren auch nie einzelne Individuen, sondern immer gleich mehrere Hunde, die sich um die Gefahrenerkennung k\u00fcmmerten. Viele Aufgabenbereiche wechselten recht h\u00e4ufig. So waren einige der so genannten Alarmhunde je nach Wetterbedingungen und Tagestemperatur zwischenzeitlich alleine unterwegs, gingen baden oder auf die M\u00e4usejagd. Anstatt von fest Fixiertem war prim\u00e4r Variabilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t beobachtbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich zum Wolf war vieles total rudeluntypisch, Inzucht beispielsweise an der Tagesordnung. Keiner einzigen Hundemutter kam bei der Aufzucht junger Welpen seitens des rangh\u00f6chsten R\u00fcden irgendwelche Unterst\u00fctzung zu. Helfershelfer gab es auch keine. Kein Nahrungstransport Richtung Erdbau, keine dauerhafte Absicherung des H\u00f6hlenstandorts. Nichts dergleichen. Andere Verhaltensaspekte erinnerten wiederum an wolfstypische Gepflogenheiten. Regelm\u00e4\u00dfiges Chorheulen zum Beispiel oder die Verteidigung von Jungtieren gegen\u00fcber Wildschweinen. Ganz a la Wolf verhielten sich die Hunde auch sehr reviertreu, bewachten ein Territorium mit fest etabliertem Wegenetz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald von dem \u201eRudelverhalten\u201c die Rede ist, handelt es sich um eine unseri\u00f6se Gleichmacherei. Das Verhaltensrepertoire von Wildhunden ist wie ein \u201eKessel Buntes\u201c. Bei aller Begeisterung f\u00fcr unz\u00e4hlige Gemeinsamkeiten halte ich Frau Ertels 1:1 Gleichsetzung von Wolf und Hund in Bezug auf das Thema Rudel und Rudelstellungen f\u00fcr einen groben fachlichen Fehler. Wenn sie auf Wildhunderudel mit allen sieben Rudelstellungen verweist, dann soll sie uns doch pr\u00e4zise sagen, wo genau diese leben! Butter bei die Fische: wo kann ich als interessierter Kanidenfreund solcherart Hunderudel beobachten? Als Kanidenforscher bin ich hochgradig neugierig und immer offen f\u00fcr Neues.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Wie verh\u00e4lt es sich mit den Stra\u00dfenhunden, die in vielen s\u00fcdlichen L\u00e4ndern anzutreffen sind. Diese Hunde werden nicht von Menschen zu Rudeln zusammengestellt. Schlie\u00dfen sie sich in \u201estrukturierten\u201c Siebenerrudeln zusammen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: DEN Stra\u00dfenhund gibt es nicht. DAS Stra\u00dfenhundeverhalten auch nicht. Stra\u00dfenhund ist nur ein \u00dcberbegriff f\u00fcr \u201eferal dogs\u201c, \u201estray dogs\u201c, village dogs\u201c etc.pp. Das knallharte \u00dcberleben ohne menschliche Hilfe (z.B. selbst die \u201ePizza-Hunde\u201c wurden im Wald von Tiersch\u00fctzern gef\u00fcttert) ist f\u00fcr wild lebende Haushunde sehr schwierig. Das zeigen s\u00e4mtliche themenrelevanten Studienergebnisse weltweit. Hin und wieder gibt es tats\u00e4chlich Hunde-Gruppen, die sich selbst ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Einige Inuit-Hunde im Norden Kanadas, einige Verb\u00e4nde in den Hackbauerkulturen in N\u00e4he des \u00c4quators, einige in Wolfsmanier organisierte Dingofamilien im Nordosten Australiens. Daraus aber eine Norm abzuleiten oder davon auszugehen, nur ein \u201estrukturiertes Siebenerrudel\u201c sei perfekt, ist f\u00fcr mich nicht nachvollziehbar. Erneut steht die Frage unbeantwortet im Raum: Wo sind die Daten, wo sind Filmaufnahmen oder Fotomaterial von funktionalen siebenk\u00f6pfigen Stra\u00dfenhunderudeln? Die top-dokumentierten Arbeiten, die es gibt &#8211; z.B. von den sehr ber\u00fchmten Moskauer Stra\u00dfenhunden, oder von M. Bekoff, von T. Daniels, von R. Coppinger oder von W. Fielding, J. Mather und M. Isaacs &#8211; kommen alle zu der Schlussfolgerung, dass Hundegruppen-Gr\u00f6\u00dfen signifikant variieren. S\u00e4mtlichen Freilandforschern unisono vorzuwerfen, sie h\u00e4tten bislang nicht richtig hingeschaut, ist vorlaut, dreist, arrogant und wenig konstruktiv.<\/p>\n<div id=\"attachment_1267\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Strassenhunderudel_01t.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1267\" class=\"wp-image-1267 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Strassenhunderudel_01t-300x165.jpg\" alt=\"Strassenhunderudel_01t\" width=\"300\" height=\"165\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Strassenhunderudel_01t-300x165.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Strassenhunderudel_01t.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1267\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Ist es richtig, dass man strukturierte Rudel deshalb nur selten beobachten kann, da diese aufgrund ihrer stellungsgerechten Struktur besonders wachsam sind und rechtzeitig verschwinden?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Wie ich schon erw\u00e4hnt habe, sind in Kanidengruppen unabh\u00e4ngig ihrer Gr\u00f6\u00dfe stets mehrere Individuen anzutreffen, die liebend gerne als W\u00e4chter fungieren. Das wertet ein wenig ihren niedrigrangigen Sozialstatus auf, weil sie zum Vorteil aller Gruppenmitglieder einen aktiven Beitrag leisten. F\u00fcr Wolfsfamilien ist das Absichern eines aktiven H\u00f6hlengebietes ein kollektives Bem\u00fchen. Da machen alle mit. Somit hat die Welpenf\u00fcrsorge und Bewachung pauschal nichts mit fest fixierten Rudelstellungen gemein. Die schon benannte Haupt-Pizzahunde-Gruppe bestand mit Beobachtungsbeginn im Mai 2005 aus insgesamt 14 Mitgliedern, die wie von uns filmisch und fotografisch belegbar festgehalten, ein hervorragend funktionierendes Gefahrenerkennungs- und Abwehrsystem entwickelt hatte, vor allem gegen\u00fcber Wildschweinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kann man theoretisch rechtzeitig verschwinden, wenn man besonders wachsam ist. Nur tun das W\u00f6lfe in der Praxis eher selten. Besonders nicht in H\u00f6hlengebieten. Mit Ausnahme bei Ann\u00e4herung von Menschen. Wenn sich dort jedoch ein Schwarzb\u00e4r, Grizzly oder Puma als potentieller Feind der Welpen blicken l\u00e4sst oder die Kleinen wom\u00f6glich versucht zu bedrohen, verschwindet kein Wolf. Dann ist der Teufel los. Da lernt man dann als stiller Beobachter sehr schnell und ganz praktisch, wie kollektive Gruppenverteidigung wirklich funktioniert. Und zwar live. Anstatt \u00fcber das Absicherungs-, Gefahrenabwehr- und Fluchtverhalten von in freier Wildbahn ans\u00e4ssigen Wolfsfamilien und deren \u201eRudelstruktur\u201c theoretisch herumzuphilosophieren und uns Freilandforscher quasi als \u201eblinde Besserwisser\u201c darzustellen, sollte sich Frau Ertel vielleicht einmal etwas ausgiebiger mit Fachliteratur aus der Freilandforschung besch\u00e4ftigen. Just by the way: Statistisch gesehen betr\u00e4gt der durchschnittliche Rudelumfang sechs Mitglieder, nicht sieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Im Gegensatz zu \u201estrukturierten Rudeln\u201c beobachtet man gem\u00e4\u00df Ertel eher lose Verb\u00e4nde. Laut Rudelstellungslehre sind Hunde in solchen Verb\u00e4nden ausschlie\u00dflich \u201eBindehunde\u201c, die sich \u201easozial\u201c verhalten und st\u00e4ndig um ihre Rudelposition k\u00e4mpfen. Haben Sie dies beobachten k\u00f6nnen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nein, tut mir leid. Auch das konnten wir nicht beobachten. Weder bei den Pizza-Hunden noch anderen Stra\u00dfenhundegruppen. Weder in Polen oder der Slowakei, noch in Spanien oder Portugal. Ernstk\u00e4mpfe kamen mit Ausnahme der Paarungszeit so gut wie nie vor. Bei Auseinandersetzungen um Nahrungsressourcen haben wir unter den verwilderten Haushunden in der Toskana allenfalls kleinere Scharm\u00fctzel gesehen. Ansonsten ein erstaunlich hoch entwickeltes Konfliktmanagement mit viel in Hundemanier vorgetragener aggressiver Kommunikation, die so facettenreich nur in gut strukturierten Gruppen zum Ausdruck kommen kann. Ansonsten hier und da einige knallharte Auseinandersetzungen um Paarungsrechte. Die kann man aus verhaltensbiologischer Sicht schlecht als \u201easozial\u201c bezeichnen. Soviel zum Hund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wobei wir wieder einmal bei dieser f\u00fcrchterlichen Gleichmacherei mit dem Wolf gelandet w\u00e4ren. Frau Ertel sollte eigentlich wissen, dass es unter frei lebenden W\u00f6lfen selbst w\u00e4hrend der Hochranz extrem selten zu irgendwelchen Rudelpositionsk\u00e4mpfen kommt. Deshalb wandert der gesamte geschlechtsreife Nachwuchs ja schlie\u00dflich ab. Der Versuch zur Gr\u00fcndung eigener Familien steht f\u00fcr die meisten Wolfsindividuen im Vordergrund. Soziale Bindung im angestammten \u201eFamilienrudel\u201c: ade. Eltern-Nachwuchs-Bindung: ade. Gruppen-Bindung: ade. Habitatbindung an das elterliche Streifgebiet: ade. Auf welche Bindungsform sich Frau Ertel bei ihrer Pauschalaussage bezieht, ist mir schleierhaft.<\/p>\n<div id=\"attachment_1272\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahunde_Spiel_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-image-1272 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahunde_Spiel_01-300x235.jpg\" alt=\"Pizzahunde_Spiel_01\" width=\"300\" height=\"235\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahunde_Spiel_01-300x235.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pizzahunde_Spiel_01.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Herrscht in \u201enicht strukturierten Rudeln\u201c tats\u00e4chlich st\u00e4ndig Unruhe und Stress? Falls dies so ist, warum bleiben solche losen Verb\u00e4nde dann zusammen, statt strukturierte Rudel zu bilden?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Sehr gute Frage. Besonders unter Freilandbedingungen, wo jedes Gruppenmitglied Vor- und Nachteiles des Zusammenlebens abw\u00e4gen und ggf. die Familie verlassen kann. Wieder so ein \u201ePseudo-Problem\u201c. Anhand unserer Untersuchungsergebnisse ist spielend leicht zu belegen, dass sozial gestresste Niedrigrangige durchschnittlich im Alter von etwas \u00fcber einem Jahr abwandern. Deshalb gibt es im Gegensatz zur Gehegevergesellschaftung in freier Wildbahn langfristig keine \u201ePr\u00fcgelknaben\u201c bzw. \u201eOmegaw\u00f6lfe\u201c. Steht alles in meinem Buch \u201eAuge in Auge mit dem Wolf\u201c. An dieser Stelle darf ich dann auch mal ein wenig Werbung machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Frau Ertel sind Wolfsfamilien, die sich irgendwo auf unserem Planeten Erde beobachten lassen, allesamt \u201enicht strukturierte Rudel\u201c. Ihre Begr\u00fcndung: beobachtbare W\u00f6lfe sind total degeneriert. Was lernen wir daraus? Aha: Lebensraumpr\u00e4gung, Flexibilit\u00e4t, Anpassungsf\u00e4higkeit ist also nichts anders als Degeneration. Diese Logik erschlie\u00dft sich freilich nur Frau Ertel. Konstruktive Frage mit Bitte um pr\u00e4zise Antwort: Schon mal den als allgemeing\u00fcltig anerkannten Begriff \u201eKulturfolger\u201c geh\u00f6rt? W\u00f6lfe sind vielerorts zu cleveren Kulturfolger des Menschen avanciert. Und was ist mit der Domestikationsgeschichte vom Wolf zum Hund? Alles nur Degeneration?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unruhe und Stress kommt in den besten Familien vor. Zumindest zeitweise. Sozialen Stress pauschal mit Gruppengr\u00f6\u00dfen oder \u201enicht strukturierten Rudeln\u201c gleichzusetzen ist fachlich falsch. Sind momentane Konfliktsituationen und deren Bew\u00e4ltigung gleichzusetzen mit st\u00e4ndigem Stress? Wo ist die sachliche Unterscheidung zwischen situativem und chronischem Stress? Ersterer bringt Individuen in Hab-Acht-Alarmstellung, was gleicherma\u00dfen als notwendig und positiv zu bewerten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Einzelhunde unter den Stra\u00dfenhunden werden als \u201eEckhunde\u201c bezeichnet. Haben Sie eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass diese Hunde lieber alleine bleiben, als in einem losen Verband f\u00fcr Struktur zu sorgen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Einfache Antwort: N\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Auf dem Foto des Wildbiologen und Filmemachers Chadden Hunter (s.u.), dessen Frau Ertel sich bis vor kurzem bediente, sieht man 25 W\u00f6lfe wie an einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander her laufen (die Verwendung des Materials wurde ihr inzwischen untersagt). Frau Ertel erkl\u00e4rt dies mit der festgelegten Stellung, eines jeden Wolfes. Streben W\u00f6lfe grunds\u00e4tzlich nach dieser Anordnung? Wenn ja, tun sie dies immer in derselben, stellungskonformen Reihenfolge oder hat dies andere Gr\u00fcnde?<\/i><\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_635\" style=\"width: 430px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/wolf_pack_Ch_H_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-635\" class=\"wp-image-635 size-full\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/wolf_pack_Ch_H_01.jpg\" alt=\"wolf_pack_Ch_H_01\" width=\"420\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/wolf_pack_Ch_H_01.jpg 420w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/wolf_pack_Ch_H_01-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-635\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Chadden Hunter (http:\/\/www.chaddenhunter.blogspot.de)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Sich mit fremden Federn zu schm\u00fccken finde ich schon ein starkes St\u00fcck. Das spricht doch B\u00e4nde hinsichtlich Respekt und Seriosit\u00e4t. Zum Thema \u201estarr vorgegebene Anordnung\u201c: Ob D. Smith in Yellowstone, D. Mech auf Ellesmere Island, R. Peterson auf Isle Royale oder wir im Banff National Park \u2013 wir alle haben das F\u00fchrungsverhalten von W\u00f6lfen seit mehreren Dekaden ausf\u00fchrlich dokumentiert.In der Wildbiologie spricht man von Zentralpositionsf\u00fchrung oder \u201enon-frontal-leadership\u201c. Es gibt keine stellungskonformen Reihenfolgen, und kein Wolf strebt grunds\u00e4tzlich nach einer bestimmten Anordnung. Es l\u00e4uft auch kein \u201eAlphawolf\u201c st\u00e4ndig vorneweg. Mein Gott, das sind doch alles Ansichten aus der Steinzeit, qualitativ wie quantitativ anhand umfangreicher Datenbanken aus etlichen Studien zur Freude vieler Hundehalter l\u00e4ngst widerlegt. Die Leitung, F\u00fchrung und das Dirigieren von Wolfsfamilien ist eine hoch komplexe Angelegenheit. Sie wechselt st\u00e4ndig und aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden &#8211; N\u00e4heres u.a. unter www.hundefarm-eifel.de (\u201eEnglish publications\u201c klicken).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Kann man anhand eines solchen Fotos erkennen, dass die Tiere \u201ein Verteidigungsstellung unterwegs\u201c sind?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nein, das kann man nat\u00fcrlich nicht. Fotos sind nichts anderes als simple Momentaufnahmen. Bei dem von C. Hunter im offenen Gel\u00e4nde aufgenommenen Bild m\u00fcsste man die Gefahrenquelle doch sehen, die eine Verteidigungsstellung ausl\u00f6st! Ganz abgesehen davon gibt es \u00fcberhaupt keine vorgegebene Stellungsformation. Gefahrensituationen sind individuell. Gefahrenerkennung und Abwehr sind individuell. Feindbedrohung ist individuell. Verteidigungsverhalten ist individuell. Brenzlige Lebenslagen ergeben sich v\u00f6llig spontan, wozu soll man also st\u00e4ndig in \u201eVerteidigungsstellung\u201c unterwegs sein. Hinzu kommt, dass Wolfsfamilien insbesondere w\u00e4hrend der Aufzuchtphase der Welpen im Sommer so gut wie nie als Gesamtverbund unterwegs sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Das Rudelstellungskonstrukt fu\u00dft zu einem erheblichen Teil auf Absicherung. Da wird nach allen Seiten gesichert, es ist st\u00e4ndig von m\u00f6glichen Angriffen ist die Rede. All das erweckt den Anschein, als bef\u00e4nden sich Wolfsfamilien st\u00e4ndig auf dem Kriegspfad gegeneinander und w\u00e4ren au\u00dferdem stetig auf der Hut vor eventuellen sonstigen Angreifern. Wie wichtig ist Sicherung gegen Angriffe bei Wolfsrudeln? Wogegen muss sich ein Wolfsrudel verteidigen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nat\u00fcrlich kommen auf W\u00f6lfe je nach Lebensraum durchaus prek\u00e4re Probleml\u00f6sungs-situationen zu, vor allem in Gebieten mit starker Bejagung seitens des Menschen. Richtig ist auch, dass die Haupt-Todesursache in dicht besiedelten Wolfsregionen andere W\u00f6lfe sind. Insofern muss man grunds\u00e4tzlich schon auf der Hut sein. Hier bei uns auch vor B\u00e4ren, Pumas oder dem Vielfra\u00df. Insgesamt machen das erfahrene Leittiere mit dem f\u00fcr sie so typischen Weitblick und viel Gelassenheit. W\u00f6lfe sind weder Psychopaten noch Neurotiker. Sie sind hervorragende Kenner ihres angestammten Streifgebietes, ausgestattet mit herausragenden Sinnesleistungen. Infolgedessen l\u00e4sst sich eine Wolfsfamilie nicht so leicht \u00fcberrumpeln und es bleibt im normalen Alltag gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die Nahrungssuche, das Kommunizieren untereinander, das Interagieren und f\u00fcr ausgelassenes Spiel, das bekanntlich nur in lockerer sozialer und r\u00e4umlicher Atmosph\u00e4re stattfinden kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_1268\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_braun_01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1268\" class=\"wp-image-1268 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_braun_01-300x275.jpg\" alt=\"Wolf_braun_01\" width=\"300\" height=\"275\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_braun_01-300x275.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_braun_01.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1268\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Ist es richtig, dass ein bestimmter Wolf in einem Rudel die Aufgabe hat, den Verband nach hinten abzuschlie\u00dfen und sich in Notf\u00e4llen bei Angriffen zu opfern? Haben Sie bei W\u00f6lfen, den Pizza- oder Stra\u00dfenhunden solche Opfer beobachten k\u00f6nnen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nein, diese Aussage ist bestenfalls als extrem naiv zu bezeichnen. So etwas konnten wir bislang w\u00e4hrend mehrerer zehntausend Beobachtungsstunden nicht ein einziges Mal dokumentieren. Zudem ist ein solch theoretisch erdachtes \u201eHorror-Szenario\u201c absolut unlogisch. Welches S\u00e4ugetier soll denn in der Lage sein, ein komplettes Wolfsrudel von hinten anzugreifen? Und wozu? Und kein einziges Wolfsindividuum (obwohl ausgestattet mit mehreren hundert Millionen Geruchsrezeptoren) soll von dem ganzen Spuk etwas mitbekommen haben? Wenn das tats\u00e4chlich so einfach w\u00e4re, w\u00fcrden in bestimmten Kreisen der J\u00e4gerschaft und unter Wolfshassern wahre Jubelst\u00fcrme ausbrechen. Kein Wolf der Welt wird sich in Gefahrensituationen opfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den verwilderten Haushundegruppen in Italien kam es gelegentlich vor, dass eine Wildschweinhorde versuchte, die Hunde an einer Futterstelle zu attackieren. Solcherart Versuche waren aber kein einziges Mal von Erfolg gekr\u00f6nt, weil die Hunde im Kollektiv laut bellend und sich gegenseitig warnend bereits den geordneten R\u00fcckzug angetreten hatten, bevor die Wildschweine dort ankamen. Ergo brauchte sich auch an der Hundefront keiner zu \u201eopfern\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Ist es richtig, dass W\u00f6lfe nicht spielen, sondern nur damit befasst sind, zu arbeiten, indem sie das Rudel sichern, Nahrung beschaffen und die Rudelordnung aufrecht erhalten?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nein, nein und nochmals nein. Selbstverst\u00e4ndlich spielen W\u00f6lfe. In Rituale gekleidete gemeinsame Spielaktionen sind ein wichtiger Bestandteil des w\u00f6lfischen Interaktions- und Lernverhaltens. Spielrituale dienen u. a. dem kommunikativen Verst\u00e4ndnis, dem nachhaltigen Kennenlernen der Regeln zum \u201eFair Play\u201c. Spiel st\u00e4rkt zudem die Gruppenzugeh\u00f6rgkeit. Wolfseltern spielen miteinander als Ausdruck ihrer engen Paarbindung und mit dem Nachwuchs, um Gruppenharmonie herzustellen. Jungw\u00f6lfe spielen aufgrund ihres Alters logischerweise am h\u00e4ufigsten. Spieltypisch sind u.a. eine starke Vermischung einzelner Verhaltenssequenzen aus unterschiedlichen Funktionskreisen, Rollenwechsel und \u00fcbertrieben dargebotene und k\u00f6rpersprachlich-betonte Bewegungsabl\u00e4ufe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die \u201eArbeit zur Aufrechterhaltung der Rudelordnung\u201c betrifft: Gestandene Wolfseltern gl\u00e4nzen durch Charisma, leben einen durchdachten Lebensplan vor und sind f\u00fcr jedes Gruppenmitglied klar und eindeutig an ihrem selbstbewussten Auftreten zu erkennen, einschlie\u00dflich ihrem zielorientierten Markierverhalten. Leittiere haben es nicht n\u00f6tig, sich st\u00e4ndig mit Rudelordnungsfragen zu befassen. Sie sind der Motor einer Wolfsfamilie. Auf sie ist Verlass. Warum soll man solche Idolfiguren st\u00e4ndig herausfordern? Das w\u00e4re ziemlich t\u00f6richt, und das sind W\u00f6lfe ganz gewiss nicht. Die Beispiele von Frau Ertel erinnern doch sehr stark an Beschreibungen aus der Gehegehaltung, wo kein Gruppenmitglied abwandern kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_1263\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Welpe.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1263\" class=\"wp-image-1263 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Welpe-300x258.jpg\" alt=\"Wolf_Welpe\" width=\"300\" height=\"258\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Welpe-300x258.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_Welpe.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1263\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Haben Sie beobachtet, dass ein bestimmter Wolfswelpe sich versteckt bzw. von der Mutter versteckt wird, da er sonst als potentieller Konkurrent vom aktiven Leitwolf get\u00f6tet w\u00fcrde?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Wie bitte? Ein Leitwolf t\u00f6tet einen seiner eigenen Welpen? Und die Mutter schaut kommentarlos zu? Der \u201eaktive\u201c Leitwolf ist hier wohl gleichbedeutend mit dem alten Macho-Alpha-Bild. Eine Wolfsmutter versteckt einen bestimmten Welpen, damit ihr Lebenspartner ihn nicht umbringen kann. Wow. Dass diese abstruse Fantasiewelt nichts mit der Realit\u00e4t zu tun hat, sollte eigentlich jedem klar sein. Wolfsv\u00e4ter t\u00f6ten ihre Welpen und erkennen in einem bestimmten Welpen einen potentiellen Konkurrenten? Eine unglaubliche Geschichte, die man ausgerechnet von einer \u201eWolfsexpertin\u201c wohl am wenigsten erwarten sollte. So langsam wird\u00b4s nur noch peinlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Nach der Rudelstellungslehre \u201erepariert\u201c eine stellungsstarke W\u00f6lfin ihren Wurf, wenn er rudelstellungsgem\u00e4\u00df \u201einakzeptabel\u201c ist, durch das T\u00f6ten einzelner Welpen oder auch ihres ganzen Wurfs. Haben Sie solch ein Verhalten beobachtet?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Da Wolfswelpen die ersten zirka drei Wochen so gut wie ausnahmslos mit ihrer Mutter in einem Erdbau verbringen, kann ich keine Auskunft geben, was dort passiert oder auch nicht. Dass Wolfs- und Hundem\u00fctter gelegentlich einzelne immunschwache bzw. kaum \u00fcberlebensf\u00e4hige Welpen t\u00f6ten, ist hinl\u00e4nglich bekannt. Dass es sich hier um \u201erudelstellungsgem\u00e4\u00df inakzeptable\u201c Individuen handelt, ist eine durch nichts bewiesene These. In 24 Jahren Freilandforschung bin ich bis zum heutigen Tag noch keiner Wolfsmutter begegnet, die ihren kompletten Welpenwurf get\u00f6tet h\u00e4tte. Bislang kamen bei allen Wolfsfamilien jedes Jahr um Mitte April herum einige Welpen aus dem Bau. Ganz nebenbei am allerh\u00e4ufigsten sechs! Das wissen wir ganz genau durch viele direkte Beobachtungen und in den letzten Jahren zus\u00e4tzlich durch massenweise Bildaufnahmen von Foto-Fallen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1270\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1270\" class=\"wp-image-1270 size-medium\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_Beute-300x216.jpg\" alt=\"Wolf_schwarz_Beute\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_Beute-300x216.jpg 300w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Wolf_schwarz_Beute.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1270\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Haben Sie beobachtet, dass sich innerhalb einer Wolfsfamilie Tiere gleichen Ranges und gleichen Charakters oft meiden und bek\u00e4mpfen, um einen \u201eMehrfachbesatz\u201c der Rudelstellung zu verhindern?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Ungekl\u00e4rte Rangpositionen mit mehr oder weniger Kl\u00e4rungsbedarf, der in situativen Konflikten zum Ausdruck kommt und im Rahmen eines kanidentypischen Managements einschlie\u00dflich des Einsatzes von Abbruchsignalen kommuniziert wird, entspricht kanidentypischem Verhalten. Das ist doch wohl nichts Neues. Es gibt kein Gruppenleben ohne jegliches Konfliktpotential oder momentane Konkurrenzsituationen. Nirgendwo auf der Welt. Unter W\u00f6lfen, die genau aus diesem Grund im Verlaufe von Jahrhunderttausenden ein ausgefeiltes und funktionales Ausdrucksverhaltenssystem entwickelt haben, schon gleich gar nicht. Es wird gebrummt, es wird gedroht, es wird getrickst. Dazu geh\u00f6rt auch, dass sich zwei Kontrahenten\/-innen eine Zeit lang aus dem Weg gehen. Na und? Wenig sp\u00e4ter wird sich wieder vertragen, wird wieder an einem Strang gezogen, ein gemeinsames Ziel verfolgt, kooperiert und eng zusammengearbeitet. Das ist w\u00f6lfisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Zu Forschungszwecken im Sinne der Rudelstellungslehre werden derzeit f\u00fcnf aus Italien importierte und als zusammenpassend eingestufte Hunde auf einem 350 qm\u00b2 gro\u00dfen Grundst\u00fcck gehalten. Dieses \u201estrukturierte Teilrudel\u201c wird weitgehend sich selbst \u00fcberlassen. Ist dies eine artgerechte Haltung?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Warum hat man denn nicht gleich sieben \u201epassende\u201c Hunde aus Italien importiert, um dem staunenden Publikum das \u201eperfekt-strukturierte Rudel\u201c vorf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Verstehe ich nicht. Die magische Zahl war doch sieben!? Was will man denn mit einem \u201estrukturierten Teilrudel\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff \u201eArtgerechtigkeit\u201c wird in der Hundeszene meines Erachtens st\u00e4ndig \u00fcberstrapaziert. Ich will die Frage mal so beantworten: Artgerecht f\u00fcr den Hund ist, eng mit dem Menschen zusammenzuleben. Das unterscheidet ihn vom Wolf. Das predige ich seit Jahrzehnten. Was hei\u00dft \u201eweitgehend sich selbst \u00fcberlassen\u201c? Sollten diese Hunde nur in diesem 350 qm2 gro\u00dfen Pferch leben, ohne regelm\u00e4\u00dfigen Menschenkontakt bzw. einem normalen Hundeleben an der Seite des Menschen, hielte ich das Ganze f\u00fcr tierschutzrelevant, weil es einer dauerhaften Zwingerhaltung gleichk\u00e4me. Aus sozio-emotionaler Sicht will ich gar nicht anzufangen zu argumentieren. Sollte es sich um ein \u201ewissenschaftliches\u201c Experiment handeln, w\u00fcsste ich gerne ganz genau wer, wo, was, wann und warum in welchem ethologischen Rahmen und nach welcher einheitlich definierten Untersuchungsmethodik erarbeitet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Wie wirken sich solche Lebensumst\u00e4nde auf das Sozialverhalten der Tiere aus?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Alles ist m\u00f6glich. Um diesbez\u00fcglich ernsthafte \u00dcberlegungen anzustellen, fehlen mir jede Menge Informationen. So ist eine Prognose schwierig. Kennen sich die Hunde oder nicht? Gibt es unter ihnen irgendwelche Bindungs- und Dominanzbeziehungen? Kommen sie urspr\u00fcnglich von der Strasse und wo wurden sie geboren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Frau Ertel erkl\u00e4rt Hundehaltern, sie m\u00fcssen eine bestimmte \u201eRudelposition\u201c einnehmen. Ist der Mensch in der Lage, sich f\u00fcr Hunde glaubw\u00fcrdig sozusagen als Ersatzhund zu etablieren?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Im richtig verstandenen Sinne: Ja. Hundehalter sollten zumindest versuchen, sich so gut es geht zu \u201everhundlichen\u201c bzw. sich in ihren Hund hineinzuversetzen, und Offenheit zeigen, ihn besser verstehen zu wollen. Menschen m\u00fcssen die Andersartigkeit des Hundes akzeptieren lernen, wenn sie gute Lehrmeister sein wollen. Selbstverst\u00e4ndlich sollte der Mensch seinen F\u00fchrungsanspruch gelten machen. Summa summarum ist das Ganze eine Art Drahtseilakt: Einerseits sollte sich der Mensch des \u00d6fteren mal zur\u00fccknehmen und den Hund Hund sein lassen. Sie m\u00fcssen sich wie Hunde verhalten d\u00fcrfen und nicht zum Popanz des Menschen verkommen. Auf der anderen Seite muss er einen klar verst\u00e4ndlichen Rahmen vorgeben, ein Regelwerk, damit der Hund wei\u00df, was erlaubt ist und was nicht. Insofern m\u00fcssen ernsthafte Hundehalter sehr wohl eine bestimme Position einnehmen, n\u00e4mlich als Gruppenleiter und Dirigent, als Ansprechpartner und Hilfesteller. Das erfordert viel Sozialkompetenz. Bedauerlicherweise kommen viele Menschen in unseren \u201emodernen Zeiten\u201c kaum noch mit ihrem eigenen Leben klar. Aufgrund mangelnder Einsch\u00e4tzbarkeit und Berechenbarkeit sind viele Hundehalter bei ihren vierbeinigen Begleitern nicht sonderlich begehrt. Kein Wunder, bei dem st\u00e4ndigen Hin und Her, das heute im Umgang mit dem Hund an der Tagesordnung ist. Wenn das alles so gemeint ist, w\u00fcrde ich Frau Ertel zustimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: In einem der Videos spricht Frau Ertel von \u201eWeitortung\u201c und erkl\u00e4rt, diese habe alleine der Vordere Leithund. Wurde bei Wolfs- oder Hunderudeln beobachtet, dass nur Leithunde \u00fcber eine solche \u201eWeitortung\u201c verf\u00fcgen, w\u00e4hrend diese anderen Hunden fehlt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Auch hier ist ein F\u00fcnkchen Wahrheit dran. Wie in meinen B\u00fcchern und Publikationen nachzulesen ist, verf\u00fcgen in erster Linie sowohl die Leittiere (Vater und Mutter, nicht der vordere Leitwolf), als durchaus auch mindestens zwei Jahre alte Erwachsene aufgrund ihrer Lebenserfahrung und Revierkenntnisse \u00fcber die geniale F\u00e4higkeit der fr\u00fchzeitigen Gefahrenerkennung. Dazu bedarf es in der Tat eines enormen Weitblicks, \u00fcber den jugendliche Wolfsindividuen und J\u00e4hrlinge in dieser Auspr\u00e4gung (noch!) nicht verf\u00fcgen. Sie bekommen ihn aber mit zunehmendem Alter. Hier haben wir wiederum einen wunderbaren Beweis f\u00fcr verhaltens\u00f6kologisch erlernte F\u00e4higkeiten. Jungtiere erlernen den Gefahren-erkennungsweitblick durch intensive Beobachtung der Alttiere, nicht aufgrund einer genetisch vererbten Veranlagung. \u00dcber den Weitblick, den sich auch Hundehalter zwecks \u00fcberzeugender Gruppenf\u00fchrung aneignen sollten, referiere ich in meinen Seminaren seit langem, weil fr\u00fchzeitige Gefahrenerkennung auf alle Gruppenmitglieder stressreduzierend wirkt und \u201epl\u00f6tzliche\u201c Gefahrenabwehr wesentlich seltener notwendig wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><i><strong><i>klargestellt<\/i><\/strong>: Gibt es nach dem Stand der heutigen Forschung Hinweise auf eine genetisch festgelegte und somit vererbbare Stellung innerhalb eines Sozialverbandes von Kaniden?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch: Nein. Ich habe gute Kontakte zu Genetikern und viele meiner Freunde sind Zoologen, Ethologen oder Biologen. Keiner von ihnen ist von dieser These \u00fcberzeugt, weil bislang weder die Stammesgeschichte von Kaniden noch deren Verhaltensbiologie irgendwelche Hinweise erbracht hat, die diese Behauptung auch nur ansatzweise glaubhaft macht. Wie Sie im Interview erfahren haben, liegen uns jede Menge handfeste Belege vor, die das Gegenteil beweisen. Wenngleich man sich um ein paar Prozent rauf oder runter trefflich streiten mag, gilt nach wie vor die alte Faustregel: etwa ein Drittel des Verhaltens ist genetisch vorbestimmt, zwei Drittel unterliegt umweltbedingten Anpassungsprozessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit hier zum Schluss kein Missverst\u00e4ndnis entsteht: ich bin kein wissenschaftsh\u00f6riger Mensch. Evolution kennt keinen Stillstand. Wie schrieb einst Mark Bekoff zu sch\u00f6n: Der Plural von Anekdoten ist Daten. Ich halte weiterhin die Ohren offen und bleibe definitiv wissensdurstig. Ich bin Kanidenforscher, nehme meine Passion sehr ernst und glaube fest daran, \u201erichtig beobachten\u201c zu k\u00f6nnen, auch wenn ich garantiert hier und dort zu einer situativen Fehleinsch\u00e4tzung gelange. Nobody is perfect. Das gilt auch f\u00fcr Frau Ertel, gegen die ich nichts pers\u00f6nlich habe.<\/p>\n<div id=\"attachment_1269\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/W\u00f6lfe_z\u00e4rtlich.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1269\" class=\"wp-image-1269\" src=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/W\u00f6lfe_z\u00e4rtlich.jpg\" alt=\"W\u00f6lfe_z\u00e4rtlich\" width=\"400\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/W\u00f6lfe_z\u00e4rtlich.jpg 600w, http:\/\/rudelstellungen-klargestellt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/W\u00f6lfe_z\u00e4rtlich-300x223.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1269\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 G\u00fcnther Bloch (Kosmos Verlag)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><a style=\"color: #4d469c;\" href=\"http:\/\/www.hundefarm-eifel.de\">Website G\u00fcnther Bloch<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"Top\" href=\"http:\/\/rudelstellungen.info\/?p=14\">Top<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnther Bloch\u00a0gilt als renommierter Kynologe und hat sich durch seine Beobachtungen an wild lebenden W\u00f6lfen u.a. im kanadischen Banff-Nationalpark als Wolfsforscher etabliert. Zudem f\u00fchrte Bloch ein viel beachtetes Studienprojekt an frei lebenden Strassenhunden in der Toskana durch. 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